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Katzenjammer im Messie-Haushalt

Tierheimhelfer retten drei Dutzend geplagte Wesen — Dramatische Überfüllung - 18.08.2012 12:30 Uhr

Tierheimmitarbeiter versorgen bis zum späten Abend die geborgenen Katzen.

Tierheimmitarbeiter versorgen bis zum späten Abend die geborgenen Katzen.


Mehrere Stunden dauerte der Einsatz bei einer Katzenhalterin in einem Hinterhaus in der Fürther Innenstadt. Die alleinstehende 58-Jährige hatte die Tiere offenkundig gezielt gezüchtet, um sie zu verkaufen. Allerdings war sie zugleich vollkommen überfordert: Die Helfer mussten in der verwahrlosten Wohnung und einem dazugehörigen Dachboden jeden Kleiderhaufen sowie alle Möbel und Abfallberge zur Seite räumen, um tatsächlich alle Tiere zu finden und einzufangen. An dem Einsatz beteiligt waren auch Mitarbeiter des Umwelt- und Ordnungsamts sowie der Polizei.

„Bereits im Treppenhaus kam uns ein beißender Geruch entgegen“, berichtet Tierheimleiterin Heike Weber. „Als wir die Wohnung betraten, stockte uns der Atem.“ Als verheerend beschreibt sie die Situation auf dem Speicher. „Dort lebte ein Großteil der Jungkatzen bei schwüler Hitze im eigenen Kot und Urin — ein Nährboden für Bakterien aller Art.“

Im Tierheim wurden die 36 Katzen, darunter 26 junge Katzen im Alter von acht bis zwölf Wochen, von Helfern und einem Tierarzt untersucht, gewogen und versorgt. Sie waren samt und sonders von Milben und Flöhen übersät, mussten außerdem entwurmt werden und leiden unter starkem Katzenschnupfen.

Alle erwachsenen Tiere werden außerdem kastriert; eine Katze muss wegen eines akuten Augenleidens stündlich behandelt werden. Frühestens in 14 Tagen, so Weber, werde sich die gesundheitliche Situation der Geretteten stabilisiert haben. Zugleich spitzt sich die alljährlich in der Ferienzeit ohnehin angespannte Lage im Tierheim zu: Mit 317 Katzen müssen sich mehr als doppelt so viele Tiere wie vorgesehen den Platz in dem Katzen- und einem Teil des Hundetrakts teilen. Im Sommer schnellt regelmäßig nicht nur die Zahl der abgegebenen und „gefundenen“ Haustiere nach oben, im Gegenzug sinkt auch die Nachfrage: Statt 40 bis 50 Katzen pro Monat werden seit Wochen weniger als halb so viele vermittelt.

Die Fürther Katzenhalterin muss jetzt damit rechnen, dass ihr die Ordnungsbehörde die Tierhaltung untersagt. Außerdem droht ihr eine Strafanzeige wegen Tierquälerei. Sie ist auch für die Helfer des Tierheims keine Unbekannte: Vor drei Wochen hatte sie freiwillig zwei angeblich gefundene Katzen im Tierheim abgegeben.

Der Hinweis auf die aktuellen Missstände kam von einer Interessentin, die sich auf ein Verkaufsangebot der Frau hin gemeldet hatte und dabei auf die Zustände aufmerksam geworden war. „Warum aber die Nachbarn nicht schon früher reagiert haben, ist auch uns ein Rätsel“, sagt Heike Weber.

  

Wolfgang Heilig-Achneck - Lokales Nürnberg

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