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Kernkraftwerke sind „wie ortsfeste Atombomben“

EU-Parlamentarier zieht bei Besuch in Berufsschule drastischen Vergleich — Zusammenarbeit auch über Parteigrenzen - 22.03. 20:15 Uhr

Nürnberg  - Einen Einblick in die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments bekamen 24 Schüler der Berufsschule für Gesundheitsberufe. Bei einem Planspiel zum Thema Umwelt und Energie waren zwei Mitglieder des Europäischen Parlaments zu Gast.


Diskutieren vor der Europa-Fahne mit den Berufsschülern (von rechts nach links): die Europa-abgeordnete Nadja Hirsch (FDP), Jochen Kubosch vom EU-Informationsbüro und EU-Parlamentarier Thomas Händel (Linke).
Diskutieren vor der Europa-Fahne mit den Berufsschülern (von rechts nach links): die Europa-abgeordnete Nadja Hirsch (FDP), Jochen Kubosch vom EU-Informationsbüro und EU-Parlamentarier Thomas Händel (Linke).
Foto: Stefan Hippel
Diskutieren vor der Europa-Fahne mit den Berufsschülern (von rechts nach links): die Europa-abgeordnete Nadja Hirsch (FDP), Jochen Kubosch vom EU-Informationsbüro und EU-Parlamentarier Thomas Händel (Linke).
Diskutieren vor der Europa-Fahne mit den Berufsschülern (von rechts nach links): die Europa-abgeordnete Nadja Hirsch (FDP), Jochen Kubosch vom EU-Informationsbüro und EU-Parlamentarier Thomas Händel (Linke).
Foto: Stefan Hippel

Im Klassenzimmer geht es noch enger zu als sonst, als die Schüler die beiden Abgeordneten erwarten. Neben den Teilnehmer des Planspiels sind auch zahlreiche Mitschüler aus anderen Klassen gekommen.

Bei dem Planspiel sollten die Schüler die Entstehung eines Gesetzes nachvollziehen. Dabei ging es um das Thema Atomkraft. Nun stehen die beiden Abgeordneten Nadja Hirsch (FDP) und Thomas Händel (Linke) den Schülern Rede und Antwort. Auf die Frage eines Schülers, wie die Lobbyisten das Handeln der Abgeordneten beeinflussen, gibt Händel zu bedenken: „Es ist nicht verkehrt, sich zu Interessengruppen zusammenzuschließen und den Abgeordneten seine Meinung nahezubringen.“ Man müsse die Positionen aller abwägen und dann entscheiden.

Im Europäischen Parlament werden 23 verschiedene Sprachen gesprochen, da komme es schon mal zu Missverständnissen, räumt Hirsch ein. „Wegen eines Übersetzungsfehlers haben wir mit einer anderen Fraktion ein Jahr lang diskutiert, ohne uns zu einigen“, erzählt sie. Meist verständige man sich jedoch auf Englisch.

Hauptthema der Runde sind dann die Atomkraftwerke (AKW). Bei ihrem Planspiel hatten die Schüler einen Gesetzentwurf ausgearbeitet. „Ein Ergebnis zu erreichen, ist aber keine Selbstverständlichkeit“, betont Jochen Kubosch, Leiter des EU-Informationsbüros in München, „die Politiker einigen sich bei weitem nicht immer.“ Die Schüler fordern in ihren Richtlinien zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen die stufenweise Abschaltung von mindestens 60 Prozent der Atomkraftwerke bis zum Jahr 2050.

Das hält Händel für unzureichend: „Wir bauen uns 143 ortsfeste Atombomben um diesen Globus.“ Die Menschen bräuchten offenkundig erst eine Katastrophe wie in Fukushima, um die Gefahr zu erkennen. Laut Händel exportiere Deutschland so viel Strom, dass sieben AKW sofort abgeschaltet werden könnten. Er spricht sich für die Verwendung von alternativen Energien aus. Solaranlagen in der Wüste Sahara könnten den gesamten Strombedarf der Menschheit decken, behauptet Händel. Auch Hirsch teilt die Meinung, dass die alten AKW vom Netz genommen werden sollten. „Warum man die Anlagen jedoch erst jetzt überprüft, weiß ich nicht.“

Das Schöne an der Arbeit im EU-Parlament sei — da sind sich Händel und Hirsch einig — dass es durchaus eine Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg gebe. „Man schaut, welches Thema einem am Herzen liegt und wer einen dabei unterstützt“, sagt Hirsch. 





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Kurzbeschreibung:
Kommt Deutschland auch ohne Atomkraftwerke aus - kommt der Atomausstieg? Wie sicher sind Grafenrheinfeld, Isar, Gundremmingen und Co.? Wie geht es mit der Kernkraft im In- und Ausland nach Fukushima weiter? Hier finden Sie aktuelle Diskussionen und Hintergründe.