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Es ist ein Reizthema mit vielen Facetten: Laut spielende Kinder in einer Gaststätte — an einem Ort, an dem Jung und Alt, Menschen mit und ohne Nachwuchs aufeinandertreffen. Wann aber überschreitet ein unruhiges Kind die Toleranzgrenze bei den Gästen und wann gilt ein Sprössling als besonders laut? Gastronomen werden mit solchen unvorhersehbaren Konflikten unter Gästen und dem Personal immer wieder konfrontiert — und müssen dann Lösungen parat haben.
Wie berichtet, wurden in einem Lokal zwei Mütter von einer Bedienung aufgefordert zu gehen, weil ihr Nachwuchs zu laut war und auf der leeren Sitzbank krabbelte. Gäste hätten sich darüber beschwert, die „in Ruhe essen“ wollten. Die Lokalredaktion fragte unter Nürnberger Gastronomen nach, wie sie mit unruhigen, lauten Kindern und denjenigen Gästen umgehen, die sich dadurch gestört fühlen.
Im Gasthof Bammes im Stadtteil Buch habe wegen seiner tobenden Kinder noch niemand gehen müssen, sagt Inhaberin Ulla Schock. „Im Normalfall klappt das, wenn wir die Eltern bitten, besser auf ihre Kinder aufzupassen.“ Die Chefin des Speiselokals sieht auch das Problem weniger beim Lärm der Kinder und der Lärmtoleranz anderer Gäste, sondern macht Eltern hin und wieder auf die Sicherheit ihrer Kinder aufmerksam: Die könne sie nicht mehr gewährleisten, wenn die Kleinen im Flur der Gaststätte herumturnen. Denn hier eilen die Servicekräfte mit den heißen Tellern auf den Armen hin und her. „Wir wollen nicht, dass da ein Unfall passiert, und sprechen mit den Eltern, die sehen das meist ein.“
Thomas Hoffmann, Inhaber des Gasthauses Pegnitztal, sieht das anders. „Wenn bei uns Kinder herumflitzen, weichen die Bedienungen aus. Da ist auch noch nie etwas passiert, weil wir beim Servieren davon ausgehen, dass ein Kind im Weg stehen könnte.“ Dass die jungen Gäste auch laut sein können, verstehe sich für Hoffmann von selbst. „Wir waren doch alle einmal Kinder — das darf man doch nicht vergessen.“ Gehe ein Kind aber zu weit und ein Gast sieht sich sehr belästigt, suche der Wirt das Gespräch mit den Eltern.
Auf Kommunikation setzt auch Anja Grunert vom Café Restaurant Lorenz. „Zu uns kommen viele Familien. Tollen die Kleinen mal auf den Bänken, gehen unsere Serviceleute hin und weisen die Gäste dezent und mit Augenzwinkern darauf hin, dass das nicht erwünscht ist.“ Für den Fall, dass sich Gäste durch unruhige Kinder stark gestört fühlen, gebe es eine Lösung: „Wir versuchen, die Beschwerdeführer umzuplatzieren. Das funktioniert aber nur, wenn das Lokal nicht so voll ist.“
Gregor Lemke, Wirt des Bratwurst Rösleins, greift in so einem Fall in seine Tasche und zückt seinen großen Schlüsselbund. „Damit klimpere ich vor dem kreischenden Knirps und der ist dann schnell ruhig.“ Damit habe er schon viele schreiende Kinder beruhigen können. Zu diesem Mittel greife er dann, wenn ein Kind „fünf Minuten völlig unmotiviert herumbrüllt und nichts passiert“. Da müsse er sich manchmal über den Erziehungsstil einiger Eltern wundern.
Gerhard Engelmann, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes in Nürnberg, besteht darauf, dass ausnahmslos alle hiesigen Lokale kinderfreundlich eingestellt sind. „Da muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Die Kinder sind doch unsere Zukunft, in die wir investieren müssen.“ Er sei selbst Vater von drei Kindern. „Wenn die aber auf einer Sitzbank herumgeturnt wären, hätte ich denen was erzählt: dass man sich nämlich in einer Gaststätte anständig verhalten muss.“
Haben Sie Erfahrungen gemacht, die das Thema berühren? Dann schicken Sie uns eine E-Mail: nn-lokales@pressenetz.de oder einen Brief an: Nürnberger Nachrichten (Lokalredaktion), Marienstraße 9-11, 90402 Nürnberg.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.