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Kritik an Entschädigungspolitik der Deutschen Bahn

Demonstranten in Nürnberg fordern "Gerechtigkeit für die überlebenden NS-Opfer" - 06.12. 16:00 Uhr

Nürnberg  - Mehrere Hundert Teilnehmer haben am Samstagnachmittag in Nürnberg für mehr „Gerechtigkeit für die Überlebenden“ und gegen die Entschädigungspolitik der Deutschen Bahn für die NS-Opfer demonstriert. Nach juristischen Auseinandersetzungen mit der Stadt und der Bahn dufte der Protestmarsch doch bis vor das Bahnmuseum ziehen.


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Mit einem Festakt haben Deutsche Bahn und rund 400 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien im Dezember 2010 in Nürnberg das 175. Jubiläum der ersten Eisenbahnfahrt in Deutschland gefeiert.

Im DB-Museum in der Lessingstraße findet am Dienstag die Hauptfeier zum Jubiläum „175 Jahre Eisenbahn“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bahn-Chef Rüdiger Grube statt. Dies nahm der Verein „Zug der Erinnerung“ mit Unterstützung der Nürnberger und Fürther Bündnisse „Nazistopp“ zum Anlass, für eine bessere Entschädigung der NS-Opfer zu demonstrieren.

Laut Hans-Rüdiger Minow, dem Leiter der Initiative, hat die Reichsbahn unter der Herrschaft der Nationalsozialisten bis zu drei Millionen Menschen in die Vernichtungslager transportiert – und dafür auch noch Gebühren kassiert. Darunter waren viele Opfer aus Nürnberg. Er wirft der Bahn „als Nachfolgeunternehmen der Reichsbahn“ vor, die Überlebenden nicht angemessen zu entschädigen. In Osteuropa würden „Hilfsprojekte“ im Sachwert von einmalig 25 Euro pro Person abgespeist, steht auf dem Demo-Flugblatt des Vereins.

„Die Festakte der Bahnspitze und der Bundesregierung“, heißt es weiter in Anspielung auch auf die Feier in Nürnberg, „sind unangebracht. Sie entbehren jeglicher Moral, solange die Opfer in materieller Not leben und auf eine angemessene Ehrung noch immer warten müssen.“

Der KZ-Überlebende Josef Jakubowicz aus Nürnberg nahm an dem Protestzug durch die Innenstadt teil. Der 85-Jährige ließ sich im Rollstuhl schieben. Er hatte zweieinhalb Jahre für die Reichsbahn Zwangsarbeit leisten müssen und wurde in offenen Waggons in Zwangsarbeits- und Konzentrationslager gefahren.

Jakubowicz hatte bereits 1997 vom damaligen Bahn-Chef Dürr eine Kompensation von der DB AG gefordert. Und zwar in Form einer Freifahrkarte. Mit zu vielen ähnlichen Anfragen, berichtet er, sei ihm dieser Wunsch von der Bahn verwehrt worden. Das Angebot eines Reisegutscheins für eine BahnCard First lehnte er ab.

Minow: "Viel Geld für Lachsschnittchen und Sekt"

„Für Lachsschnittchen und Sekt gibt die Bahn viel Geld aus, für die deportierten und traumatisierten Menschen sind nur Brotkrumen übrig“, klagt Minow in einem ARD-Interview. Bahn-Sprecher Achim Stauß hält entgegen, dass der Konzern sich der Verantwortung bewusst sei und Millionen-Beträge in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ einzahle.

Die Stadt Nürnberg und die Bahn hatten versucht, den Demonstrationszug vom Bahnmuseum fernzuhalten. Vor Gericht siegten die Veranstalter jedoch. So zogen die Demonstranten denn auch vor das DB-Museum. „Es gibt nichts zu feiern“, „Sofortige Entschädigung“ oder „Gerechtigkeit für die Reichsbahn-Opfer“ stand auf ihren Transparenten. Das „Nürnberger Bündnis Nazistopp“ kritisiert auch die Vergangenheits-Aufarbeitung der Deutschen Bahn. „Wie bei anderen Unternehmen wird die eigene Täterschaft teilweise verharmlost.“

Der BR überträgt in der Frankenschau Aktuell morgen von 17.30 bis 18 Uhr live aus dem Nürnberger DB-Museum. 





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