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Lagune: Nürnberg, was ist aus dir geworden?

Betrifft: «Rat beschließt Bau der Lagune», Artikel vom 23. November 2007 - 10.12.2007

Die Stadt muss sich auch für 2008 abermals horrend weiter verschulden und schreckt dennoch nicht davor zurück, dubiose Prestigeobjekte, die zudem noch äußerst umstritten sind, zu erstellen. Das ist unfair und stellt eine große Missachtung gegenüber dem Bürger dar. Typisch Politiker: Dickschädelig und dümmlich eitel.

Fritz Winter, Nürnberg

Jetzt ist es aber wirklich genug! Ich finde das Verhalten der Delfingegner eine bodenlose Frechheit! Was sind denn 18 000 Unterschriften (oder auch weniger) im Verhältnis zu über einer Million glücklichen und zufriedenen Freunden unseres herrlichen Tiergartens, die sich alle auf unsere großartigen Delfine freuen? Wer war denn von diesen Leuten in unserem Traumtiergarten, und wie oft? Wenn diese Leute zuviel Zeit haben, dann sollten sie sich um die Armen unserer Stadt kümmern und nicht um unsere Delfine.

Es muss endlich Schluss sein mit den bösen Unterstellungen. Unsere Delfinanlage wird gebaut, es wäre ja wohl die größte Schlappe, diesen Leuten nachzugeben.

Hannelore Kraus, Nürnberg

Eine Delfin-Lagune ist nur auf den ersten Blick eine schöne Sache. Wer sich näher mit dem Thema «Haltung von Delfinen in Gefangenschaft» befasst, lernt schnell, dass die Meeressäuger in Delfinarien nicht annähernd artgerecht gehalten werden können, auch nicht in einer sogenannten Lagune. Der natürliche Lebensraum der Großen Tümmler ist von so großer Dimension, dass er nicht simuliert werden kann. Das hat man im Tierpark Hagenbeck bereits in den 90er Jahren erkannt. Seither gibt es dort keine Delfine mehr.

Insgesamt haben mittlerweile fünf der ursprünglich neun deutschen Delfinarien geschlossen, in Großbritannien existiert sogar kein einziges mehr von ehemals 30. Auch die Schweiz ist im Begriff, aus der Delfinhaltung auszusteigen.

Verbunden mit der Einsicht in die Probleme von Delfinarien zeichnet sich also ein allgemeiner Trend ab, von dem auch der Tiergarten in Nürnberg eingeholt werden könnte: Delfine zu halten, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Im Interesse von Mensch, Tier und Umwelt sollten Gelder in die maroden Gehege (und davon gibt es etliche!) jener Tiere gesteckt werden, die sich zur Haltung als Zootiere besser eignen als Delfine. Es gibt vorbildliche Projekte im Nürnberger Tiergarten wie etwa das der Przewalski-Pferde, aber es gibt auch Missstände, Tiere die keine Rückzugsmöglichkeiten haben, oder Tiere, die in Einzelhaft gehalten werden, obwohl sie Herdentiere sind wie etwa die Elefanten.

Zwei Tiere sind keine Herde! Das müsste die Tiergartenleitung, die sich gerne wissenschaftlich fundiert und kompetent gibt, eigentlich wissen. Nun hat sie viele Sponsoren für die Delfin-Lagune geworben und das Projekt als großartig verkauft.

So kommt es, dass man sich quasi verpflichtet fühlt, die Sache durchzuziehen, auch wenn aktuell alle Fakten gegen das Projekt sprechen. 62 Prozent der Besucher gehen nicht in das Delfinarium. Die veranschlagten Kosten für die Lagune sind ins Unermessliche gestiegen, von ursprünglich 10,3 auf mittlerweile 24 Millionen Euro.

Sie würden mit aller Wahrscheinlichkeit, wie bei Großprojekten üblich, während der Bauphase weiter ansteigen und womöglich die 30-Millionen-Grenze überschreiten.

Gibt es für die Verantwortlichen keinen ehrenhaften Ausstieg aus der Geschichte? Ich meine: auf jeden Fall!

Ethisches Bewusstsein, die Fähigkeit zu neuen Einsichten, Mut zu unpopulären Entscheidungen, kluges Agieren und schließlich auch der verantwortungsbewusste Umgang mit Steuergeldern - das zeichnet einen achtenswerten Politiker aus. Starres Festhalten an überholten Beschlüssen hingegen erscheint mir wenig respektabel.

Michael Feldhaus, Nürnberg

Auch in der Allgäuer Zeitung in Kempten stand ein Artikel über den irrsinnigen Plan, diese Lagune zu bauen. Ja, ist denn der Nürnberger Stadtrat von allen guten Geistern verlassen? Die Menschen erkennen endlich, dass Tiere (und nicht nur Delfine) sehr kluge, empfindsame, in ihrem sozialen Verhalten dem Menschen oft überlegene Wesen sind. Beginnt und endet bei den Nürnberger Stadträten der Tierschutz beim eigenen Dackel, wie bei vielen törichten Menschen? Da sterben im dortigen Zoo in relativ kurzer Zeit acht Delfine, und sie denken, in ein paar tausend Litern Wasser mehr leben sie gesünder und glücklicher.

Nürnberg ist in aller Welt berühmt für seine historischen Bauten, Künstler und klugen Köpfe wie Albrecht Dürer, Veit Stoß, Peter Henlein, Hans Sachs. Will der Stadtrat diesen guten Ruf aufs Spiele setzen, nur um des schnöden Mammons willen?

Die medizinischen Erfolge durch den Umgang mit Delfinen sind sehr umstritten. Außerdem eignen sich dafür nicht nur exotische Tiere. Mit einheimischen, nicht eingesperrten Tieren wären dieselben «umstrittenen» Erfolge zu erzielen. Das Image von Nürnberg könnte umschlagen in den Satz: Armes Nürnberg, was ist aus dir geworden?

Claudia Blaschke, Kempten 

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