|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Auch den nächtlichen Verkauf von Alkohol an Tankstellen will Imhof stoppen. Er war eine Nacht lang mit der Polizei an Brennpunkten wie Hauptbahnhof, Plärrer und Kohlenhof unterwegs. Seine Eindrücke: verheerend. „Junge Mädchen lagen am Boden herum und konnten nur noch lallen“, berichtet der Vater von drei erwachsenen Töchtern.
Ein andermal wurde Imhof spätabends bei einer Zugfahrt von Hersbruck nach Nürnberg Augenzeuge: 80 bis 100 Jugendliche tran ken Wodka, Sekt und Whisky. „Die glühten nicht nur vor, sondern sie fuhren betrunken ins städtische Nachtleben“, berichtet der CSU-Politiker, der Vorsitzender des Landesjugendhilfe-Ausschusses ist.
Ohne zu moralisieren, müsse sich die Gesellschaft überlegen, wie man die Verantwortung der Eltern stärker betonen könne: „Sie müssen sich fragen, wie sie ihrer Erziehungspflicht gerecht werden“, meint Imhof. 15 bis 17 Prozent der Nürnberger Eltern seien gar nicht mehr in der Lage, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Das Jugendschutzgesetz wird seiner Ansicht nach dadurch unterlaufen, dass Minderjährige mit volljährigen Freunden nach 24 Uhr in Diskotheken gehen.
Diese könnten aber nur selten als „erziehungsbeauftragte Personen“ im Sinn des Gesetzes gelten. Das sollte aus Gründen der Rechtssicherheit nur bei Personen über 25 Jahren und mit einem schriftlichen Nachweis möglich sein. „Eine Art Vertrag zwischen Eltern und dem erwachsenen Begleiter könnte mehr Bewusstsein schaffen“, schlägt Imhof vor. Die von der CSU im Jahr 2005 beschlossene Lockerung der Sperrzeit auf nur eine Stunde (zwischen fünf und sechs Uhr morgens) sieht er als „Fehler“. Er tritt für die Wiedereinführung von zwei Uhr nachts bis sechs Uhr morgens ein.
„FDP ist das größte Handicap“
Allerdings ist die CSU-Landtagsfraktion in dieser Frage gespalten: die Hälfte dafür, die Hälfte dagegen, so die Einschätzung des Nürnberger Abgeordneten. Vor allem müsse er sich aber mit dem Widerstand des Koalitionspartners FDP auseinandersetzen, der in einer Verlängerung der Sperrzeit eine Einschränkung der persönlichen Freiheit sehe, erklärt der CSU-Mann: „Die FDP ist für uns das größte Handicap.“
Nürnbergs Leitender Polizeidirektor Hermann Guth tritt für eine Sperrzeitverlängerung ein. Die Polizeistatistik belege eindeutig, dass die Delikte unter Alkoholeinfluss sehr stark zugenommen haben. Im Zeitraum 2001 bis 2009 seien sie um 47,3 Prozent gestiegen. Ein Schwerpunkt bei den Körperverletzungen seien die Wochenenden — nachts zwischen ein Uhr und sechs Uhr. „Es gibt wieder massive Beschwerden von Anwohnern am Plärrer, Kohlenhof und in Klingenhof, die in ihrer Nachtruhe gestört sind“, erklärt Guth.
Der Alkoholmissbrauch belaste aber nicht nur die Anwohner, sondern Krankenkassen und Gemeinwesen, meint der Polizeidirektor. Letztlich kommt der Steuerzahler dafür auf, wenn Krankenhäuser bis zur Bewusstlosigkeit besoffene Jugendliche behandeln müssen. Laut Kriminalstatistik wurden 16 Prozent der aufgeklärten Straftaten in Bayern im Jahr 2009 unter Alkoholeinfluss begangen. Bei Gewaltdelikten betrug der Anteil der betrunkenen tatverdächtigen Jugendlichen mehr als 55 Prozent.
Die Zahl der statistisch erfassten Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ist in Bayern erheblich gestiegen: Im Jahr 2000 wurden 2704 Fälle registriert, im Jahr 2008 waren es 5558 Personen. Positive Erfahrungen mit einer seit 2007 wieder verlängerten Sperrzeit in der Innenstadt machte Erlangen: Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ging um ein Viertel zurück, die Zahl der Körperverletzungen sank drastisch.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.