An Treue zum 1. FC Nürnberg mangelt es den Fans gottlob nicht. Trotz durchwachsenen Wetters strebten am Wochenende wieder Tausende Jünger aus der ganzen Region ins Frankenstadion, um ihrem Club zu huldigen.
Selbst die traurige Tatsache, dass der Ruhmreiche sich dort zuletzt doch eher selten mit Ruhm bekleckert hat, war für die Meisten kein Grund, daheim zu bleiben. Nein, die verkorkste, vergangene Saison ist abgehakt, versichert etwa Nicole Schönleb, die mit Mann und Kindern aus Dietenhofen angereist war. "Mit Abstieg haben wir heuer nix zu tun", ist die zweifache Mutter überzeugt.
Dass sie erstmals seit vielen Jahren keine Saisonkarten gekauft haben, liege auch nicht an den zuletzt enttäuschenden Leistungen des FCN, erklärt Thomas Schönleb: "Die Wirtschaftskrise ist schuld." Aber weil die Konjunktur inzwischen anzieht, kann sich der Familienvater durchaus vorstellen, in der Rückrunde wieder Dauergast im Frankenstadion zu werden. Und vielleicht, so die leise Hoffnung, folgt dem ökonomischen Aufschwung im Lande auch der sportliche beim 1.FCN. "Platz elf wäre doch super", sagt Nicole Schönleb.
Auf dem Weg dorthin wäre ein 3:1Sieg gegen Freiburg ein guter erster Schritt, findet die Sarah Schönleb (zwölf), während Bruder Eric (neun) etwas vorsichtiger auf 2:1 tippt. Ein Ergebnis, dem sich auch die meisten anderen Fans anschließen, die sich vor den Stadiontoren mit Bratwurst und Bier aufs Spiel einstimmen. Bei näherem Hinsehen lässt sich der Konsens der Anhänger freilich auch als schlechtes Omen deuten: "2:1 tippt man ja eigentlich immer nur, wenn man sich nicht sicher ist", analysiert einer den Orakelspruch aus der Menge. Nicht verwunderlich bei einem Verein, bei dem Unbeständigkeit manchmal die einzige Konstante zu sein scheint.
Unsicherheit, blitzt daher selbst beim Humor hartgesottener Clubberer auf: "Wir werden deutscher Meister", verkündet einer verheißungsvoll, nur um schnell hinzuzufügen: "Ich weiß bloß noch nicht in welcher Sportart." Stefanie Sapper und Karin Walter (beide 15) können der traditionellen Dauer-Zitterpartie, die der FCN immer wieder bietet, offenbar auch Positives abgewinnen. Aus diesem Grund stehen die beiden Erlangerinnen auch felsenfest zu ihrem Club, versichern sie und zücken stolz ihre Dauerkarten. Jedes Jahr bis zum Schuss um den Klassenerhalt zu kämpfen, sei doch aufregend, sagt Stefanie Sapper. "Das ist spannender als bei Bayern, die werden ja ständig bloß Meister."
Dass das Motto "Lieber mittendrin (im Abstiegskampf), statt nur (vorne) dabei" für viele Nürnberg-Anhänger längst zur Überzeugung geworden ist, zeigte schon ein Blick ins Stadion. Während sich die Ultras wie gewohnt mit kunstvollen Choreographien und Gesängen verausgabten und die frisch überholte Nordkurve bis an ihre physikalischen Belastungsgrenzen testeten, hielt sich die Begeisterung auf den übrigen Rängen in Grenzen.
Ein paar Pfiffe hier, ein bisschen Szenenapplaus dort, war das Äußerste, was sich das Gros der 36780 Zuschauer entlocken ließ. Leidenschaft entwickelt der fränkische Fußballfan eben doch erst, wenn er genug leidet. Mit einer einzigen Niederlage ist die Schmerzgrenze des wahren Clubberers jedenfalls lange nicht erreicht. Den schwachen Auftritt ihres Teams gegen noch schwächere Freiburger steckten die meisten mit stoischer Gelassenheit weg. Eben ganz getreu dem inoffiziellen Leitmotto aller Nürnberg-Fans, das sich ein Anhänger aufs Trikot geschrieben hatte: "Bassd scho!"

Fr. 03.02.12
Fr. 03.02.12
Fr. 03.02.12
Fr. 03.02.12