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Einmal die Koffer auspacken und dennoch während einer elftägigen Reise täglich eine neue Stadt entdecken: Mit diesem Angebot überzeugen Veranstalter wie Viking River Cruises und Ama Waterworld vor allem ältere Kunden. „Das ist einfach ein sehr gutes Konzept“, sagt Robin Gardner. Der Kanadier hat mit seiner Frau erst drei Tage lang Prag erkundet, bevor er am Samstagabend in Nürnberg an Bord der „Legend“ gegangen ist.
Jetzt, nach einer zweieinhalbstündigen Bustour mit Ralf Arnold von „Geschichte für Alle“, die über das Reichsparteitagsgelände zum Johannisfriedhof, zum Henkersteg und zur Burg führte, schwärmt er von der Schönheit der Altstadt. „Es ist beeindruckend, wie gut hier alles erhalten oder wieder aufgebaut wurde“, sagt der 67-Jährige, der außerdem vom Komfort an Bord und vom „exzellenten Essen“ begeistert ist. „Das ist einfach eine perfekte Reiseform.“
Nicht nur er sieht das so. Nach Angaben der Congress- und Tourismuszentrale wächst das Geschäft mit den Flusskreuzfahrten von Jahr zu Jahr. Vizechef Wolfram Zilk spricht von einer durchschnittlichen Steigerung von fünf Prozent pro Jahr. 1996 kamen gerade mal 85 Schiffe, in diesem Jahr werden es voraussichtlich insgesamt 640 sein. Schiffe wie die „Legend“, die ihre Route in Nürnberg startet, sieht Zilk besonders gern. „Wir werben bei den Veranstaltern darum, die Touren so zu planen.“ Meistens ist Nürnberg nämlich bislang nur ein Etappenziel auf der Fahrt von Amsterdam nach Wien oder Budapest, die Touristen kommen nur für ein paar Stunden in die Stadt.
Wenn die Reise hier jedoch endet oder beginnt, können die Tourismusfachleute womöglich zusätzliche Übernachtungen verkaufen und die Besucher länger nach Nürnberg locken. „Wir machen entsprechende Angebote im Paket“, sagt Zilk. Weil viele Reisende die Stadt auch während der „stillen Tage“ rund um den Jahreswechsel besuchen, hat die Congresszentrale eigens ein Programmheft für diese Zeit aufgelegt. „Wir wollen zeigen, wie viel da los ist“, so Zilk, der auch in puncto Busbesucher einen positiven Trend melden kann. Bislang steuerten schon 3262 Busse den Christkindlesmarkt an, das sind 346 mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.
Zilk führt das vor allem auf das neue Parkkonzept zurück: Die Touristen können an verschiedenen Punkten altstadtnah aussteigen, dann parken die Busse auf dem Volksfestplatz. Den Fahrern versüßt eine Tüte mit Gutscheinen den Aufenthalt, kostenlose Fahrscheine der VAG erleichtern einen Abstecher in die Innenstadt.
Während die Busreisen vor allem während der Vorweihnachtszeit beliebt sind, läuft das Geschäft mit den Kreuzfahrten das ganze Jahr über – wenn denn nicht Niedrigwasser oder Eisschollen die Schiffe stoppen. Die meisten Besucher werden vom Verein „Geschichte für Alle“ durch die Stadt gelotst, allein in diesem Jahr organisierten Geschäftsführer Bernd Windsheimer und seine Kollegen 2000 Touren für die Besucher aus den USA, aus Australien und Kanada. Die Mehrzahl der Gäste ist laut Windsheimer im Rentenalter. Berufstätigen mit ihrem begrenzten Urlaub sei die Tour zu lang. „Das leistet man sich, wenn man mehr Zeit hat.“
Beeindruckt vom Justizpalast
Carl Hage und Rina Cooke arbeiten zwar noch, doch beide haben sich trotzdem die Europareise gegönnt. Ihr Bruder habe dieselbe Fahrt gemacht und ihnen die Tour wärmstens empfohlen, sagt Cooke. Die Kalifornier sind besonders beeindruckt vom Reichsparteitagsgelände und vom Justizpalast mit dem Saal 600. Er könne jetzt viel besser verstehen, warum Hitler so viele Menschen auf seine Seite ziehen konnte, sagt Hage. „Das ist eine gute Chance, mehr über diese Zeit zu erfahren.“
Dass sich Nürnberg gerade durch die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte positiv von den anderen Etappenzielen an Donau, Main und Rhein unterscheidet, glaubt Stadtführer Ralf Arnold von „Geschichte für Alle“. „Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.“ Anderswo, weiß der 48-Jährige, schimpfen Gäste nämlich durchaus mal über das immergleiche Abc: Das Kürzel steht für another beautiful (oder bloody) church, noch eine wundervolle (oder verdammte) Kirche...

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.