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Mit der mobilen Praxis in die Weiten der mongolischen Steppe

Die von dem Nürnberger Kieferchirurgen Claus Macher gegründete Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ baut ihr Engagement weiter aus - 04.02. 08:04 Uhr

Nürnberg  - In sechs Entwicklungsländern waren und sind engagierte Mediziner auf Vermittlung der Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ bereits tätig. Demnächst sollen Namibia und Sri Lanka hinzukommen, nach Marokko, Tunesien, Burundi und zu den Philippinen werden erste Kontakte geknüpft. Alle Fäden laufen in Nürnberg zusammen.

Ambulanter Einsatz in einer provisorischen Praxis: Freiwillige Helfer der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ behandeln Patienten in einem afrikanischen Land.
Ambulanter Einsatz in einer provisorischen Praxis: Freiwillige Helfer der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ behandeln Patienten in einem afrikanischen Land.
Foto: DWLF
Ambulanter Einsatz in einer provisorischen Praxis: Freiwillige Helfer der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ behandeln Patienten in einem afrikanischen Land.
Ambulanter Einsatz in einer provisorischen Praxis: Freiwillige Helfer der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ behandeln Patienten in einem afrikanischen Land.
Foto: DWLF

Nach dem Vorbild von „Ärzte ohne Grenzen“ hat der Nürnberger Kieferchirurg Claus Macher vor acht Jahren eine ähnliche Organisation ins Leben gerufen. Die umfassendsten Aktivitäten hat sie nicht zufällig in der Mongolei entfaltet. Den Anstoß hatten eine Reise und ein Einsatz dort gegeben.

In den weithin entlegenen Regionen erhalten die meisten Menschen bestenfalls einfache medizinische Hilfe, an die Behandlung von Schäden und Beschwerden an Gebiss und Zähnen ist kaum zu denken – oder nur in der Hauptstadt zu für sie unerschwinglichen Preisen. Allein in der Mongolei haben im vergangenen Jahr 65 europäische Helfer an 14 Standorten kostenlos 9200 bedürftige Patienten behandelt.



Machers Engagement ist untrennbar mit einer persönlichen Begegnung verbunden: Die aus dem zentralasiatischen Land stammende Chirurgin Tuul Sodnompil hat selbst jahrelang in den ländlichen Regionen gearbeitet – und dann den Nürnberger Claus Macher kennengelernt. Aus der kollegialen Bekanntschaft ist längst eine Lebenspartnerschaft geworden – und Tuul hat der Arbeit der offiziell unter dem englischen Titel „dentists without limits“ operierenden Initiative in ihrer Heimat und andernorts den Boden bereitet.

Schon aus klimatischen Gründen konzentrieren sich die Einsätze auf die Sommerwochen. „Sie bieten eine ungewöhnliche Chance, die Lebensbedingungen wie den Alltag in einer Jurte und eine fremde Kultur aus nächster Nähe kennenzulernen“, wirbt Macher. Zudem ist es etwa in der Mongolei gang und gäbe, dass auch die Helfer von Bier und Limonade auf Stutenmilch und Milchtee umsteigen. „Und Erlebnisse wie eine Kameltour durch die Steppe sind einfach unvergesslich“, schwärmt der Zahnarzt David Jung.

Neben Mitarbeitern und Helfern aus Deutschland haben die Zahnärzte ohne Grenzen inzwischen auch Freiwillige im Alter zwischen 22 und 70 Jahren aus Österreich und der Schweiz, Frankreich und Griechenland, Russland, Polen, Vietnam und sogar Iran gewinnen können – im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 600. Die Reise und ihren Aufenthalt, fernab von Komfort oder gar Luxus, müssen sie obendrein selbst finanzieren und zum Teil auch organisieren – und sich am besten noch um Spenden von Narkosemitteln, Füllungen und anderen Materialien kümmern.

Während Allgemeinmediziner bei Einsätzen in Entwicklungsländern mit einfachsten Utensilien und Präparaten buchstäblich operieren müssen, kommen die Zahnärzte nicht ohne eine technische Grundausstattung aus. Deshalb hat die Initiative neben festen inzwischen 30 mobile Zahnstationen und sogar -kliniken angeschafft, die auch in die entlegenen Regionen mitgenommen werden.

Gelegentlich ergeben sich aus den Beobachtungen auch Anstöße für weitere Forschungen. Etwa wenn, wie in einer stark vulkanisch geprägten Region der Mongolei, eine auffällige Häufung von Zahnflecken auftritt.

Voraussetzung für alle Einsätze ist der Abschluss einer Vereinbarung mit der jeweiligen Landesregierung: Ein Memorandum of Understanding soll nicht nur sicherstellen, dass die Gäste willkommen sind, sondern auch den nötigen Schutz erhalten und vor bürokratischen Schikanen möglichst verschont bleiben.

Ebenso wichtig ist die Einbeziehung einheimischer Kräfte, auch als eine Art Fortbildung. „Dass wir einheimischen Kollegen – so weit es welche gibt – keine Konkurrenz machen wollen, versteht sich von selbst“, so Macher. Zur Anerkennung ihrer Verdienste um die Mongolei hat die Universität des Landes in Ulan Baator Claus und Tuul Macher zu Honorarprofessoren ernannt. 



WOLFGANG HEILIG-ACHNECK - Lokales Nürnberg

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