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„Als Janna zur Welt kam, waren wir zunächst schockiert, geradezu entsetzt“, erzählt Hildegard Unsöld. Jannas Behinderung kam völlig unerwartet. Es gab keine erblichen Vorbelastungen in der Familie, keine Anzeichen, dass eines der Enkelkinder mit Beeinträchtigungen geboren werden könnte.
„Was kommt da wohl auf uns zu“, hat sich die Großmutter damals oft gefragt. Ein Abbruch der Schwangerschaft kam für ihre Tochter jedoch nie infrage. Vor 18 Jahren stand fest: Janna wird leben und sie wird Teil der Familie sein.
Wenn Hildegard Unsöld von ihrer Enkelin Janna erzählt, mit der sie viel Zeit verbringt, liegt Liebe und Wertschätzung in ihrer Stimme. Doch hin und wieder mischen sich Unverständnis und Ärger in die Erinnerungen der 72-Jährigen: „Oft haben wir es schon erlebt, dass Janna von Fremden schlecht behandelt, dass sie ignoriert oder sogar mit Abscheu wahrgenommen wurde.“
Für das Down-Syndrom ist eine spezielle Genmutation beim Menschen verantwortlich. Das gesamte 21. Chromosom oder auch nur Teile davon liegen dreifach vor, daher die Fachbezeichnung Trisomie 21. Es ist nicht bekannt, wodurch diese Abweichung im Zellteilungsprozess verursacht wird. In den meisten Fällen von Down-Syndrom weisen die Betroffenen stark ausgeprägte körperliche und auch geistige Defizite auf.
„Die Motorik spielt bei Menschen mit Down-Syndrom nicht so mit“, sagt Hildegard Unsöld. Doch mit ihrer Janna hätte die Familie durch konsequente Übung und Geduld vieles erreicht, was zunächst unmöglich schien. „Unsere Enkeltochter fährt gerne mit dem Fahrrad. Die meisten können das wegen des verminderten Gleichgewichtssinns nicht.“
Janna kann es. „Sie ist mit uns sogar von Nürnberg bis nach Hirschbach gefahren.“ Eine Strecke von 48 Kilometern, wie die Großmutter stolz berichtet. Doch Radfahren ist nicht ihr einziges Hobby. Neben unermüdlichem Tanzen, Wandern und Fitness-Turnen im Sportverein ist die 18-Jährige eine begeisterte Schwimmerin. „Und tauchen kann sie auch, wesentlich besser als die Oma“, sagt Unsöld mit einem hellen Lachen.
Die meiste Zeit verbringt Janna jedoch mit ihrer Flöte. „Einmal in der Woche kommt sie nach der Schule zu uns in die Schwarzenloher Straße. Dann wird gemeinsam geübt.“ Ihre für das Down-Syndrom ungewöhnliche Begabung entdeckte die Familie im Jahr 2004. In der Schule durfte sie ein halbes Jahr lang das Blasinstrument spielen. Danach nahm ihre Großmutter die musische Erziehung selbst in die Hand.
„Seit einigen Jahren haben Janna, ihre Mutter und ich sogar regelmäßig Auftritte vor größerem Publikum. Wir spielen als ,Flötentrio Claußen‘ auf Weihnachtsfeiern, Vereinsfesten oder privaten Veranstaltungen“, sagt die Oma. So spielte das Trio auch auf Jannas Abschlussfeier an der Berufsschule der Lebenshilfe vergangenen Freitag.
Ab September beginnt sie mit der Arbeit in den Goldbachwerkstätten in Zabo. In der Kreativabteilung wird sie die Möglichkeit haben, in Schneiderei, Töpferei oder Weberei zu arbeiten. Und die Oma ist stolz auf ihre Enkelin: „Es ist schon erstaunlich, wie gut sich Janna entwickelt hat. Da überwiegt die Freude alle anfänglichen Bedenken.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.