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„Der Kindsvater verließ die Frau, kurz nachdem sie sich dafür entschieden hatte, ihre Zwillinge zur Welt zu bringen.“ Mit diesem Satz beginnt ein Brief, den die Diplomsozialpädagogin der Stadt an das Aktionsbüro schrieb. „Trotz mancher Hürden“ habe die Frau allerdings ihren Entschluss „nie bereut“ und sie betreue ihre zweijährigen Buben mit aller Liebe.
Jetzt das eigentliche Problem: Die Frau stammt aus Kenia. Sie kam als Aupairmädchen 2007 nach Österreich und absolvierte in Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr im Altersheim mit dem Berufsziel, Krankenschwester zu werden. Sie spricht fließend deutsch. Seit August lebt sie im Haus für Mutter und Kind in der Halskestraße – eine Einrichtung unter dem Dach der Rummelsberger Diakonie, über welche die Weihnachtsaktion schon häufig berichtete.
Nun soll das Haus endlich saniert werden, alle Bewohnerinnen müssen sich eine Bleibe suchen. Auszugsfrist: spätestens Dezember. Dieser Termin war für die Frau aus Kenia nicht zu halten und wurde bis April verlängert. Anfang. Mai rücken die Bauleute an. „Nun bemüht sich die Mutter verzweifelt um eine Wohnung“, berichtet die Sozialpädagogin.
Das Wohnungsamt gab der Kenianerin auch schon mehrere Adressen. 15 Mal klingelte sie an Vermieter-Türen. Aber wo sie auch vorsprach, immer hieß es, die Wohnung sei schon vergeben. Drei Gründe, so glaubt sie, seien für die stete Ablehnung ausschlaggebend. Zum einen ist sie alleinerziehend, zum anderen werden zwei kleine Kinder oft als störend empfunden. Und schließlich lebt die Frau von Arbeitslosengeld II und Kindergeld. Die Miete wird auch in Zukunft vom Jobcenter übernommen werden und kann als gesichert gelten.
Was also ist der Grund der erfolglosen Suche? Dass ihre dunkle Hautfarbe eine Rolle spielt, glaubt die Frau nicht. Doch empfindet sie jede vergebliche Vorsprache, bei der sie mit den Zwillingen erfolglos ein Haus verlassen muss, als bittere Zurückweisung. „Ich bin sehr traurig“, sagt sie. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht.“
Wie die Sozialarbeiterin der Halskestraße mitteilte, steht die Mutter beim Amt für Wohnen und Stadtentwicklung ganz oben auf der Prioritätenliste. Aber das bedeutet wenig. Amtschef Hans-Joachim Schlößl erklärt: Die Behörde müsse bei jeder frei werdenden Sozialwohnung in Nürnberg fünf Wohnungssuchende vorschlagen. Die Vermieter können wählen. Das Amt registriert im Monatsschnitt rund 7500 Bewerber, 40 Prozent sind als sehr dringlich eingestuft.
Die städtische Sozialpädagogin schildert die Mutter als „eine freundliche aufgeschlossene junge Frau, die hofft, ihren beruflichen Weg als Krankenschwester fortsetzen zu können, wenn die Zwillinge im Kindergarten sind. Aber zunächst ist sie auf Herbergssuche. Herberge: Das Wort hat ja an den bevorstehenden Festtagen eine besondere Bedeutung.
Wie die Mutter versicherte, akzeptiere sie eine Wohnung auch im Umland. Vielleicht hilft dieser Aufruf; „Freude für alle“ könnte dann einen Umzug unterstützen. Die Kinder heißen übrigens Wayne und Jayson. Und sie harrten brav auf dem Schoß unserer Sekretärin aus, bis die Mutter voller Hoffnung die Redaktion verließ.
Do. 05.01.12
Do. 29.12.11
Sa. 24.12.11
Do. 22.12.11
Mi. 21.12.11