Es ist ein Ritual. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz legt das Bündnis gegen Rechts am Platz der Opfer des Faschismus einen Kranz und Blumen nieder. Doch in diesem Jahr fand das Gedenken unter veränderten Vorzeichen statt. Es stand unter dem Eindruck gegenwärtiger Verbrechen, unter dem Eindruck der Morde an neun Migranten, zu denen sich die rechtsextremistische Terrorzelle „NSU“ bekannt hat. Die Angehörigen der Opfer der Nazi-Diktatur hätten sich bestimmt nicht vorstellen können, „dass wieder einmal Nazi-Banden mordend durch das Land ziehen“, sagte Christel Hausladen-Sambale von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).
Vor dem Hintergrund der ungeklärten Verstrickungen des Verfassungsschutzes muss es für die VVN umso bitterer sein, dass eines ihrer Mitglieder selbst unter Beobachtung des Geheimdienstes steht. Es sei unverschämt, ihren Kameraden als verfassungsfeindlich zu diffamieren, kritisierte Hausladen-Sambale. „Nicht wir sind die Verfassungsfeinde.“ Sie und andere Redner forderten die Abschaltung aller V-Männer und die Abschaffung des Verfassungsschutzes.
Und noch etwas war anders an diesem Tag. Erstmals sprach am Platz der Opfer der Faschismus kein Zeitzeuge, der die Nazi-Gräuel selbst erlebt hat. Stattdessen traten mehrere Schüler vor das Mikrofon, die den Umgang ihrer Schulen mit Faschismus thematisierten. Die Schulen, sie kamen nicht gut dabei weg.
Ines beispielsweise kritisierte, dass das „Thema Faschismus nicht ausführlich genug behandelt wird“. Die Schulen dürften sich nicht darauf ausruhen, sich mit Plaketten wie „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ aus Prestigegründen zu schmücken, forderte sie. Ein Gymnasiast ergänzte, dass seine Schule, das Dürer-Gymnasium, diesem Leitspruch „nicht ansatzweise gerecht“ werde. Wie er zu dieser Einschätzung kommt? Weil er nach dem brutalen Angriff eines Neonazis auf einen jungen Migranten am U-Bahnhof am Plärrer Demo-Aufrufe auf dem Schulhof verteilt hatte, habe er einen Verweis kassiert. Sein Fazit: „Antifaschistisches Engagement wird mit Ordnungsmaßnahmen bestraft.“
Nach der Kundgebung folgten über 200 Teilnehmer dem Demo-Aufruf des Bündnis Nazistopp. Sie zogen über die Wodanstraße nach Steinbühl — zum Tatort an der Ecke Siemensstraße/Gyualer Straße, wo am 13. Juni 2001 der Nürnberger Schneider Abdurrahim Özüdogru, das zweite Opfer der Mordserie an Migranten, kaltblütig ermordet wurde. Mehrere Teilnehmer trugen Plakate mit den Namen der drei in Nürnberg getöteten Opfer. Auch die Forderung nach einer Gedenktafel für Özüdogru, Enver Simsek und Ismail Yasar wurde laut.
Bei einer zentralen Gedenkfeier in der Reformations-Gedächtnis-Kirche gingen Oberbürgermeister Ulrich Maly, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Arno Hamburger und Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern der Frage nach den Folgen des Holocausts nach. An der Veranstaltung wirkte auch die Wilhelm-Löhe-Schule mit.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
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