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Nürnberger Carsharing startet mit stotterndem Motor

Autos stehen an festen Standorten im Stadtgebiet — Kundin scheiterte beim Versuch, Leihwagen abzuholen - 17.05.2011 20:45 Uhr

Nürnberg  - Sie stehen wie Taxis an festen Plätzen in der Stadt und warten auf Kundschaft: die Leihwagen der Carsharing-Firmen. Eine wachsende Fan-Gemeinde erfreut sich an dem Konzept. Doch nicht immer läuft das System rund, wie eine Nürnbergerin berichtet.

Umweltfreundlich und kostensparend: Zwei private Carsharing-Firmen werben in Nürnberg um Kunden.
Umweltfreundlich und kostensparend: Zwei private Carsharing-Firmen werben in Nürnberg um Kunden.
Foto: dpa
Umweltfreundlich und kostensparend: Zwei private Carsharing-Firmen werben in Nürnberg um Kunden.
Umweltfreundlich und kostensparend: Zwei private Carsharing-Firmen werben in Nürnberg um Kunden.
Foto: dpa

Die Umwelt leidet unter den Abgasen, der Spritpreis steigt in schwindelerregende Höhen und dazu kommen Reparatur- und Wartungskosten am Auto. In den Städten erreichen die Menschen ihre Ziele überdies teils schneller mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob sich ein eigener Pkw da noch rentiert?

Vor diesem Hintergrund schmuggelt sich immer öfter ein englischer Begriff in den deutschen Wortschatz: „Carsharing“, was so viel heißt wie „Auto teilen“. Dahinter verbirgt sich ein cleveres System, das vor allem in den Städten immer stärker Fuß fasst: Ein Carsharing-Unternehmen platziert in der Stadt an verschiedenen Orten seine Leihautos. Kunden der Firma haben Zugriff auf die Fahrzeuge. Wer einen Wagen nutzt, muss das Gefährt an diesem Standort wieder abstellen. Laut VAG nutzen dieses Angebot bundesweit 158000 Bürger.

In Nürnberg sind neben herkömmlichen Auto-Verleih-Firmen zwei private Carsharing-Unternehmen vertreten: „Drive Carsharing“ mit Sitz in Solingen und „Greenwheels“ mit seiner Zentrale in Holland. Die Solinger bieten in der Frankenmetropole vier, die Holländer zehn Fahrzeuge auf dem Stadtgebiet an. „In Deutschland haben wir 870 Kunden, davon sind es in Nürnberg 60“, erklärt Melanie Kleiner von „Drive Carsharing“. Für eine Stunde zahlt der Nutzer 3,25 Euro und einen Kilometerpreis von 16 Cent. Hinzu kommen Anmelde- und Monatsgebühren. Beide Unternehmen kooperieren mit der Bahn und der VAG — das heißt, Abonnenten des städtischen Verkehrsunternehmens erhalten Vergünstigungen, sobald sie am Carsharing von „Drive Carsharing“ und „Greenwheels“ teilnehmen.

Und so funktioniert’s: Der Vertragskunde erhält bei einer hier angesiedelten Partnerfirma des auswärtigen Carsharing-Unternehmens eine Karte. Die hält er an ein am Auto installiertes Lesegerät, die Tür öffnet sich. Die Zündschlüssel liegen im Handschuhfach, die Tour kann beginnen.

Doch das System läuft nicht immer rund. Eine Nürnbergerin erlebte eine Kette von Pannen beim ersten Versuch, sich einen Wagen zu leihen. Von der Carsharing-Idee begeistert, verkaufte Roswitha F. (Name geändert) kürzlich ihren eigenen Wagen und schloss einen Vertrag bei Greenwheels ab. „Ich stand der Idee aufgeschlossen gegenüber, weil ich nur Positives hörte“, sagt sie.

Dann wurde es ernst: Mit einer Freundin wollte sie ein Konzert in Erlangen besuchen und benötigte einen Wagen. Die Veranstaltung fing um 21Uhr an, das Auto buchte sie von 19.30 bis 23 Uhr. Im Abendkleid verließen die Frauen die Wohnung und spazierten pünktlich zum Standort in der Nähe des Stadtparks. „Dass das Auto durch das Kartenlesegerät nicht gleich geöffnet wurde, entmutigte mich nicht sofort.“ Nach 15 vergeblichen Versuchen tippte sie auf ihrem Handy die Nummer der Greenwheels-Hotline. Eine Servicekraft sicherte zu, dass sich die Türen in zwei Minuten öffnen lassen. Fehlanzeige.

Fünf Kilometer statt 500 Meter

Ein Mitarbeiter rief zurück. Doch alle Versuche, das Auto von Holland aus elektronisch zu öffnen, scheiterten. Ein anderer Wagen musste her. Um 20.20 Uhr lotste der Mann am Handy die Frauen zum nächsten Standort, der angeblich nur 500 Meter entfernt war. Tatsächlich mussten die beiden rund fünf Kilometer durch die Stadtteile Schoppershof und Erlenstegen joggen. Nach einer Stunde kamen sie an — durchgeschwitzt und mit schmerzenden Füßen. Klar war: Die Frauen konnten sich das Konzert abschminken, weil es bereits seit gut 20 Minuten lief. Auf Kosten von Greenwheels stiegen sie ins Taxi und fuhren wieder nach Hause.

Greenwheels-Geschäftsführer Birger Holm bestätigt den unglücklichen Verlauf und entschuldigt sich bei Roswitha F. Die technischen und menschlichen Pannen seien ihm unerklärlich. „Wir können das nicht mehr nachvollziehen. So etwas passiert extrem selten.“ Als Entschädigung bietet Holm ihr eine Gutschrift von 25 Euro und zwei Stunden sowie 50 Kilometer gratis an. Kundin Roswitha F. bleibt dabei und will es mit Greenwheels noch einmal versuchen. „Die umweltfreundliche Idee überzeugt mich — funktionieren muss sie halt“, so F. Am vergangenen Samstag buchte sie einen weiteren Leihwagen. F.: „Dieses Mal lief alles reibungslos.“

  

VON ALEXANDER BROCK - Lokales Nürnberg



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