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„Wir wollen keinen Artenschutz“, betont Lorenz Kalb. „Doch wenn am letzten Wochenende des Herbstvolksfests 318 Veranstaltungen parallel stattfinden, 111 alleine am Sonntag, dann ist das schon eine Konkurrenz. Beim Oktoberfest in München wäre das undenkbar“, sagt der oberste Schausteller und verweist auf die Tradition des Volksfests. Erstmals fand es 1826 statt.
Kalb nennt als Konkurrenz-Beispiele den Trempelmarkt und das Radrennen um die Altstadt, beide Veranstaltungen hätten an den Herbstvolksfestwochenenden stattgefunden. „Wir wollen nichts gegen diese beiden Veranstaltungen sagen, die ja auch schon lange für Nürnberg stehen, besonders der Trempelmarkt“, räumt er ein.
Doch man habe mit dem Brief an die Fraktionen jetzt, nach der Saison und vor dem Christkindlesmarkt, für das Thema sensibilisieren wollen. Kalb: „Eine Familie hat nun mal einen beschränkten Etat und kann das Geld nur einmal ausgeben...Wir kämpfen um jeden Gast.“ Und auch das Zeitbudget sei beschränkt, wenn so viele Veranstaltungen parallel stattfänden. Dabei könne man dennoch ja vielleicht Synergien nutzen, wenn jemand schon mal nach Nürnberg, etwa zum Trempelmarkt, komme, und noch auf das Volksfest hinweisen. Er fragt daher, ob immer noch neue Termine parallel angesetzt werden müssten.
Die SPD-Stadtratsfraktion hat den Vorstoß der Schausteller nun aufgegriffen und einen Bericht der Stadtverwaltung angefordert. „Nach ihren Aussagen gefährdet die Fülle an Events zum gleichen Zeitpunkt massiv den Fortbestand etablierter und qualitativ hochwertiger Veranstaltungen und letztlich auch die dort verankerten Arbeitsplätze“, begründet Stadträtin Katja Strohhacker den Antrag für den Rechts- und Wirtschaftsausschuss.
Da soll die Verwaltung über die derzeitige Veranstaltungssituation in Nürnberg berichten. Vor allem will sie wissen, welche Veranstaltungen an welchen Orten verteilt über das Jahr stattfinden, welche und wie viele davon parallel, welche jüngst hinzugekommen sind und „inwieweit die Stadt mit ihrer Genehmigungsbefugnis auf die Fülle und Parallelität bei Anfragen Einfluss nimmt beziehungsweise nehmen darf“, und was die Stadt zur Sicherung von Traditionsveranstaltungen beitragen kann.
„Pluralität und Vielfalt bei den Veranstaltungen in Nürnberg ist gut“, sagt sie. Doch sie wisse aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach sei, einen Termin zu finden, an dem nicht so viel los sei am Wochenende. Es wäre hilfreich, wenn es etwa ein zentrales Portal gäbe, auf dem man nachschauen könnte, wann was stattfinde.
Claus Fleischmann, Leiter des Liegenschaftsamts, hatte den Antrag noch gar nicht auf dem Tisch, obwohl in seinem Amt das Dienstleistungszentrum Veranstaltungen verankert ist. Dort wurden im vergangenen Jahr 262 Veranstaltungen „instruiert“; also mit anderen Dienststellen abgesprochen, etwa wenn ein Straßenabschnitt gesperrt werden oder ein Stand angemeldet werden muss. 2010 waren es 373 Veranstaltungen. Und im nächsten Jahr werden es sehr viele werden, sagt der Amtsleiter voraus, denn dann sei Wahlkampf. „Jeder Stand wird dann gezählt.“
Und das ist für ihn schon ein Problem. Wenn die Schausteller von 318 Parallel-Veranstaltungen sprechen, müsse erst einmal hinterfragt werden, was genau mit Veranstaltungen gemeint sei. Fleischmann hat einmal in den Veranstaltungskalender des Amts für Kultur (KuF) geschaut. Am Samstag seien es alleine 58. Dazu zähle auch ein Kongress, bei dem jeder Redner als einzelne Veranstaltung geführt werde. Ihm erscheint die Zahl 318 dennoch sehr hoch für ein Wochenende.
Fleischmann betont, dass lange nicht alle Veranstaltungen über den Tisch des Dienstleistungszentrums gingen. Für vieles sei auch das KuF zuständig. Private Veranstaltungen würden wohl gar nicht registriert. „Mit vielen Genehmigungen, wenn denn überhaupt eine gebraucht wird, haben wir gar nichts zu tun“, betont er. Dennoch geht der Behördenleiter nun davon aus, dass sich nach dem Antrag der SPD die Dienststellen zusammensetzen werden, um die Lage zu analysieren.
