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Nürnberger wünschen sich Pflege daheim

Umfrage bei über 50-Jährigen: Versorgung durch Verwandte bevorzugt - 21.02.2012 07:04 Uhr

Nürnberger Bürger wünschen sich laut einer Befragung durch die Stadt, dass sie am liebsten daheim durch Angehörige gepflegt werden möchten. Unterstützung durch einen Pflegedienst schließen sie dabei nicht aus.

Nürnberger Bürger wünschen sich laut einer Befragung durch die Stadt, dass sie am liebsten daheim durch Angehörige gepflegt werden möchten. Unterstützung durch einen Pflegedienst schließen sie dabei nicht aus. © dapd


Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 329 Nürnbergerinnen und Nürnbergern über 50 Jahre durch das Statistische Amt der Stadt. Im Mittelpunkt der Erhebung steht die Frage, wie sich die demografische Entwicklung in Nürnberg auswirkt. Das besondere Augenmerk gilt bei diesem Pilotprojekt der Europäischen Kommission in drei Mitgliedsländern der „Generation 50plus“.

Nürnberg nimmt an diesem Projekt teil. Die Zahl der über 60-Jährigen wird laut Bevölkerungsprognose bis 2025 in der Stadt um 12000 Personen auf rund 144300 zunehmen. Welche Chancen und welche Probleme ergeben sich aus dieser Entwicklung? Welche Zukunftsplanung haben die älteren Bewohner? Welche Lebensqualität erwarten oder versprechen sie sich? Auf diese Fragen erhofften sich die Experten einige Antworten. Und bekamen sie auch.

Schon Angehörige betreut

Erstes erstaunliches Ergebnis der Befragung: Etwas mehr als die Hälfte der Nürnberger über 50 Jahre hat demnach bereits persönliche Erfahrung mit der längeren Pflegebedürftigkeit einer nahestehenden Person, heißt

es hierzu im jüngsten statistischen Monatsbericht. Das bezieht sich vor allem auf Erfahrungen zu Hause bei der pflegebedürftigen Person oder in einem Pflegeheim.

Drei Viertel der Befragten waren sogar direkt an der Versorgung beteiligt. Doch meistens wurden sie dabei von beruflichen Pflegekräften und ambulanten Diensten unterstützt. Auch Verwandte, die nicht im Haushalt lebten, halfen bei einem Fünftel der Betroffenen mit.

Die meisten Nürnberger Bürger wünschen sich einmal eine Pflege daheim in den „eigenen Wänden“. Das gilt sowohl für sie persönlich als auch für einen Elternteil. Wenn ein Vater oder eine Mutter versorgt werden müssten, sollte dies vorrangig durch einen öffentlichen oder privaten Pflegedienst im Haushalt des Pflegebedürftigen geschehen.

Der Umzug eines Elternteils ins Pflegeheim ist nur für 16 Prozent der Befragten die „beste Lösung“. Eine weitere überraschende Erkenntnis für die Experten: Personen mit höherem Einkommen können sich eher vorstellen, in einem Pflegeheim unterzukommen. Gut möglich, dass angenommen wird, mit mehr Geld auch bessere Pflegebedingungen zu bekommen.

Stadt setzt auf Ehrenamtliche

Im Gegensatz zu der Pflege der Eltern wollen die Befragten selbst einmal daheim, am liebsten aber von einem Verwandten gepflegt werden und weniger durch einen Pflegedienst. Doch ein Viertel der Befragten hält es für sehr wahrscheinlich, dass es eine Kombination von beiden Möglichkeiten sein wird.

Auf Ablehnung stößt hingegen die Möglichkeit, im Haushalt eines Angehörigen gepflegt zu werden, egal, ob mit oder ohne professionelle Hilfe. Ausländische Staatsbürger in Nürnberg rechnen laut Umfrage übrigens viel eher damit, im Haushalt eines nahen Verwandten gepflegt zu werden, als Deutsche.

Im Sozialreferat der Stadt wird bereits darüber nachgedacht, die sinkende Zahl der Pflegekräfte durch das ehrenamtliche Engagement älterer Bürger ein wenig zu kompensieren. Sie könnten verstärkt für Betreuungs- und Pflegetätigkeiten mobilisiert werden, hofft man.

Kritik an Einrichtungen

Diese Hoffnungen knüpfen auch an einige Ergebnisse der Nürnberger Befragung an. Darin gibt ein Viertel der 65- bis 75-Jährigen an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der soziale Bereich wird hier nach Kirche und Sport an dritter Stelle genannt. Die Idee im Sozialreferat: Durch Fort- und Weiterbildungsangebote könnten ältere aktive Bürger noch stärker für die Pflege anderer Menschen gewonnen werden.

Zum Abschluss noch zwei Einschätzungen der Befragten zu Pflegeheimen: 41 Prozent bewerteten die Qualität mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Knapp ein Drittel kritisierte auch die Erreichbarkeit der Einrichtungen.

  

ANDREAS FRANKE - Lokales Nürnberg

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