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„Hässliche Kiste“ nennt der frischgebackene Eigentümer seine Erwerbung, die sich der Quelle-Konzern einst in den 70er Jahren einverleibt hat. Sehr viel besser könnte man den tristen Plattenbau an der Fürther Straße gar nicht beschreiben, der Gerd Schmelzer soeben hat schwach werden lassen. Übrigens „für einen überschaubaren Preis“, wie er es formuliert.
Freundlichere Worte findet der erfolgreichste Nürnberger Immobilienentwickler für die 25000 Quadratmeter unbebauten Grunds hinter der „Kiste“. Zwischen der Mendel-, der Feuerlein- und der Adam-Klein-Straße erstreckt sich eine betonierte Parkplatzwüste, die von Quelle-Mitarbeitern genutzt wurde. Wer sie umrundet, staunt über die Dimensionen und entdeckt einen weißen Flecken auf dem Stadtplan neu.
Hier hätten Wohnbebauung, Dienstleister und Grünflächen Platz. Das Versandhaus vorne könnte, so spekuliert Schmelzer, zum feinen Loft-Bürohaus oder auch abgerissen werden. Zwischen zehn und 50 Millionen könnten hier investiert werden. Präziser gehe das noch nicht, man stehe erst am Anfang.
Eigentlich wollte sich der 59-Jährige (TA-Gelände, Tilly-Gelände, Sebalder Höfe, Augustinerhof, Grundig-Türme) kein neues Projekt mehr ans Bein binden (wir berichteten). Doch die Katze lässt das Mausen nicht, Schmelzers naher Firmensitz im TA-Gelände weiter westlich hat seine Begeisterung für Gostenhof offenbar entfacht.
Das Viertel sei hochattraktiv, die Fürther Straße eine bedeutende Magistrale, die leider vom Niedergang der Großindustrie gezeichnet ist. AEG und jetzt Quelle sind am Markt. Das Möbel-Hess-Objekt erwarb die Alpha-Gruppe aus der Konkursmasse vom Amsterdamer Highstreet-Immobilienfonds.
1959 eröffnete die Möbelkette ihr neues Versandzentrum an der Fürther Straße. Historisch interessant war das Karree schon vorher. 1886 ist hier die Kaserne des 14. Infanterieregiments entstanden. Zwei Altbauten, in denen die Bewährungshelfer und der landgerichtsärztliche Dienst untergebracht sind, stammen aus dieser Zeit. Sie gehören dem Staat und werden stehen bleiben.
Es sei gut, dass ein örtlicher Ansprechpartner und kein weit entfernter Investmentfonds das Hess-Gelände weiterentwickeln wolle, sagt Josef Weber, Chef des Stadtplanungsamts, zur neuen Lage. Sein Team sucht ebenfalls nach Perspektiven für den krisengebeutelten Nürnberger Westen, der angestrebte Stadt-Umbau dort soll die riesigen Brachen beleben und den eklatanten Mangel an öffentlichen Grünflächen beheben. Immobilienentwickler Schmelzer muss und will sich nach eigenem Bekunden nach den Vorgaben der Kommune richten und die Weichen in die gewünschte Richtung stellen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.
