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Plenarsitzung in der Berufsschule: Politik mit Spaß

Schüler spielten Landtagsabgeordnete - Hitzige Debatten und überlegte Reden - 11.05. 21:59 Uhr

Nürnberg  - "Der Landtag sind wir" - so heißt ein Planspiel, an dem 54 Elftklässler der Berufsschule 4 teilnahmen. Sie mussten ein Gesetz entwerfen, in dem die Datenerfassung von Käufern sogenannter Killerspiele geregelt wird.


„Ein Erfolg auf der ganzen Linie“, berichtet Gründogan Bayer selbstbewusst, „die grüne Position wurde voll angenommen!“ Gerade ist der junge Mann, der normalerweise Thorsten Mayer heißt und Schüler an der Berufsschule 4 ist, aus der Ausschusssitzung gekommen. Dort hat er mit seinen Parteikollegen und Vertretern der anderen Landtagsparteien über einen Gesetzentwurf diskutiert — fast wie im richtigen Leben.


Die Plenarsitzung im Landtag beginnt: Auf ihre Reden haben sich die Berufsschüler gut vorbereitet.
Die Plenarsitzung im Landtag beginnt: Auf ihre Reden haben sich die Berufsschüler gut vorbereitet.
Foto: Stefan Hippel
Die Plenarsitzung im Landtag beginnt: Auf ihre Reden haben sich die Berufsschüler gut vorbereitet.
Die Plenarsitzung im Landtag beginnt: Auf ihre Reden haben sich die Berufsschüler gut vorbereitet.
Foto: Stefan Hippel

Entwickelt wurde das Planspiel, an dem er und seine Mitschüler(innen) teilnahmen, von der „Forschungsgruppe Jugend und Europa“ der Ludwig-Maximilians-Universität München. Es hat zum Ziel, jungen Leuten die Demokratie näherzubringen.

Seit sechs Jahren besuchen freiberufliche Teams im Auftrag des Landtagsamtes Schulen und verwandeln Jugendliche für ein paar Stunden in Abgeordnete, Journalisten und Organisatoren. Immer sind auch echte Abgeordnete dabei. Diesmal wurden sie von den beiden Lehrern Jürgen Klose und Oliver Mothes eingeladen.

Jetzt soll alles so realistisch wie möglich sein — und die Realität ist manchmal gar nicht so einfach. „Das Planspiel ist schwer, weil jede Seite einen festen Standpunkt hat und es schwierig ist, einen Kompromiss zu finden“,beobachtet Frau Sturm alias Martina Wirbel. Die 21-Jährige ist im Losverfahren zu einer FDP-Politikerin geworden. Wird ihre Fraktion dem Gesetzentwurf über die Datenerfassung von Käufern sogenannter „Killerspiele“ zustimmen? „Wir sind für einen neuen Gesetzentwurf: Gewalt soll an Schulen vorgebeugt werden, aber nicht durch Datenerfassung“, so die Liberale.


Da ist es kein Vorteil, dass die Freien Wähler kurz vor der abschließenden Plenarsitzung doch noch zur CSU-Position übergelaufen sind und für die flächendeckende Datenerfassung stimmen werden. Umso besser muss die Rede sein, für deren Vorbereitung die Gruppen nur wenige Minuten Zeit haben und in der sie ihre Entscheidung und Standpunkte dem Plenum vortragen.

"Wie im richtigen Leben"

Christine Stahl, echte Vizepräsidentin des Bayerischen Landtages, beobachtet die lebhaften Diskussionen der Schüler mit Freude. „Ich bin heute mit allen Parteivertretern sehr zufrieden, weil sie Demokratie wirklich leben und das Planspiel so gestalten, dass es der Realität entspricht“, sagt sie. Die Schüler würden sich richtig in die Lage der Parteien hineinversetzen und könnten so auch nachfühlen, wie es sei, als kleine Partei den großen zu unterliegen. „Es ist wie im richtigen Leben — herrlich“, schmunzelt sie.

Deswegen darf natürlich auch die Presse nicht fehlen. Die Wild am Montag ist vor Ort und ein „seriöses Blatt“, wie die Kurzzeit-Journalistin Marianne Klaus alias Nadine Meyer erklärt. Eigentlich habe sie die Presse auf „Bild-Niveau“ vertreten wollen, weil das einfacher sei, sagt die Schülerin. Als seriöse Journalistin müsse sie jetzt alles genau recherchieren und formulieren, urteilt sie und macht sich an die Arbeit. Heike Hoffmann vom Team des Landtagsamtes sieht genau darin den Reiz des Projekts. „Das Planspiel ist eine Möglichkeit, Politik mit Spaß und Leidenschaft zu vermitteln.“

Ziel errreicht

Spaß haben alle Teilnehmer am Schluss in der Plenarsitzung. Dort wird geklatscht und „Buh“ gerufen, gelacht und laut kommentiert. Dass am Ende die stärkste Fraktion gewinnt und die Datenerfassung beschlossene Sache ist, macht im Spiel keinen traurig. Heike Hoffmann und ihre Kollegen haben ihr Ziel erreicht. „Wenn ich manchmal einen Schüler wiedertreffe“, so Hoffmann, „geht es mir runter wie Honig, wenn der sagt: Sie, jetzt zappe ich nicht mehr weiter, wenn die Nachrichten kommen.“
 

 

 

  





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