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Protest: „Der soziale Friede ist bedroht“

Hunderte folgten Aufruf der großen Kirchen und der Gewerkschaften — Für gerechte Verteilung der Lasten - 18.10. 14:45 Uhr

Nürnberg  - Mehrere hundert Menschen sind dem Aufruf der großen Kirchen und der Gewerkschaften gefolgt und haben vor der Lorenzkirche gegen die Unausgewogenheit der Sparpläne der schwarz-gelben Bundesregierung protestiert.


Vor der Lorenzkirche nahmen etwa 350 Menschen an der Kundgebung gegen die Berliner Sparpläne teil.
Vor der Lorenzkirche nahmen etwa 350 Menschen an der Kundgebung gegen die Berliner Sparpläne teil.
Foto: Eduard Weigert
Vor der Lorenzkirche nahmen etwa 350 Menschen an der Kundgebung gegen die Berliner Sparpläne teil.
Vor der Lorenzkirche nahmen etwa 350 Menschen an der Kundgebung gegen die Berliner Sparpläne teil.
Foto: Eduard Weigert

Die Redner forderten eine gerechtere Verteilung der Lasten, um die Schwachen der Gesellschaft zu schonen. „Unsere christliche Überzeugung verpflichtet uns, auf die Straße zu gehen, und unsere kirchliche Tradition ist eine gute Vorgabe für diesen Protest“, sagte der evangelische Dekan Jürgen Körnlein. Er erinnerte an Laurentius, den Namenspatron der protestantischen Hauptkirche in der Innenstadt, der die Armen den Schatz der Kirche nannte. Und die schwangere Maria, so der Geistliche, hat in ihrem berühmten Magnificat gebetet: „Gott, du erhebst die Niedrigen und stürzest die Gewaltigen vom Thron.“

Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen berichteten auf dem Podium vor etwa 350 Menschen aus ihrer bedrückenden Beratungspraxis. So schilderte Inga Thies von der Fachstelle Alleinerziehender einen regelrechten „Überlebenskampf“ der betroffenen Mütter: „In der Monatsmitte kommen oft Nudeln mit Maggi auf den Tisch. Die Frauen sind arm, weil sie Kinder großziehen.“ Eine „menschenverachtende Politik“ trage dazu bei, die Kinderarmut weiter zu steigern.

Scharf kritisierte Thies die Streichung des Elterngeldes von 300 Euro für Hartz IV-Familien: „Sind die Söhne und Töchter dort weniger Wert als die von Wohlhabenden?“.

Die Streichung des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger wird nach Einschätzung von Sabine Zink von der Stelle der Stadtmission für Menschen in Wohnungsnot zu einer wachsenden Verschuldung der Betroffenen und im Extremfall zur Obdachlosigkeit führen. „Die zu beheben, kostet dann weit mehr, als mit der Streichung des Zuschusses gespart wird.“


Nach dem Gottesdienst in St. Lorenz schlossen sich die Gläubigen dem Protest vor dem Gotteshaus an. Etliche hielten Transparente mit Heiligen hoch. Das große Plakat wurde am Ende am Portal der Kirche hochgezogen.
Nach dem Gottesdienst in St. Lorenz schlossen sich die Gläubigen dem Protest vor dem Gotteshaus an. Etliche hielten Transparente mit Heiligen hoch. Das große Plakat wurde am Ende am Portal der Kirche hochgezogen.
Nach dem Gottesdienst in St. Lorenz schlossen sich die Gläubigen dem Protest vor dem Gotteshaus an. Etliche hielten Transparente mit Heiligen hoch. Das große Plakat wurde am Ende am Portal der Kirche hochgezogen.
Nach dem Gottesdienst in St. Lorenz schlossen sich die Gläubigen dem Protest vor dem Gotteshaus an. Etliche hielten Transparente mit Heiligen hoch. Das große Plakat wurde am Ende am Portal der Kirche hochgezogen.

Äußerst zynisch nannte Bernd Eckardt vom Ökumenischen Arbeitslosenzentrum die Begründung, mit der ein bisher gewährter Zuschlag zu Alg II gestrichen werden soll. Dieser federt bisher den harten Übergang vom Arbeitslosengeld I nach einem Jahr zu Hartz IV etwas ab. Fällt diese Hilfe weg, könnten etliche Familien ihre Mieten nicht mehr bezahlen. Eckardt betonte: „Im entsprechenden Gesetzentwurf heißt es, die Menschen wüssten inzwischen, was mit Hartz IV auf sie zukommt, und sie könnten sich rechtzeitig darauf einstellen.“ Die Streichung des ohnehin schon mageren Rentenversicherungsbeitrags für Hartz IV-Empfänger „spart jetzt vielleicht einiges, wird aber die Altersarmut später enorm vergrößern“.

Der evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche plädierte dafür, „alle Kräfte der Gesellschaft in ein Gleichgewicht zu bringen, wenn gespart werden muss, und nicht bei denjenigen anzufangen, die am Wenigsten haben“. Etliche der geplanten Maßnahmen seien schlicht unmenschlich. „Da müssen wir eine andere Logik finden.“ Christen hätten von jeher den Auftrag, nicht nur von Gottes Gerechtigkeit zu hören, sondern sie auch zu tun. „Das gilt besonders für die aktuelle Situation, in der die Gesellschaft aus dem Ruder zu laufen droht“, betonte der Bischof.

„Armen Gehör verschaffen“

Für den katholischen Stadtdekan Hubertus Förster geht es für die Kirche darum, dem Heer von Geringverdienern, Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfängern Gehör zu verschaffen. In der aktuellen Spardebatte werde das Gewicht zu deren Lasten verschoben, statt diejenigen stärker heranzuziehen, „die das ohne Not verkraften könnten“. Die bisher bekannt gewordenen Pläne sind für Förster eine Bedrohung für den sozialen Frieden.

Das bekräftige auch Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) in seinem Beitrag: „Wenn das Gerechtigkeitsempfinden nachhaltig gestört wird, geht am Ende der innere Zusammenhalt der Gesellschaft flöten.“ Wenn die Kommunen gezwungen sind, Investitionen zu kürzen oder Leistungen zu streichen, trifft das die Armen immer mehr als die Reichen, betonte das Stadtoberhaupt.

Am Ende der Kundgebung unterschrieben die Teilnehmer ein großes Transparent mit dem Motto „Fair teilen statt sozial spalten“. Es wurde am Hauptportal der Lorenzkirche hochgezogen und soll demnächst an verschiedene Kirchengemeinden weitergegeben werden.

  





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