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„Ich habe das jetzt schon vier Jahre ertragen“, schreibt Abdi in einem Brief, aus dem sein Vormund, die Nürnbergerin Dagmar Gerhard, in der Abflughalle vorliest. Doch die Flucht über Libyen und Italien habe den jungen Mann zermürbt. Während die Behörden ihn für reisetauglich halten, beschreibt Gerhard ihn als schwer traumatisiert (wir berichteten). „Das Leben ist scheiße“, zitiert sie die Worte des Suizidgefährdeten. „Ich kann das nicht mehr aushalten.“
Wenn nicht noch etwas dazwischenkommt, wird Abdi heute um 10 Uhr mit einem Privatjet, Begleitpersonal und einem weiteren Flüchtling nach Italien (Mailand) abgeschoben. Dagmar Gerhard, Vorsitzende des Vereins Mimikri („Migranten meistern ihre Krisen“), will ihn vor dem Flug ins Ungewisse noch einmal besuchen. „Ich habe einige Sachen von ihm.“
Briefe an den Präsidenten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, und an Oberbürgermeister Ulrich Maly hat sie noch verfasst, die Reaktionen sind enttäuschend für sie. Dabei habe Abdi eine Perspektive gehabt, stand kurz vor seinem Quali. „Ich habe hier meine besten Freunde gefunden, die beste Zeit gehabt“, schreibt er.
Einige Fluggäste hören Gerhard beim Vorlesen betroffen zu, andere suchen ihre Schalter oder trinken vor dem Abflug noch einen Kaffee. Die Polizei und der Flughafen lassen die Demonstranten gewähren. „Vielleicht fliegen Sie ja auch gerade nach Italien“, ruft Elisabeth Schwemmer vom Bündnis den Menschen durchs Megafon zu. Unter den Demonstranten ist auch Abdise, ein 26-jähriger Äthiopier. Seine Abschiebung nach Malta ist erst einmal gestoppt. Nun hofft er im letzten Moment auf ein Wunder für Abdi.
