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Bollerwagen holpern über Pflastersteine. Zwei junge Männer haben sich eingeklappte Tapeziertische unter die Arme geklemmt wie Schüler ihre Büchertaschen und suchen ihren Platz. Sie zählen zu den Schlusslichtern, denn der Markt läuft bereits auf vollen Touren. Doch an der Rückseite der Lorenzkirche fehlen — anders als in den vergangen Jahren — Stände. Auch vor der Sparkasse und der Hypovereinsbank keine Trödler.
Aber an der Nordseite des Gotteshauses, auf dem Platz vor der VR-Bank, verdichtet sich die Menschenmenge. Die Sonne sticht herab, auch auf Lukas Steindor. Teller stapeln sich auf einem Stuhl, auf einem Tisch liegen Bilderbücher, Spiele und ein Kassettenrecorder. „Mir geht es nicht um die Kohle“, sagt der aus Nordrhein-Westfalen stammende Wahl-Nürnberger. Seit drei Jahren lebe er hier, die Leute seien ihm bisher „nicht so gesellig“ vorgekommen. Hier im Gedränge, im Gespräch mit potentiellen Kunden hofft er, „den Franken“ besser kennen zu lernen. „Verkauft habe ich bisher wenig, aber geredet habe ich viel“, lacht der 29-Jährige.
An der VR-Bank sortiert Oszkar Bertholini Gläschen, Bilder und steingraue Telefonapparate aus der Zeit, als die Telekom noch die Post war. Mit einem schwarzen Regenschirm über seiner langen Mähne schützt sich der 35-Jährige vor den Sonnenstrahlen. Am Horizont türmen sich bereits dunkle Wolken — die Quecksilbersäule soll an diesem Wochenende bis auf 15 Grad fallen. Sein bestes Stück? Ein Degen und eine Wildlederjacke. „Für die verlange ich so viel Geld, dass sie keiner will. Dann kann ich sie selber anziehen“, scherzt er.
Echt „abgefahren“ ist die Idee und sind die Fahrradreifen, die Cathrin Zajber (32) und Christin Hofmann (25) zu Gürteln für Hosen umgewandelt haben. Seit 1. März gibt es ihr kleines Unternehmen in der Austraße. Im Wohnzimmer arbeiten sie die gesammelten, alten Reifen um, trennen den Draht heraus, schrauben Schnallen daran. „Die Gürtel haben Recycling-Charakter, selbst die Schnallen lassen sich austauschen“, sagt Zajber.
An einer Vitrine am Heilig-Geist-Spital reiben sich Passanten die Augen. Wirklich, da verkauft Hans-Joachim Fritsch D-Mark. Was er für den Zehn-Mark-Schein, bedruckt mit der Gorch Fock, verlangt? „Zehn Euro, was sonst.“ Ein Passant: „Die Scheine brauchst fei no — so wie‘s ausschaut, kommt die Mark ja wieder.“

