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Quelle: Ringen um den leeren Koloss

Zäher Prozess - Möglicher Investor fordert weitere Zugeständnisse - 03.02. 10:00 Uhr

Nürnberg  - Nach dem ausgemusterten Flughafen in Berlin-Tempelhof ist das Quelle-Versandzentrum in Nürnberg der größte Leerstand der Republik. Stadtverwaltung und ECE-Gruppe müssen sich über Umbauten und neue Nutzungen einig werden — ein zäher Prozess mit recht unterschiedlichen Erwartungen auf beiden Seiten.

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Der im April 2011 ausgelobte Architekten- und Ideenwettbewerb "Ehemaliges Quelle Areal" ist entschieden. Die Jury kürte den gemeinsamen Entwurf dreier Büros aus Erlangen, Emskirchen und Fürth zum Sieger und empfahl der Stadt Nürnberg, ihn zur Grundlage der Entwicklungsplanung zu machen.

„Wir sind noch mit im Boot, aber wir fahren nicht mit voller Fahrt in eine Richtung.“ Mit diesem blumigen Vergleich beschreibt Jens Hintze, der verantwortliche Projektentwickler der Hamburger ECE-Gruppe, den Stand der Verhandlungen. Der Betreiber von Einkaufszentren und Entwickler von Gewerbe-Immobilien hat aus Sicht von Georg Schöttner vom Amt für Wirtschaft durchaus das Potenzial, um das 250000 Quadratmeter große Quelle-Versandzentrum an der Fürther Straße erst einmal dem Insolvenzverwalter des Vorbesitzers, der Valbonne B.V., abzukaufen und dann ohne Zeitdruck die Entwicklung des Kolosses anzugehen.

Die Stadt sei also sehr an weiteren Verhandlungen mit der ECE-Gruppe interessiert. Doch noch gibt es Unklarheiten, allen voran Denkmalschutz und energetische Sanierung.

Ungedämmt, dünne Fenster



„Die Außenwände des Quelle-Komplexes sind ungedämmt, durch die dünnen Fenster zieht es rein“, beschreibt Jens Hintze den Ist-Zustand. Die Denkmalschützer fordern, dass die energetische Sanierung das Aussehen der Fassade nicht beeinträchtigt, „für uns ist das aber unwirtschaftlich“, sagt Hintze. Rund 25 Millionen Euro allein für die Wärmedämmung könnten leicht anfallen. „Aber vielleicht stimmt die Stadt ja doch noch größeren Eingriffen in den Denkmalschutz zu.“

Doch Daniel Ulrich von der Unteren Denkmalschutzbehörde winkt ab. „Wir sind ECE schon sehr entgegengekommen. Sie können im Inneren des Quelle-Komplexes sämtliche räumlichen Zuschnitte verändern, es dürfen Innenhöfe angelegt werden, um künftige Büros besser zu beleuchten.

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Im Oktober 2009 kündigte der Insolvenzverwalter von Quelle die Abwicklung des Versandhauses an. Zurück blieben leere Kaufhäuser, riesige Versandzentralen und verlassene Büros. Der Fotograf Stefan Koch hat für sein Projekt "Meine Quelle-Geschichte" die brachliegenden Gebäude und die ehemaligen Mitarbeiter fotografiert.

Auch die Fenster dürfen ausgetauscht werden.“ Doch an der charakteristischen Fassade entlang der Fürther Straße halten die Denkmalschützer fest, es dürfen also keine Styroporplatten vor die braunen Steine gesetzt werden. „Eine Innendämmung des Gebäudes wäre für ECE doch auch sehr wirtschaftlich“, wundert sich Ulrich.

Kein Passivhaus möglich

Er hat den Verdacht, dass ECE aus dem 50er-Jahre-Bau „ein Passivhaus machen will“. Aber das gehe eben nicht. „Der Investor würde am liebsten abreißen und neu bauen.“ Nicht ohne Grund werbe ECE mit „klimaneutralen“ Gebäuden. Das ziehe bei potenziellen Mietern. Tatsächlich hat ECE erst im Januar ein Seminar zum Thema nachhaltige Sanierung im Bestand veranstaltet.

Schöttner hat die Aufgabe, in einer Arbeitsgruppe die Stimmen aller beteiligten Ämter zu bündeln und die Gespräche mit ECE zu moderieren. „Wir wollen stadtintern zu einer einheitlichen Haltung kommen“, sagt Schöttner. Der Denkmalschutz habe „sehr rigide Auflagen, da ist der Annäherungsprozess an den Investor noch nicht abgeschlossen“, kommentiert er Ulrichs Einwände.

Messe investiert nicht

Jens Hintze sieht aber noch ein anderes „essenzielles Problem“: „Wir haben von Roland Fleck, dem Geschäftsführer der NürnbergMesse, die klare Aussage bekommen, dass die Messe doch nicht in den Quelle-Komplex investiert, sondern nur als Betreiber eines Kongresszentrums auftreten möchte.“ Damit breche ein wesentlicher Nutzungsbaustein weg. Für ein Tagungszentrum einen anderen privaten Investor zu finden, hält Hintze für ausgeschlossen.

Schöttner sieht das anders: „Zusammen mit einem Hotel kann auch für einen anderen Geldgeber ein Veranstaltungszentrum interessant sein.“

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Vor einem Jahr arbeiteten in der Fürther Straße noch Tausende Menschen. Heute ragt der Quelle-Turm wie ein Mahnmal in die Höhe. Am 19. Oktober 2009 meldete die Quelle Insolvenz an. NZ.de blickt auf die Geschichte des Quelle-Imperiums zurück.

 



UTE MÖLLER - Lokales Nürnberg

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Zum Thema
Quelle
Branche:
Versandhandel
Sitz, Standort:
Fürth


Kurzbeschreibung:
Das fränkische Traditionsunternehmen Quelle, das einmal Europas größtes Versandhaus war, wurde im Dezember 2009 aufgelöst. Vorausgegangen war die Insolvenz des Mutterkonzerns KarstadtQuelle. Dies war ein schwerer Schlag für die Region, verloren doch hier 5000 Beschäftigte (von insgesamt 8000) plötzlich ihren Job und viele Zulieferunternehmen ihren wichtigsten Kunden.