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Schatzkiste voller Geheimnisse lockt an

Johannes Übler, Obermeister der Hans-Sachs-Loge des Odd-Fellow-Ordens, über Transparenz - 28.01.2012

Nürnberg  - Was sagt ein Kabarettist über Fettnäpfchen? Oder: Wie denkt ein Fahrradkurier übers Trödeln? Jeden Samstag spricht ein Nürnberger zu einem Thema, das man nicht mit ihm verbindet. Heute: Johannes Übler (56), Obermeister und Vorsitzender der Hans-Sachs-Loge des Odd-Fellow-Ordens, über Transparenz.

Obermeister Johannes Übler
Obermeister Johannes Übler
Foto: Stefan Hippel
Obermeister Johannes Übler
Obermeister Johannes Übler
Foto: Stefan Hippel

Herr Übler, reden wir doch mal über das, worüber Sie nicht sprechen dürfen.

Johannes Übler (lächelt): Tut mir leid, über solche Dinge dürfen wir ja eben gerade nicht sprechen.

Über was zum Beispiel?

Übler: Alles, was wir in unserer Halle diskutieren, behandeln wir vertraulich. Auch über unsere Rituale oder über die Einführungszeremonie in unseren Bund sprechen wir nicht. Über unsere Organisation und über unsere Ziele und Werte, wie Humanität, können wir gerne reden.

Für viele ist aber doch gerade das Geheime am Geheimbund interessant.


Übler: Ein Geheimbund sind wir ja gar nicht. Jeder kann auf unserer Internetseite nachlesen, wer wir sind, wie wir organisiert sind oder wer an der Spitze unseres Ordens steht.

Gut. Wer sind Sie?

Übler: Nominell sind wir in unserer Hans-Sachs-Loge in Nürnberg 41 Brüder, die zum Deutschen Odd-Fellow-Orden gehören. Ganz einfach gesagt sind wir Menschen, die sich treffen, um Gedanken auszutauschen — mit dem Ziel, insbesondere durch Arbeit an uns selbst, dazu beizutragen, dass das menschliche Zusammenleben ein wenig besser wird.

Und die Rituale vollziehen.

Übler: Ja, sogar sehr alte Rituale. Aber wenn Sie morgen früh aufstehen und nach einem bestimmten Ablauf – erst Frühstück, dann Zähneputzen, dann Dusche – vorgehen, dann ist das auch ein Ritual. Unsere sind eben historisch gewachsen. Früher hatten die geheimen Zeichen und Begrüßungen die Funktion, dass man erkennen konnte, wer zur Loge gehört.

Mitgliedsausweise kommen für Sie also nicht infrage. Mal ehrlich: Vollziehen Sie die Rituale oder nutzen Sie die Passwörter nicht auch gern?

Übler: Ein bisschen Sehnsucht nach Romantik ist natürlich dabei! Gerade jetzt, in dieser hektischen Ellbogenzeit, in der wir leben, sind diese alten Traditionen auch etwas Elementares. Außerdem passiert etwas bei diesem Einführungsritus mit einem selbst, etwas Besonderes. Das kann man nicht erklären. Das muss man erleben.

Wie haben Sie es erlebt?

Übler: Ich kann Ihnen sagen – ohne zu viel zu verraten –, wie ich unsere Logensitzungen jeden Donnerstagabend empfinde: wie Urlaub. Ich regeneriere. Hier herrscht eine Offenheit, die es sonst nicht mehr gibt.

Bedeutet offen auch, dass jeder Teil Ihrer Gruppe werden kann?

Übler: Natürlich. Wir haben bald wieder einen Informationsabend, dort beantworten wir jedem, der an unserer Loge Interesse hat, Fragen. Zu fast allen Themen.

Aber eingeladen sind auch nur fast alle. Frauen nehmen Sie nicht auf.

Übler: Aber Frauen haben ihre eigenen Logen. Ein paar haben versucht, das zu mischen, aber es hat nicht funktioniert. Das ist wie Stammtisch und Kaffeekränzchen, das vermischt sich auch eher selten.

Eine private Frage: Ist es besonders schwer, dass man dem Partner nicht alles erzählen darf?

Übler: Wir haben ja sehr viele Veranstaltungen, an denen auch unsere Frauen teilnehmen. Aber Sie haben recht. Als ich vor elf Jahren zum Orden gekommen bin, ist es zu Beginn schon schwer gewesen, wenn man dem Partner nur sagen kann: „War sehr schön heute.“ Und mehr nicht.

Und das wird akzeptiert?

Übler: Das gehört sogar zu unseren Aufnahmekriterien: Die Familie eines Mitglieds muss hinter der Teilnahme bei der Bruderschaft stehen.

Welche Kriterien gibt es noch? Oder anders: Wie transparent muss ein Bewerber sein?

Übler: Nun, man füllt bei uns nicht einfach einen Mitgliedsantrag aus. Und man wird auch nicht von heute auf morgen ein Ordensbruder. Sondern man nimmt an unseren öffentlichen Nach-Logen-Sitzungen teil. Und man lernt sich kennen. Da merkt man sehr schnell, ob man zueinander passt. Am Ende stimmen alle Mitglieder über eine Aufnahme ab.

Und die Voraussetzungen?

Übler: Manche, wie das Mindestalter von 20 Jahren, kann man auf unserer Internetseite nachschlagen. So transparent sind wir. Wichtig ist aber vor allem, dass ein Mitglied sich unseren Werten verschreibt: Freundschaft, Nächstenliebe, Wahrheit und vor allem Toleranz.

Das findet man heute bei Jugendlichen nicht unbedingt leicht. Haben Sie ein Nachwuchsproblem?

Übler: Mit einem Schnitt von über 60 Jahren sind wir wohl ein Spiegel der Gesellschaft. Auch weil sich junge Leute heute nicht mehr so gern binden, das kennen andere Vereine oder die Freiwillige Feuerwehr ja auch. Deswegen sind wir auch etwas offener geworden in den vergangenen Jahren. Und dann haben wir ja noch unsere Schatzkiste, mit der wir punkten.

Schatzkiste?

Übler (lächelt): Die mit den Geheimnissen. 

Interview: TIMO SCHICKLER - Lokales Nürnberg


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Was denkt ein Zollfahnder über Instinkte? Oder: Was verbindet ein Notarzt mit Langsamkeit? Jeden Samstag steht im Lokalteil ein Nürnberger Rede und Antwort zu einem Thema, das man auf Anhieb nicht immer mit ihm verbindet.