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Schule im Club-Stadion

Ab September gibt es neues Angebot für Jugendliche - 04.07.2012 20:10 Uhr

Üben gemeinsam den Kopfball im künftigen Lernzentrum Stadion: Club-Manager Martin Bader, Fanprojekt-Vorstand Walter Teichmann, Melanie Schuster von der Bosch-Stiftung, Schirmherr Raphael Schäfer und OB Ulrich Maly.

Üben gemeinsam den Kopfball im künftigen Lernzentrum Stadion: Club-Manager Martin Bader, Fanprojekt-Vorstand Walter Teichmann, Melanie Schuster von der Bosch-Stiftung, Schirmherr Raphael Schäfer und OB Ulrich Maly. © Weigert




„Wir wollen die soziale Integration fördern und zielen vor allem auf Jugendliche, die auf Unterstützung angewiesen sind“, sagte Walter Teichmann vom Fanprojekt Nürnberg, das für die Organisation des zunächst auf ein Jahr angelegten Testlaufs zuständig ist. Ab September sollen die zunächst 20- bis 30-köpfigen Gruppen einen Tag pro Woche im Frankenstadion verbringen. Als Unterrichtsort dient neben dem sonst für Pressekonferenzen vorbehaltenen Raum auch die Kabine der Profikicker des 1.FCN.

Vorbild für das von der Robert- Bosch-Stiftung finanzierte Bildungsprojekt sind ähnliche Kooperationen in England — dort haben sich findige Politiker und Verbände schon vor Jahren die Faszination, die Fußballstadien auf junge Menschen ausüben, zu eigen gemacht. In Deutschland sind etliche Profivereine auf diesen Zug aufgesprungen — auch Borussia Dortmund und Werder Bremen.

Erstmals in Süddeutschland

Seit 2010 ist die Stiftung in derzeit zehn Städten aktiv. „Nürnberg ist aber unser erster Standort in Süddeutschland“, sagte Melanie Schuster von der Bosch-Stiftung. Sie wünscht sich, dass alle Beteiligten „kontinuierlich am Ball bleiben“ und setzt in die Kooperation mit dem 1.FCN hohe Erwartungen, „weil hier in Nürnberg ein großes Netzwerk von Anfang an beteiligt ist“. Damit meint sie die Bildungspartner des neuen Lernzentrums — von der Arbeitsagentur über das städtische Jugendamt, die Handwerkskammer und den Kreisjugendring unterstützen insgesamt acht Organisationen das ambitionierte Vorhaben. Angesprochen werden sollen Klassen der sechsten Jahrgangsstufe, Fangruppen, Sportvereine und Jugend-Freizeitgruppen.

Prominentes Zugpferd

Als prominentes Zugpferd fungiert Club-Torhüter Raphael Schäfer: „Das ist etwas Einmaliges, was der Verein der Stadt zurückgeben kann“, äußerte er bei der Vorstellung des Kopfball-Lernzentrums. Und an die künftigen Teilnehmer des Bildungsangebots gewandt, sagt der Kapitän des 1.FCN: „Fußball ist für mich untrennbar mit Faszination, Leidenschaft und Begeisterung für das Spiel verbunden — sich genau mit einem solchen Enthusiasmus der Schule und dem Lernen zu widmen, fiel und fällt auch mir schwer. Dieses Kunststück wollen wir künftig aber fertigbringen.“

Das hofft auch Oberbürgermeister Ulrich Maly: „Wie kommt man in die Köpfe der jungen Menschen hinein? Über den Bauch, statt mit Frontalunterricht.“ Maly setzt auf den „Ort der Leidenschaft“ als ungewöhnlichen Zugang zu einem Bildungspaket.

Dieses umfasst unter anderem politische Bildung — das in direkter Nachbarschaft gelegene Reichsparteitagsgelände bietet sich für historische Streifzüge an, Konflikt- und Gewaltprävention, aber auch Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung.

Eva Feldmann-Wojtachnia, die für die Bosch-Stiftung die bisherigen Kopfball-Projekte wissenschaftlich untersucht hat, nennt ein Beispiel: So könnten die Schüler beispielsweise mit dem Lenker des FCN-Busses in Kontakt treten und sich so über den Beruf Busfahrer informieren. „Es muss nicht unbedingt das politische System vermittelt werden, vielmehr sollen etwa die Vorzüge von Vielfalt und Freiheit dargelegt werden.“ Hier kann dann als abschreckendes Beispiel das NS-Regime eine Rolle spielen. Die Wissenschaftlerin sieht einen der Vorteile des Lernorts Stadion darin, dass viele junge Migranten erreicht werden. „Die finden sich in den normalen Fanklubs fast überhaupt nicht.“

Auch Club-Manager Martin Bader hebt hervor, „dass Diskriminierung und Rassismus für uns ein ganz wichtiges Thema sind“. Der 1.FC Nürnberg will mit der Unterstützung des Projekts auch seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden, fügt er hinzu.

  

Michael Husarek - Lokales Nürnberg

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