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Schulterschluss mit Ankara

Nürnberger Bündnis demonstrierte Solidarität mit türkischen Arbeitern - 27.02.2010

NÜRNBERG  - Das «Bündnis für Solidarität mit den Tekel-Mitarbeitern», ein Zusammenschluss Nürnberger Organisationen, hat mit zwei Kundgebungen auf die Lage von 12.000 Männern und Frauen aufmerksam gemacht, die in der Türkei verzweifelt um ihre Arbeitsplätze kämpfen.

Das «Bündnis für Solidarität mit den Tekel-Mitarbeitern« hat mit Kundgebungen auf die Lage von 12.000 Menschen aufmerksam gemacht, die in der Türkei um ihre Jobs kämpfen.
Das «Bündnis für Solidarität mit den Tekel-Mitarbeitern« hat mit Kundgebungen auf die Lage von 12.000 Menschen aufmerksam gemacht, die in der Türkei um ihre Jobs kämpfen.
Foto: Matejka

Frauen die sich frierend um hastig aufgestellte Holzöfen drängen, müde blickende Männer, die zwischen improvisierten Zelten aus Kunststoffplanen stehen und Kette rauchen und mittendrin traurig blickende Kinder, die die klirrende Kälte davon abhält, draußen zu spielen. Obwohl die Szenerie an ein Flüchtlinglager irgendwo in der Dritten Welt erinnert, steht die Stadt aus Holz und Plastikfolie mitten in der Sakarya-Straße, der belebtesten Einkaufsmeile im Herzen der türkischen Hauptstadt Ankara.

Hungerstreiks und Demonstrationen

Denn es handelt es sich bei den Campern weder um Kriegsflüchtlinge noch Erdbebenopfer: Es sind Mitarbeiter des ehemals staatlichen türkischen Tabakkonzerns «Tekel», die bereits seit 74 Tagen im Ausstand sind. Mit Hungerstreiks und zahllosen Demonstrationen in verschiedenen Städten der Türkei und eben der Zeltstadt protestieren die Männer und Frauen gegen eine Entscheidung, die nur wenige Gehminuten entfernt im Regierungsviertel getroffen wurde.

Insgesamt 12.000 Arbeiter, die in den weiterhin staatlich gebliebenen Tabaklagern beschäftigt sind, werden nun gezwungen, auf alle ihre bisherigen Rechte zu verzichten und als schlechtbezahlte Kurzarbeiter mit nur 10 Monaten Lohn im Jahr von neuem im Staatsdienst anzuheuern. Wer sich weigert, wird entlassen. Nach dem Motto: Friss oder stirb! Eine Erpressung, der sich die Arbeiter bislang nicht beugen wollen. Während Regierungsvertreter sie deswegen bereits als Verbrecher und Terroristen diffamiert haben, weckt der entschlossene Arbeitskampf der Tekel-Mitarbeiter und ihrer Familien in der Türkei und im Rest der Welt Sympathien.

Gemeinsamer Kampf gegen Neoliberalismus

Gleich mit zwei Veranstaltungen hat etwa in Nürnberg das «Bündnis für Solidarität mit den Tekel-Mitarbeitern», ein Zusammenschluss mehrerer Nürnberger Organisationen wie der Freien Arbeiterinnen Union oder das Antifaschistische Aktionsbündnis auf die Lage am Bosporus aufmerksam gemacht. Mit Flugblättern, Plakaten und Sprechchören stieg das von der Radikalen Linken Nürnberg kurzfristig geschmiedete Aktionsbündnis ein in den - wie es ein Sprecher bezeichnete - «gemeinsamen Kampf gegen Neoliberalismus und Massenentlassungen».

Mit ihren Aktionen vor dem türkischen Generalkonsulat in der Regensburger Straße und am Aufseßplatz haben rund 30 Teilnehmer ihre Unterstützung für die 12000 Tekel-Mitarbeiter und ihrem mittlerweile 75 Tagen alten Arbeitskampf demonstriert. Das Bündnis forderte ein Einlenken der türkischen Regierung und warnte vor einer Eskalation des Konflikts: Premier Erdogan hat bereits mit einer Zwangsräumung des Protestlagers angedroht.

Rückhalt auch von der deutschen Arbeitnehmerbewegung

Rückhalt gibt es auch aus der deutschen Arbeitnehmerbewegung. Eine Delegation der Gewerkschaft Nahrungsmittel, Genuss und Gaststätten hat die Streikenden in der Türkei besucht und ihnen 8800 Euro übergeben, die bei einer bundesweiten Spendeaktion zusammenkamen. Einen direkten Draht zu den Arbeitnehmerorganisation haben auch seine Kollegen, versichert Arif Taþdelen, der als einziger Nürnberger Vertreter im Gewerkschaftsrat von Verdi sitzt.
«Natürlich gilt unsere Solidarität den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Türkei», sagt Taþdelen, der selbst aus der Anatolien stammt.

Denn auch wenn es, so der Nürnberger Gewerkschaftsmann, derart massive Einschnitte in die Rechte von Beschäftigten hierzulande «bislang zum Glück nicht» gibt: «Aufgrund der Wirtschaftskrise wächst überall auf der Welt der Druck auf die Beschäftigten und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, werden schlechter. Denn die Arbeitgeber haben einen prima Vorwand, um mit Entlassungen zu drohen.» 

Volkan Altunordu



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