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Sozialticket: Studie soll Bedarf klären

Befürworter des billigen Fahrscheins werfen der Verkehrs-AG Verzögerungstaktik vor - 21.10. 18:00 Uhr

Nürnberg  - Eine Umfrage soll nun Klarheit bringen: Bei einer Diskussion über die Einführung eines Sozialtickets in Nürnberg haben Vertreter von Politik, Sozialreferat und VAG dafür plädiert, eine Studie abzuwarten, die aufzeigen soll, wie der neue Fahrschein genutzt wird. Kritiker fühlen sich dadurch von den Verantwortlichen nur weiter hingehalten.


Der U-Bahnstation Aufseßplatz ist gesperrt.
Der U-Bahnstation Aufseßplatz ist gesperrt.
Foto: Harald Sippel
Der U-Bahnstation Aufseßplatz ist gesperrt.
Der U-Bahnstation Aufseßplatz ist gesperrt.
Foto: Harald Sippel

Seit zwei Jahren kämpft das Bündnis Sozialticket für die Einführung eines Fahrscheins im Großraum Nürnberg, der auch für sozial schwache Bürger erschwinglich ist. Jetzt erklärt Dieter Maly, Leiter des Amts für Existenzsicherung und soziale Integration, ein Sozialticket gebe es doch längst: Für derzeit 29,90 Euro können Nürnberg-Pass-Besitzer eine Monatsmarke erwerben, die im Stadtgebiet Nürnberg, Fürth und Stein gilt, nicht jedoch Montag bis Freitag zwischen 6 und 8 Uhr. Offenbar ist diese Möglichkeit aber nur wenigen Bedürftigen bekannt.

Brigitte Wellhöfer, Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, bekommt immer wieder zu hören, dass nicht einmal Mitarbeiter der Arge von dem Ticket wüssten. Die Zahlen sprechen ebenfalls für sich: Von insgesamt 60000 Nürnberg-Pass-Berechtigten besitzen 33150 den Ausweis, der vor allem Vergünstigungen für kulturelle Veranstaltungen vorsieht, aber nur 6000 von ihnen haben ein Sozialticket. 29,90 Euro seien ja auch viel zu teuer, kritisiert das Bündnis, schließlich sehe der neu berechnete Hartz-IV-Satz gerade mal 22,78 Euro für Verkehrsausgaben vor, die nicht nur für den öffentlichen Personennahverkehr, sondern beispielsweise auch für Bahnfahrten gelten.

Es dauerte lange, bis im Gemeinschaftshaus Gostenhof deutlich wurde, was in dieser Debatte nun eine Studie bewirken soll und wie sie aufgebaut ist. In einem ersten Schritt würden 800 Nürnberg-Pass-Besitzer schriftlich befragt, erläutert schließlich Tim Dahlmann-Resing, der bei der VAG (Verkehr-Aktiengesellschaft) für das Fahrausweis-Management verantwortlich ist. Zunächst gehe es darum, allgemein „das Mobilitätsverhalten dieser besonderen Zielgruppe“ im Vergleich zur restlichen Bevölkerung zu untersuchen und etwa aufzudecken, wie viele Wege sie täglich zurücklege.

Mit derartigen Untersuchungen plane die VAG seit Jahren ihr Angebot. Fragen zum Sozialticket würden dann erst in einem zweiten Schritt gestellt, in 100 Intensiv-Interviews. So solle die Diskussion eine fundierte Grundlage erhalten, sagt Dahlmann-Resing. Die 36000 Euro teure Studie abwarten wollen indes auch Dieter Maly, Brigitte Wellhöfer und SPD-Stadträtin Christine Limbacher. Mit ersten Erkenntnissen der bereits im Januar 2010 beschlossenen Studie werde im dritten Quartal 2011 gerechnet, mit dem endgültigen Ergebnis 2012, resümierte Rolf Engelmann vom Bündnis Sozialticket.

Einer seiner Mitstreiter formulierte darum: „Die Studie ist doch nur eine Verzögerungstaktik. Deswegen führt entweder gleich das Sozialticket ein oder sagt halt, dass ihr das nicht wollt.“ Hans-Joachim Patzelt, ehemaliger Stadtrat der Linken Liste, forderte einen sofortigen Testlauf: „Wir wollen ein Sozialticket für 15 Euro ohne Ausschlusszeiten.“ Weil die Kapazitäten ohnehin vorgehalten würden, verursache ein solcher Schritt keine weiteren Kosten, bringe vielmehr zusätzliche Kunden. Dieter Maly zeigte sich da skeptischer. Ob das Ticket Mehreinnahmen oder Umsatzeinbußen für die VAG bedeute, sei derzeit völlig unklar.

Den Blick weg von der reinen betriebswirtschaftlichen Analyse lenkte derweil Engelmann. Ähnlich wie bei der kulturellen Teilhabe oder der Bildungspolitik gehe es beim Sozialticket doch darum, was gesellschaftlich wünschenswert sei. Er berichtete von einer alten Dame,die ihm erzählt habe, wenn sie mal ihren Schwager im Raum Neustadt/Aisch besuchen wolle, müsse sie sich das vom Essen absparen. Einer der anwesenden Hartz-IV-Empfänger bestätigte die prekäre Situation: „Es bleibt einem gar nichts mehr zum Leben übrig, geschweige denn zum Fahren.“

  





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