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Spritze verhindert Altersblindheit

Augenchirurgen: Bei mehr als 70 Prozent der Patienten wirkt die Therapie - 15.06.2012 22:00 Uhr

Erfolgreiche Spritzen-Therapie: Augenarzt Dr. Armin Scharrer injiziert ein Antikörperpräparat direkt in den Augapfel eines Patienten. Damit kann in vielen Fällen eine Altersblindheit verhindert werden.

Erfolgreiche Spritzen-Therapie: Augenarzt Dr. Armin Scharrer injiziert ein Antikörperpräparat direkt in den Augapfel eines Patienten. Damit kann in vielen Fällen eine Altersblindheit verhindert werden. © DOC/Dr. Scharrer


„Es ist grandios“, freut sich Armin Scharrer. „Das ist der größte Erfolg der Augenheilkunde in den letzten 30 Jahren.“ Der Fürther Arzt spricht von einer Behandlung, die in den letzten Jahren allein in der Bundesrepublik Zehntausende von Menschen vor Blindheit bewahrt hat.

Das Verfahren wird am kommenden Wochenende Thema des Internationalen Kongresses der Deutschen Ophtalmochirurgen sein, dessen Präsident Dr. Armin Scharrer ist. Denn den Augenchirurgen liegen erstmals Zahlen vor, in welchem Umfang eine neue Therapie der feuchten Makuladegeneration wirklich hilft.

Viele Betroffene

Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich ein Leiden, von dem fast 450000 Deutsche betroffen sind — und gegen das es noch vor acht Jahren keine wirklich wirksame Therapie gegeben hat. Noch 2004 mussten die Mediziner etwa bei jedem siebten Patienten hilflos zusehen, wie der Betroffene erblindete — weil in der Netzhaut kleine Blutgefäße wachsen, aus denen Feuchtigkeit austritt, die die Sehzellen nach und nach unwiederbringlich schädigten.

Dann wurden erstmals Medikamente in das Auge injiziert, die diesen Prozess stoppten. In den Vereinigten Staaten, an der Universität in Baltimore — Scharrer: „Eine der feinsten Augenkliniken der Welt“ — wurden über 100000 Patienten erstmals nachuntersucht: Bei immerhin 72 Prozent konnte das Erblinden verhindert werden. Übertragen auf die Bundesrepublik bedeutet das, dass bei etwa 50000 Menschen die Sehkraft erhalten wurde — aber auch, dass über 20000 diesem Schicksal nicht entgangen sind.

Das ist noch nicht gut genug, findet Armin Scharrer — und kennt auch die Ursache: „Wir wissen noch nicht lange, dass wir die Patienten strikt alle vier Wochen untersuchen müssen. Aber das geschieht jetzt seit einem Jahr rigoros.“ Denn das ist der Haken an der Behandlung: Sie kann die Krankheit stoppen, aber nicht heilen. Und so braucht es durchschnittlich sechs Spritzen im Jahr, um die Wucherungen unter Kontrolle zu halten. Der Aufwand dafür ist hoch; denn sie müssen unter sterilen Bedingungen, also im Operationssaal, gesetzt werden. Das Auge ist dabei selbstredend betäubt.

Manchmal sind es auch die Patienten, die es mit dem strengen Untersuchungsrhythmus nicht so ganz genau nehmen. Nicht immer leichtfertig, nimmt sie Armin Scharrer in Schutz: Weil es sich bei der Makuladegeneration um eine typische Alterskrankheit handelt, steht zeitweise die Behandlung anderer Leiden im Vordergrund, zum Beispiel durch einen Klinikaufenthalt.

Leicht zu erkennen

Eine beginnende Makuladegeneration ist eigentlich leicht zu erkennen — gerade Linien wie Fenster- oder Türrahmen wirken plötzlich krumm. Doch die Krankheit beginnt meist auf einem Auge, das andere gleicht das Defizit aus: Viele Patienten kommen deshalb dennoch sehr spät zum Augenarzt. Weil die Krankheit im Frühstadium aber besser zu behandeln ist, gibt Scharrer einen einfachen Rat: „Deshalb sollte jeder spätestens ab dem 55. Lebensjahr seine Augen regelmäßig vom Augenarzt überprüfen lassen.“

  

VON DIETER SCHWAB

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