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Bereits in einem ersten Schritt klettern zum Jahreswechsel die Preise für viele Tickets um zehn bis 14 Prozent. Die Einzelfahrkarte für Erwachsene kostet zum Beispiel statt 2,10 dann 2,40 Euro, bei Kindern 1,10 statt einem Euro. Eine MobiCard verteuert sich von 63,90 auf 73 Euro, die Monatskarte Solo31 von 55,90 auf 61,50 Euro. Bis 2015 kommen Aufschläge dazu. So ist für die MobiCard dann ein Preis von 82,80 Euro zu zahlen, für die Einzelkarte sind 2,70 fällig.
„Mir hat es die Sprache verschlagen, als ich zum ersten Mal aus der Zeitung davon erfahren habe“, machte Stadtrat Hans-Joachim Patzelt (Offene Linke) seinem Unmut Luft. Vielen Bürgern sei es nicht anders ergangen. 30 Prozent mehr, was muten die VAG und Stadt den Menschen da zu, empörte er sich. „Die Löhne steigen auch nicht um 30 Prozent. Das ist inakzeptabel.“
Drastische Preiserhöhungen: Welchen Service bietet die VAG?
„Die breite Bevölkerung wird durch solch einen Schritt von der Mobilität ausgegrenzt“, sagte Marion Padua (Linke Liste). Überall würden die Verbraucher mit steigenden Preisen konfrontiert. „Sie können die Kosten aber nicht abwälzen.“ Viele Bürger hätten keinen Nürnberg-Pass, der Nachlässe ermögliche, weil sie knapp über der Bemessungsgrenze lägen. Sie verband ihre Kritik mit der Forderung, auf die Preiserhöhung zu verzichten, ein Sozialticket einzuführen und das VAG-Angebot attraktiver zu gestalten, damit mehr Fahrgäste gewonnen werden.
„Ein bezahlbares Angebot bei der VAG und im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ist ein Aushängeschild“, betonte Thomas Schrollinger (ÖDP) zunächst. Mit der Preiserhöhung erhalte jedoch das Aushängeschild „erhebliche Kratzer“. Der Stadtrat: „Die Schmerzgrenze ist überschritten!“ Die Schwelle zum Umstieg vom Auto auf Bus oder Bahn werde dadurch heraufgesetzt, die Attraktivität des Nahverkehrs leide erheblich. „Es wäre ehrlicher zu sagen: Das ist eine Zumutung für die Bürger.“
Stephan Grosse-Grollmann (Die Guten) ließ kein gutes Haar an den Preiserhöhungen. „Das ist nicht ausgegoren“, kritisierte er. Weil die Stadt die Kosten nicht tragen könne, griff er das zentrale Argument der Befürworter auf, müsse eben der Nutzer mehr zahlen. „Diese Debatte wird aber auf den Nahverkehr reduziert“, klagte er. „Und was ist mit dem motorisierten Individualverkehr?“, fragte er und spielte auf die Kosten an, die Autofahrer in der Stadt verursachen.
Auch die Grünen sprachen sich gegen den Preissprung aus. Christine Seer bemängelte die Informationspolitik vor der Entscheidung. Sie befürchtet zu viele negative Auswirkungen auf die Fahrgäste. Für Fraktionschefin Brigitte Wellhöfer sind zu wenig Alternativen erwogen worden.
Am Ende stimmten dem Stadttarif aber SPD und CSU sowie FDP und Freie zu. Kämmerer Harald Riedel (SPD) verwies auf die enormen Belastungen des Stadthaushaltes durch das ständige Defizit der VAG von bis zu 70 Millionen Euro pro Jahr. „Die Kosten muss jemand tragen. Wir müssen den Anteil der Nutzer anheben, damit die Stadt andere Investitionen, etwa in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, noch zahlen kann.“
Zuvor hatte bereits VAG-Vorstand Rainer Müller die Maßnahme verteidigt und steigende Belastungen für die Verkehrsbetriebe angeführt. Nach allen Sparbeschlüssen müsse man jetzt an den Fahrpreisen drehen. „Das ist eine schwierige Entscheidung, für viele auch eine bittere“, räumte Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ein. Der Nahverkehr habe für die Bevölkerung und die Lebensqualität eine erhebliche Bedeutung. Dieser volkswirtschaftliche Nutzen müsse aber auch betriebswirtschaftlich bezahlbar bleiben. Solche unpopulären Entscheidungen zu treffen, gehöre zur Verantwortung, wenn man regiere. Man stützte aber den Nahverkehr auch künftig mit Zuschüssen.
Auch Jürgen Fischer (SPD) sprach von einer schweren Entscheidung. Doch die Alternative wäre, das Angebot der VAG zu kürzen. „Das wäre der Öffentlichkeit noch viel schwerer zu vermitteln“, ist der frühere Aufsichtsratschef überzeugt. Die Entscheidung zu verschieben, sei nicht möglich, da sonst ein ganzes Jahr verloren gehe. Denn schon heute muss im VGN darüber abgestimmt werden.
Sebastian Brehm, Fraktionschef der CSU, warb ebenfalls für die Entscheidung. „Sie ist betriebswirtschaftlich notwendig.“ Den Verlust der VAG auszugleichen, treffe alle Steuerzahler. Da sei es nur gerecht, die Fahrgäste von Bussen und Bahnen stärker zu belasten als bisher. Es sei eine Entscheidung „zum Wohle der Stadt“.
Fr. 14.06.13
Mi. 12.06.13
Mi. 10.04.13
Fr. 04.01.13
Mi. 02.01.13