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Für Passanten muss die Szenerie einigermaßen seltsam wirken. Am Eingang zur Königstorpassage blicken gut zwei Dutzend Menschen interessiert auf eine große Vitrine. Kunststudenten, Stadträte, Sozialarbeiter und Journalisten. Doch zu sehen gibt es hier: rein gar nichts. Der begehbare Glaskasten ist jungfräulich leer. Nur ein im Schaufenster klebender Zettel verrät, dass das so nicht ganz geplant gewesen sein kann: „Zensur im Kunstraum? Pfui“, schrieb ein „verwunderter, verärgerter Kunststudent“.
Wenn es nach Maria Gleu (25) und Felix Boekamp (35), Studenten der Akademie der Bildenden Künste, gegangen wäre, dann hätten sie in der Vitrine für vier Tage einen Drogenkonsumraum eingerichtet. Keinen echten, versteht sich, sondern das Abbild einer Fixerstube. Mit Stuhl, Ablage, Spiegel, Spritzen. Doch aus der Installation, die die Forderung vieler Fachleute nach einem Konsumraum für Schwerstabhängige unterstützt hätte, wurde nichts. Die Studenten wurden mit der Realität konfrontiert. Und die sieht offenbar so aus: Die Freiheit der Kunst endet da, wo der Einflussbereich der Stadtreklame beginnt.
„Wir mussten Bescheid geben, was dort laufen wird. Die Stadtreklame hat das Konzept sofort abgelehnt“, sagt Maria Gleu. Angeblich weil es sich um ein politisches Thema handelte. In E-Mails drohte die Stadtreklame laut Gleu sogar mit einen Platzverweis für die ganze Passage. So blieb das Schaufenster notgedrungen leer. Sogar Info-Tische davor mussten wieder weggeräumt werden.
Einige Stadträte waren der Einladung zur Eröffnung trotzdem gefolgt und reagierten irritiert angesichts der leeren Vitrine. „Ich lehne diese Art von Zensur ab“, so Christiane Alberternst (FDP). Ihre Kollegin Elke Leo (Grüne) sieht es nicht anders. „Kunst hat auch einen politischen Auftrag und muss provozieren können.“
Auch Bertram Wehner von der Drogenhilfe Mudra schüttelt mit der ihm eigenen Gelassenheit den Kopf. „Kleinkariert“ nennt er das Verhalten der Stadtreklame. Mudra-Mitarbeiter hätten den fingierten Konsumraum sogar betreut. Damit auch ja kein Süchtiger auf die Idee gekommen wäre, sich in der Fixerstuben-Kulisse ganz real einen Schuss zu setzen.
Der als kleinkariert gescholtene Chef der Stadtreklame, SPD-Fraktionschef Christian Vogel, verteidigt das Veto. Und gesteht, dass er „übertölpelt und etwas verärgert war“, weil er, wie er sagt, erst durch die Einladung zur Eröffnung des Konsumraums von dem Projekt erfahren habe.
„Eine Initiative zur Schaffung eines Drogenkonsumraums wird am Donnerstag in der Königstorpassage einen Konsumraum eröffnen“, hieß es in der Einladung. Wer die las und sich nichts weiter dabei dachte, konnte das tatsächlich für bare Münze nehmen. Von einer Kunstaktion war darin nämlich nicht explizit die Rede. Was Absicht war.
„Ich habe anfangs gedacht, das ist ein echter Konsumraum“, fährt Vogel fort. „Das Eisen war mir zu heiß.“ Die rechtliche Grundlage dafür fehle. Deshalb sagte er als Stadtreklame-Chef Nein. In seiner Funktion als SPD-Politiker dagegen ist er ein Verfechter von Fixerstuben. „Wenn man die Stadtreklame richtig informiert hätte, dann hätten wir vielleicht Möglichkeiten gefunden“, meint er.
Die Vermutung, er könnte sich von seinem Co-Geschäftsführer Georg Sorger, ein CSU-Mann, in seiner ablehnenden Haltung beeinflussen haben lassen, weist Vogel zurück. „Sorger war gar nicht eingebunden.“
Die CSU ist als einzige Partei in Nürnberg immer noch gegen Fixerstuben. Ganz entschieden. Ganz real.

