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Tüv-Gutachten entzaubert Rapsöl-Motor

Blockheizkraftwerk-Affäre: Experten konnten nichts Revolutionäres an der Technik entdecken - 05.02.2011

Das Gutachten wird alle Betrugsvorwürfe beseitigen. Davon waren viele Anleger und auch Mitarbeiter der Gesellschaft für Erneuerbare Energien (GFE) überzeugt. Sie glaubten an das, was ihnen die Köpfe der Firma erzählt hatten. Daran, dass es gelungen ist, einen hocheffektiven Motor zu entwickeln. Einen Motor für Blockheizkraftwerke, der Rapsöl viel besser zu Strom umwandeln kann als jeder vorherige.

Sie glaubten daran auch dann noch, nachdem die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am 30. November 2010 nach einer Razzia in 28 Büros und Wohnungen bekanntgegeben hatte, dass sie gegen 17 Beschuldigte aus den Reihen der GFE wegen des Verdachts auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug ermittle. Dass mehrere dieser Beschuldigten verhaftet worden seien. Und dass sie nach derzeitigem Stand von etwa 1000 betrogenen Anlegern und 50 Millionen Euro Schaden ausgehe.

Einen Wirkungsgrad des Motors von 75 Prozent hatte der GFE-Vertrieb den Anlegern versprochen. Nur mit diesem Wirkungsgrad nämlich gehen die Kalkulationen auf, wonach die Investition in diese besonderen Blockheizkraftwerke um die 30 Prozent Rendite bringt.

Schließlich müssen von den Einnahmen durch die Einspeisung des gewonnenen Stroms ins Netz unter anderem die Ausgaben für den Treibstoff abgezogen werden. Je mehr Treibstoff gebraucht wird, desto geringer fällt die Rendite aus.

Geringerer Wirkungsgrad

35 Prozent sei schon ein guter Wirkungsgrad für einen stromerzeugenden Pflanzenöl-Motor, ist von objektiven Technikern zu hören; 75 Grad wären geradezu revolutionär. Doch der Tüv Rheinland, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft Tests auf dem GFE-Forschungsgelände in Nürnberg durchgeführt hat, konnte nichts Revolutionäres finden. Laut seinem Gutachten stellte er beim GFE-Motor einen Wirkungsgrad von unter 34 Prozent fest. Es handelt sich also um einen guten Motor. Aber nicht um einen außergewöhnlichen.

Falsche Versprechen sind jedoch nur einer der Aspekte, die nach juristischen Kriterien einen Betrug ausmachen können. Ein anderer Aspekt ist die Frage, was eigentlich mit dem Geld der Investoren getan wird. Im Fall der GFE gibt es mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf, dass das Geld in weiten Teilen nicht in den Bau der von den Anlegern damit gekauften Blockheizkraftwerke gesteckt wurde. Sondern dass GFE-Leute es verprassten. Mit Feiern und Luxusautos zum Beispiel.

GFE-Mitarbeiter, die sich noch in Freiheit befinden, weisen das zurück. „Wir haben doch Millionen in die Entwicklung des Pflanzenöl-Motors gesteckt“, sagt einer. „Und wir haben Container und Motoren gekauft, welches Geld zum Verprassen sollte denn da noch übrig gewesen sein?“

Anleger allerdings berichten durchaus davon, dass sie sich über die Autos der GFE-Vertreter gewundert hatten. „Ich habe bewusst in Umwelttechnik investiert, aber der Vermittler kam im Ferrari“, erinnert sich einer, „das kam mir schon komisch vor. Andererseits: Wenn eine Firma erfolgreich ist, warum soll sie ihren Mitarbeitern nichts gönnen?“

Fuhrpark erregte Aufsehen

Für ganz besonderes Aufsehen jedenfalls sorgte der Fuhrpark der Firmen-Angehörigen im Nürnberger Vorort Weiherhaus. Dort wohnte einer der GFE-Köpfe. Und in seinem Haus fanden offenbar Geschäftstreffen der speziellen Art statt.

Angereist wurde mit tollen Autos und schönen Frauen. „Ganz Weiherhaus hat darüber geredet“, sagt eine Nachbarin und lacht. „Wir dachten, das sind junge Manager, die sich da vergnügen. Manchmal war alles richtig zugeparkt.“ Vor dem Haus standen Ferraris, Maseratis, Bentleys oder auch mal ein Hummer — meist mit fremden Kennzeichen.

Nach der Razzia verschwand der außergewöhnliche Fuhrpark wieder. Das Haus wirkt verlassen. Und Weiherhaus ist um einen Gesprächsstoff ärmer.
  

VON GUDRUN BAYER

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