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Übung nach Unfall in einem Atomkraftwerk

Über 140 Helfer simulierten Katastrophenfall — Die „Notfallstation 6“ ist im Nürnberger Berufsschulzentrum - 29.10.2012 06:50 Uhr

Nürnberg  - Bei einer Katastrophenschutzübung haben über 140 Einsatzkräfte unter Leitung der Nürnberger Berufsfeuerwehr die Hilfe bei einem Unfall in einem bayerischen Atomkraftwerk simuliert. Hierzu hat die „Notfallstationsgruppe 6“ – wie im Ernstfall – ihren Stützpunkt zur Versorgung der Bevölkerung im Berufsschulzentrum eingerichtet.

Diese „Patientin“ klagt nach einem Reaktorstörfall über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufschwäche. Ersthelfer versorgen sie bei einer Übung und messen zugleich Kleidung und Körper auf Strahlung.
Diese „Patientin“ klagt nach einem Reaktorstörfall über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufschwäche. Ersthelfer versorgen sie bei einer Übung und messen zugleich Kleidung und Körper auf Strahlung.
Foto: Roland Fengler
Diese „Patientin“ klagt nach einem Reaktorstörfall über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufschwäche. Ersthelfer versorgen sie bei einer Übung und messen zugleich Kleidung und Körper auf Strahlung.
Diese „Patientin“ klagt nach einem Reaktorstörfall über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufschwäche. Ersthelfer versorgen sie bei einer Übung und messen zugleich Kleidung und Körper auf Strahlung.
Foto: Roland Fengler

„Mir ist schlecht. Ich hab fürchterliche Kopfweh. Und mein Kreislauf macht schlapp!“ Ist es nur die Aufregung? Oder ist die junge Frau verstrahlt und zeigt erste Symptome?

Die Ersthelfer in der Notfallstation – alle mit weißen Schutzanzügen und Mundschutz versehen – gehen auf Nummer sicher. Der Frau bekommt nach einer ersten Strahlenmessung eine rote Plakette umgehängt. Als Warnhinweis für die weiteren Helfer. Die Frau könnte etwas bei dem Atomunfall abbekommen haben.

Kurz nach der Alarmierung erfahren die Einsatzkräfte, was – konstruiert für die Übung – passiert ist. Wegen einer Fehlfunktion des überhitzten Reaktors im (fiktiven) Kernkraftwerk „Dietenburg“ musste 90 Minuten lang verseuchter Wasserdampf aus dem Gebäude freigesetzt werden. Damit gelangten radioaktive Schadstoffe in die Luft. Nun gehen die Katastrophenschützer davon aus, dass Bürger verstrahlt worden sind.


In Bayern gibt es für solche Fälle zwölf Notfallstationen, erläutert Stefan Lauber, zuständig für den Bereich Bevölkerungsschutz bei der Nürnberger Berufsfeuerwehr. Die Gruppe 6 ist für den Raum Nürnberg zuständig. Sie ist aber auch mobile Reserve in Bayern, falls eine andere Notfallstation Hilfe braucht. In der Übung aber werden Bürger aus dem Unglücksbereich nach Nürnberg gebracht.

Die Aufgaben: Nach einem Störfall in einem Kernkraftwerk (das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld ist nur knapp 100 Kilometer von Nürnberg entfernt) oder vergleichbaren Unglücksfällen sollen Personen auf radioaktive Strahlen untersucht, gegebenenfalls dekontaminiert, registriert, medizinisch erstversorgt und untergebracht werden.

Die Gruppe richtet im Notfall ihre Station im Berufsschulzentrum ein. „Dort haben wir viel Platz, genügend Räume und auch Duschen zur Dekontamination“, erläutert Lauber. 18 einzelne Stationen müssen die Bürger im Notfall durchlaufen. Von der Registrierung mit einer „Suchdienstkarte“ und einer „Anhängekarte für Verletzte“ durch das BRK über die Abgabe der Kleidung und Wertsachen (zur Aufbewahrung) sowie der Dekontaminierung unter Duschen bis hin zur strahlenärztlichen Untersuchung durch Mediziner und der Unterbringung etwa in Schulturnhallen.

Doch die Übung zeigte bereits einen Schwachpunkt. Mit Karlheinz Ammon von Stadt und Klinikum Nürnberg war gerade einmal ein Strahlenarzt anwesend, obwohl drei vorgesehen sind. „Es gibt maximal zehn ermächtigte Ärzte in Nürnberg hierfür“, erklärt Ammon, der ehrenamtlich mitmacht. Andere Ärzte müssten gezahlt werden. Das kann sich keiner leisten für eine Übung. „Das ist ein seidener Faden bei diesen Einsatzfällen in ganz Bayern“. räumt Stefan Lauber ein.

Mehrfach werden die Bürger in der Notfallstation nach ihrem Befinden befragt und gemessen. Ammon empfiehlt einigen, Jodtabletten zu nehmen. Die Frau übrigens war doch nur aufgeregt, am Ende konnte für sie Entwarnung gegeben werden.

Bildergalerie: www.nn-online.de

  

Andreas Franke - Lokales Nürnberg


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