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Unter den Basteien

Ab heute: Führungen durch die Kasematten - 01.04. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Auf Entdeckungstour im Burgfelsen: Ab heute bietet der Förderverein Nürnberger Felsengänge wieder seine tägliche Führung durch die Kasematten und zur Lochwasserleitung an. Sie steht erstmals unter einem Schwerpunktthema.


Franz Wolff vor Abbildungen, die zum Beispiel zeigen, wie mit einem Pferdekarren die Sandsteine transportiert wurden.
Franz Wolff vor Abbildungen, die zum Beispiel zeigen, wie mit einem Pferdekarren die Sandsteine transportiert wurden.
Foto: Weigert
Franz Wolff vor Abbildungen, die zum Beispiel zeigen, wie mit einem Pferdekarren die Sandsteine transportiert wurden.
Franz Wolff vor Abbildungen, die zum Beispiel zeigen, wie mit einem Pferdekarren die Sandsteine transportiert wurden.
Foto: Weigert

Rauf auf die Burgbastei, runter in zwölf Meter Tiefe: Im Burggarten steigen die Besucher die Treppe zu den unterirdischen Verteidigungsgängen unter den Basteien der Kaiserburg hinab — sie befindet sich im Originalzustand von 1542. „Das heißt: Die Stufen sind krumm, buckelig und unterschiedlich hoch“, warnt Franz Wolff vom Förderverein Nürnberger Felsengänge. Letzteres diente der zusätzlichen Abwehr, damit der Feind im Falle eines Eindringens nicht blind die Treppe hochstürmen konnte.

Nürnberger unter Druck

Der 69-jährige Nürnberger war von Anfang an seit der Öffnung der Kasematten für den Publikumsverkehr dabei und hat bereits über 600 Führungen durch die verschiedenen Anlagen im Burgberg geleitet. Sein Herz schlägt besonders für die Kasematten. „Die wegen des Schwarzpulvers fünf Meter hohen Gänge und der Sandstein, der sich immer wieder verändert, haben einen ganz besonderen Reiz“, schwärmt er. Zudem sei es faszinierend, „wie die Nürnberger in nur sechs Jahren unter politischem Druck diese Riesenanlage erstellt haben“.

Sie wurde damals nach italienischem Vorbild modernisiert — und galt als modernste Festungsanlage nördlich der Alpen. Denn nach dem Übergang zum evangelischen Glauben im Jahr 1525 konnte sich der Rat der Stadt nicht länger auf seine guten Beziehungen zum deutschen Kaiser verlassen. Im Vertrauen darauf hatte man die über 100 Jahre alte Stadtbefestigung vernachlässigt. Nachdem der Markgraf von Ansbach gegen den Bau erst beim Rat, später beim deutschen Kaiser protestierte, wurden die Arbeiten vorangetrieben. Vor diesem Hintergrund entschied sich der Förderverein erstmals für ein Schwerpunktthema. Es lautet für die diesjährigen Führungen: „Verteidigungslasten erhöhen vor 470 Jahren die Lebensmittelpreise und die Abgaben.“

In nur drei Jahren wurden die für den Bau benötigten Sandsteine — insgesamt 212347 an der Zahl — aus den Nürnberger Steinbrüchen in Rückersdorf, Langenlohe (Steinbrüchlein), Ziegelstein und Mögeldorf geliefert. Auch Bauern mussten beim Transport mithelfen. Sie wurden zu Frondiensten verpflichtet — bis es im Juli 1539 zu Engpässen bei der Getreideversorgung kam.

Die Preise vom Ein-Pfennig-Brot und der Heller-Semmel blieben zwar gleich, „aber das Gewicht der Backwaren schrumpfte auf Geheiß des Rates um ein Viertel“, erzählt Franz Wolff. Ab 1540 wurden die Bauern zumindest für die Saat- und Erntezeit von der Fronarbeit befreit. Der Rat setzte notgedrungen Fuhrleute ein, die er bezahlen musste. Nur ein Beispiel, wie die Bevölkerung für die Modernisierung der Festungsanlage darben musste.

Pech herunterschütten

Es ist kühl in zwölf Metern Tiefe des Burgsandsteins. Der Weg führt an einer Schießscharte in der Mittelbastei vorbei. Die letzte ihrer Art, die anderen wurden wegen der Folgen der starken Erosion vor rund 30 Jahren zugemauert. Durch die Schießscharte mit ihren drei Öffnungen konnten die Nürnberger jeden Bereich einsehen, es gab keinen toten Winkel mehr, ergänzt Franz Wolff. „Ehemals waren die Angreifer, wenn sie direkt vor der Mauer standen, vor Schüssen sicher, da konnte man nur noch Pech herunterschütten.“

Die rund eineinhalbstündige Führung findet ab heute bis Oktober täglich um 16 Uhr statt. Treffpunkt: Brauereiladen im Altstadthof, Bergstraße19. Infos unter Tel. (0911) 23602731 oder www. felsengaenge-nuernberg.de 





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