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Die meisten guckten allerdings in die Röhre. Es gab zu viele Wolken. Auf der Burg hatten sich gegen 21 Uhr um die einhundert Neugierige versammelt, um das seltene astronomische Spektakel zu verfolgen, wenn der Erdtrabant durch den Schatten der Erde wandert. Seine rötliche Färbung rührt von langwelligem Licht, das von der Atmosphäre in den Schattenkegel gestreut wird.
Der Himmel über Nürnberg war allerdings fast vollständig bedeckt. „Alles dicht“, klagte ein Mofi-Fan, „es war schon frustrierend“. Erst zu späterer Stunde war wenigstens ein farbiger Schimmer des Ereignisses zu erhaschen.
Viel besser war die Wetterlage einen Katzensprung weiter an der Sternwarte natürlich auch nicht. Dorthin waren etwa 500 Hobby-Astronomen gepilgert. „Wir haben uns größte Mühe gegeben, den vielen interessierten Menschen etwas zu bieten“, sagte Matthias Gräter, Geschäftsführer der astronomischen Arbeitsgemeinschaft, welche die Sternwarte betreibt.
So war im Garten ein Planeten-Modell aufgebaut, an dem die Laufbahn der Himmelskörper nachvollzogen werden konnte. Auch Vorträge über die Mondfinsternis und allerhand Wissenswertes über das Universum sollten die Wartezeit verkürzen. Belohnt mit einem freien Blick auf den rot gefärbten Ball am Himmel wurden die Mühen nicht. Gräter: „Das Wetter hat einfach nicht mitgespielt.“ Zu spontanen Ausbrüchen größerer Verzweiflung ist es dennoch nicht gekommen. Schließlich geht es um Fragen zumindest eines Teils des Universums. Da ist Gelassenheit angebracht.
Die hat sich für NN-Leser Günter Wöhner ausbezahlt. Er harrte mit einigen anderen Mondsüchtigen an einer geeigneten Stelle des Flughafen-Parkhauses aus. Kurz vor 23 Uhr bekam der 47-Jährige, der gerne seine Hobbys Fotografie und Astronomie miteinander verbindet, das Wunschobjekt vor die Linse. „Lange war nichts zu sehen und viele haben gefragt: Wo ist jetzt der Mond?“ Wöhner hatte da den aufgegangenen „Star des Abends“ über dem Business-Tower im richtigen Moment längst bemerkt, als die Wolkendecke aufriss.
Allzu lange müssen die diesmal frustriert Zurückgelassenen gar nicht mehr warten. 2015 gibt es die nächste totale Mondfinsternis. Und aus astronomischer Sicht ist das weit weniger als ein Augenblick.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.
