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Wie erinnert man am besten an die Bücherverbrennung?

Literaturkreis setzt sich für eine Gedenktafel am Nürnberger Hauptmarkt ein - 16.01. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Bei der geplanten Neugestaltung des Nürnberger Hauptmarkts sollte man mit einem Gedenkstein oder einer Tafel auf die Bücherverbrennung im Nationalsozialismus hinweisen, meinen literarisch Interessierte. Oberbürgermeister Ulrich Maly wehrt ab, er setzt auf andere Formen des Erinnerns.

Der Hauptmarkt heute. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf diesem Platz Bücher und Zeitschriften verfemter Autoren.
Der Hauptmarkt heute. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf diesem Platz Bücher und Zeitschriften verfemter Autoren.
Foto: Eduard Weigert
Der Hauptmarkt heute. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf diesem Platz Bücher und Zeitschriften verfemter Autoren.
Der Hauptmarkt heute. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf diesem Platz Bücher und Zeitschriften verfemter Autoren.
Foto: Eduard Weigert

Am 10. Mai 1933 verbrannte die von Nationalsozialisten dominierte Deutsche Studentenschaft bei ihrer „Aktion wider den undeutschen Geist“ Bücher und Zeitschriften in vielen Städten — auch in Nürnberg. Unter den verfemten Autoren befanden sich neben anderen Karl Marx, Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky. Nach einem „Protestmarsch wider Schmutz und Schund“ von Wöhrd über die Sulzbacher Straße zur Theresienstraße fand das Autodafé, die Verbrennung, schließlich am damaligen Adolf-Hitler-Platz statt.

Auf der Mitte des Hauptmarkts entzündeten die Veranstalter einen Scheiterhaufen und warfen „marxistische, volkszersetzende und undeutsche Schriften“, die mit einem Lastwagen herangekarrt worden waren, in die Flammen, berichtete damals der Fränkische Kurier. An diese beschämende Tat, die sich 2013 zum 80. Mal jährt, wollen der Germanist und ehemalige Deutschlehrer Günther Kraus und sein seit Jahrzehnten bestehender Literaturkreis nachhaltig erinnern.

Im Herzen der Stadt



In einem Brief an den Oberbürgermeister regen die Initiatoren eine fest installierte Tafel oder Ähnliches direkt am Ort des Geschehens an. Die Unterzeichner würdigen Dokumentationszentrum und Memorium im Justizgebäude, doch sie wünschen sich darüber hinaus einen Hinweis im Herzen der Stadt. Besucher bekämen dann auch an dieser Stelle mit, wie sich die Stadt ihrer Vergangenheit stellt. „Wie positiv wäre es, wenn die Menschen sehen würden, auf unserem Hauptmarkt gibt es eben nicht nur den Schönen Brunnen und das Männlein-Laufen, sondern auch eine Stelle, auf der 1933 der Ungeist gewaltet hat“, heißt es in dem Schreiben. Gerade jetzt, da über die Neugestaltung des Hauptmarkts nachgedacht wird, sei der richtige Zeitpunkt dafür.


OB Maly (SPD) hält das Anliegen für sehr wichtig, will aber „keine weitere Plakette am Hauptmarkt anbringen“. Immer wieder sehe sich die Verwaltung mit Wünschen nach Gedenkplatten am Hauptmarkt konfrontiert, sei es zu Menschenrechten, der Vertreibung oder zu anderen Themen. Er hält es für fraglich, ob man den „Skandal der Bücherverbrennung“ in der ritualisierten Form eines Bodendenkmals angemessen würdigt.

Er regt vielmehr eine gut gestaltete Webseite an, die auf der städtischen Internetseite an attraktiver Stelle steht und auf die alle Kulturdienststellen hinweisen. Damit erreiche man eine ungleich größere Zahl an Interessierten, meint der 51-Jährige. Außerdem ließen sich in diesem „virtuellen Denkmal“ die Hintergründe der nationalsozialistischen Aktion eingehender erläutern und auch die Autoren der damals verbrannten Werke umfassender vorstellen.

Fleck auf dem Pflaster

Als Grundstock ließen sich die Materialien verwenden, welche die Stadtbibliothek 2009 in einer Ausstellung präsentiert hatte. Bei der Webseite könnten sich Kraus und sein Literaturkreis aktiv einbringen. Kulturreferentin Julia Lehner steht einem Denkmal am Hauptmarkt ebenfalls sehr reserviert gegenüber. Für sie ist es eine Frage der Abwägung: „Welches Anliegen hat noch mehr Berechtigung?“, fragt die CSU-Politikerin. Sie fände es allerdings anlässlich des 80. Jahrestags der Bücherverbrennung interessant zu erforschen, ob auch hiesige Schriftsteller durch die Nationalsozialisten vernichtet wurden.

Für heftige Diskussionen sorgte vor fast 14 Jahren der Münchner Künstler Wolfram Kastner mit seinem „Brandmal“ am Hauptmarkt. Er hatte einen großen schwarzen Fleck aufs Pflaster gepinselt — als Erinnerung an die NS-Tat und an die Zerstörung des Judenviertels im Jahr 1349, das bis dahin an diesem Ort existiert hatte. Die Stadt ließ den drei Meter großen, schwarzen Kreis später entfernen und stellte Kastner 660 Mark in Rechnung. Es entzündete sich eine peinlich-groteske Auseinandersetzung: Der Künstler verweigerte die Zahlung, letztlich lenkte die Verwaltung dann doch ein und blieb auf ihren Kosten sitzen.

Eine zeitlich begrenzte Aktion wie das „Brandmal“ kann sich Maly durchaus vorstellen, um am 80. Jahrestag, dem 10. Mai 2013, ein Zeichen zu setzen. Der Literaturkreis um Deutschlehrer Kraus, dem auch der Bundestagsabgeordnete Michael Frieser angehört, sieht aber weder eine kurzzeitige Kunstaktion noch ein virtuelles Denkmal im Internet als ausreichend: „Es sollte eine fest installierte Gedenktafel sein. Die verbrannten Dichter haben es längst verdient“, erklären die Literaturfreunde.(Siehe StandPunkt Seite 10)
  



VON HARTMUT VOIGT

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