Die beiden Neonazis, die um die 30 Jahre alt sein sollen, hatten sich ihr Opfer am Mittwochnachmittag offenbar zufällig ausgesucht. Als der 16- Jährige im südlichen Verteilergeschoss des U-Bahnhofs Aufseßplatz am Schnellimbiss von Mc Donalds vorbeikam, beschimpften sie den jungen Deutschen als Ausländer, der umgehend verschwinden müsse.
Als sich der Jugendliche in Richtung Kopernikusplatz entfernte, stellten sie ihm mit Beleidigungen und „Hau ab“-Rufen weiter nach. Einer hatte ein Fahrrad dabei, der andere einen großen, schwarzen Hund. Zweimal musste der 16-Jährige in Geschäften Zuflucht suchen, um sich in Sicherheit zu bringen.
„Bei mir versteckte er sich hinter dem Tresen und bettelte um Hilfe“, berichtet Özen Savas-Akel, die Inhaberin des Friseursalons „En Vogue“, die umgehend die Polizei alarmierte. Vor dem Schaufenster ließen die Rassisten aber noch nicht locker, deuteten demonstrativ auf eine Hakenkreuz-Tätowierung und drohten mit unmissverständlichen „Kopf ab“-Gesten. Dem Ehemann der Inhaberin, unterstützt von couragierten Kunden, gelang es, die Angreifer abzudrängen.
„So etwas haben wir hier zum Glück sonst noch nie erlebt“, meint die Friseurmeisterin. Auch in der Pizzeria und Eisdiele „Mario“ schräg gegenüber versichert ein Kellner, Umtriebe von Glatzköpfen seien ihm in dem Viertel bisher nicht aufgefallen. „Und ich arbeite hier schon seit zehn Jahren.“ Die Täter habe er nicht mehr gesehen, aber durch das Polizeiaufgebot bekam er mit, dass etwas Gewichtigeres passiert sein musste.
„Die erste Streife war schnell zur Stelle“, versichert die Friseurmeisterin, aber eben doch nicht schnell genug, um die Rabauken in der näheren Umgebung noch aufspüren zu können. Wegen der offenkundig politisch motivierten Attacke — und nachdem erst Ende April rechtsradikale Schläger einen 17-Jährigen am U-Bahnhof Plärrer halbtot geprügelt hatten — übernahm umgehend das Kommissariat für Staatsschutz der Nürnberger Kripo die Ermittlungen. Ein Polizeisprecher gab sich gestern optimistisch, die beiden Verdächtigen bald dingfest machen zu können. Zum einen hatten die Neonazis durch ihr wüstes Verhalten und die „Belagerung“ des Friseursalons die Aufmerksamkeit etlicher Zeugen auf sich gezogen; zum anderen fand die Spurensicherung sogar Fingerabdrücke.
Zum Glück sind üble Drohungen wie am Mittwoch oder gar Gewalttätigkeiten in Nürnberg bisher die Ausnahme. „Aber verbale Beleidigungen bekommen Menschen wie ich leider oft zu hören“, sagt ein gebürtiger Nigerianer aus der Südstadt.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
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