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Zündender Funke springt noch nicht auf die Basis über

Ministerpräsident Seehofer hatte von brennender CSU gesprochen — Ortsvereine im Süden geben sich ganz entspannt - 15.01. 19:39 Uhr

Nürnberg  - „Die CSU brennt“, hatte Parteichef Horst Seehofer nach der Kreuther Klausur verkündet. Wie sieht es in zwei ganz normalen Ortsverbänden — etwa bei der CSU Langwasser und Zollhaus-Neuselsbrunn aus? Ein Stimmungsbild vom Neujahrsempfang.

Beim Neujahrsempfang der CSU Langwasser plaudern Karl Freller, Karin Fraas, Jutta Bär, Bundestagsabgeordneter Michael Frieser, Wirtschaftsreferent Michael Fraas, Alexander Christ und Werner Gruber (vo. li.) angeregt.
Beim Neujahrsempfang der CSU Langwasser plaudern Karl Freller, Karin Fraas, Jutta Bär, Bundestagsabgeordneter Michael Frieser, Wirtschaftsreferent Michael Fraas, Alexander Christ und Werner Gruber (vo. li.) angeregt.
Foto: Stefan Hippel
Beim Neujahrsempfang der CSU Langwasser plaudern Karl Freller, Karin Fraas, Jutta Bär, Bundestagsabgeordneter Michael Frieser, Wirtschaftsreferent Michael Fraas, Alexander Christ und Werner Gruber (vo. li.) angeregt.
Beim Neujahrsempfang der CSU Langwasser plaudern Karl Freller, Karin Fraas, Jutta Bär, Bundestagsabgeordneter Michael Frieser, Wirtschaftsreferent Michael Fraas, Alexander Christ und Werner Gruber (vo. li.) angeregt.
Foto: Stefan Hippel

Die bevorstehende Landtags- und Bundestagswahl in den kommenden beiden Jahren lässt die Münchner CSU-Zentrale schon einmal kräftig ins Signalhorn pusten nach dem Motto: „Wir sind hellwach und setzen unsere Themen.“

Doch im Arvena Park Hotel in Langwasser, wo die zwei CSU-Ortsverbände traditionell ihren Neujahrsempfang ausrichten, ist von aufgewühlter Aufbruchstimmung noch nicht viel zu spüren. Der erfahrene, ehemalige Stadtrat Werner Gruber bleibt ganz entspannt: „Die Wahlen sind noch kein Thema, da ist es ja noch ewig hin.“ Man müsse viel kurzfristiger, unmittelbarer denken, was die Menschen im Stadtteil umtreibt. Der langjährige Kommunalpolitiker freut sich, dass man beim Thema Integration „auf einem guten Weg ist und dass die rechtsextremen Parteien in Langwasser nicht präsent“ sind.



Weder die NPD noch ihre Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ seien hier aktiv — zumindest hört Gruber nichts davon: „Und wir kennen ja auch abgelegene Gaststätten, beispielsweise in Kleingärten.“ Auch dort habe er nichts über Treffen oder Stammtische erfahren.

Alexander Christ, Vorsitzender der CSU Langwasser, meint, dass die anstehenden Wahlen zwar in weiter Ferne liegen, aber: Weil die Politik in Wahlkampfzeiten wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung komme, bekämen die Parteien mehr Zulauf. „Ob aber die neuen Mitglieder dauerhaft bleiben, ist eine andere Frage“, meint der freundliche, aufgeschlossene 35-Jährige. 130 CSU-Mitglieder haben die beiden Ortsverbände im Süden, davon ein Drittel über 60 Jahre, schätzt Christ. Bei rund 40000 Bewohnern in Langwasser ist der Mitgliederstand durchaus ausbaubar.

Doch wie man die Christlich- Soziale Partei für Jüngere interessant machen könnte, da hat auch er kein Patentrezept. Hierfür brauche man einen langen Atem. Selbst wenn es kein richtiger Trost ist: Bei der politischen Konkurrenz läuft es ebenfalls nicht besser, meint der Rechtsanwalt. Auch CSU-Langwasser-Vorstand Lutz Quester kommt gelegentlich ins Grübeln. Er setzt auf Werte wie Leistungsbereitschaft oder Engagement und ist überzeugt, dass dies bei Jugendlichen ankommt.

Wenn er aber konkret an seine 28 und 22 Jahre alten Kinder denkt, fragt er sich schon: „Was interessiert sie, worüber informieren sie sich: Über den Neujahrsempfang hier oder eher über den aktuellen Schiffsuntergang der Costa Concordia vor der italienischen Küste?“ Seiner Miene nach zu schließen, ist ihm die Antwort jetzt schon klar. Jugendliche für Mitarbeit im Stadtteil und in der Partei zu gewinnen, ist eine harte Nuss.

Dass die CSU Langwasser bei den zahlreichen osteuropäischen Zuwanderern im Stadtsüden nicht punkten kann, ist für CSU-Veteran Gruber keine Überraschung: „Sie kommen, wenn sie etwas brauchen, aber ansonsten suchen sie wenig Kontakt.“ Außerdem gebe es bei Russlanddeutschen und Rumäniendeutschen Vorbehalte untereinander. Es bestünden keine homogenen großen Blöcke, sondern gegensätzliche, mitunter misstrauische Gruppen.

„Es tut sich was“

Zumindest über einen prominenten Rückkehrer kann sich die CSU Langwasser freuen: Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas, der im Stadtteil aufgewachsen ist, hat nach 20 Jahren nun wieder seinen Lebensmittelpunkt in Nürnberg. Der hauptamtliche Stadtrat kann als Hauptredner politische Pflöcke (Ja zur Nordanbindung, Energiewende als Zukunftschance für den Forschungsstandort Nürnberg) einschlagen.

Für den Wandel in dem Stadtviertel seiner Kindheit findet er ermunternde Worte: „Es tut sich was“, sagt er mit Blick auf den Neubau des Bads, die Bertolt-Brecht-Schule und den Anbau am Klinikum.

„Damit es weiter vorangeht, brauchen wir jeden Einzelnen von Ihnen“, wirbt der Wirtschaftsreferent auch bei jenen Gästen, die nicht Parteimitglieder sind. Die CSU brennt? Ex-Stadtrat Gruber ordnet ein: Es sei zwar noch kein loderndes Feuer, aber die Glut sei vorhanden. 



HARTMUT VOIGT - Lokales Nürnberg

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