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Zuerst die Theorie: Lachyoga ist eine Form des Yoga, bei der das grundlose Lachen im Vordergrund steht. Die Übungen sind eine Kombination aus Dehnen und Atmen, verbunden mit pantomimischen Übungen. Der Mensch kommt über die motorische Ebene zum Lachen. Dabei soll es für den Körper und die heilende Wirkung keine Rolle spielen, ob das Lachen künstlich oder echt ist. Stressreduzierung, ein gestärktes Immunsystem, tiefere Atmung, bessere Verdauung und eine Anregung des Stoffwechsels werden versprochen.
Beim Besuch einer Lachyogasitzung in der Sandrartstraße sieht das Ganze in der Praxis so aus: Sechs Erwachsene (vier Teilnehmer sowie Anna Maria und Cornelia Lutz als Organisatorinnen) lachen sich in verschiedenen Übungen 90 Minuten lang an. Dabei gehen die Personen zum Beispiel in Paaren zusammen und halten mit der Stirn eine Klopapierrolle, begleitet von schallendem Gelächter der Beteiligten.
Eine Art Lachcocktail wird gemixt — aus den angeblich heilenden Lachlauten Ha, Ho, Hi und He. Zusammen werden diese mit einem ebenso fiktiven Kochlöffel umgerührt. Das ganze Spektakel erinnert an eine Kindertheaterstunde, nur eben für Erwachsene. Nachdem alle Übungen durchlaufen sind, legen sich die Teilnehmer auf den Boden. Über eine Musikanlage wird Bobby McFerrins Gute-Laune-Klassiker „Don’t worry, be happy“ eingespielt. Jeder lässt nochmal das überschüssige Lachen heraus, vereinzelt wird mitgesungen oder mitgesummt.
„Was wir machen, kann auf andere beim ersten Mal komisch wirken“, sagt Anna Maria Lutz. Das sei bei ihr nicht anders gewesen, als sie vor gut zwei Jahren zum ersten Mal mit dem Lachyoga in Berührung kam. Schnell habe sie dessen Vorzüge kennengelernt. Weil nach geraumer Zeit kein Kurs mehr in ihrer Nähe angeboten wurde, ließ sie sich einfach selbst zur Lachtrainerin ausbilden – an einem einzigen Wochenende beim in der Szene als „Lachguru“ bekannten Christoph Emmelmann in München. Kosten: 390 Euro.
Tochter Cornelia Lutz ging danach den gleichen Weg. „Ich habe dort nicht viel Neues gelernt“, sagt sie zurückblickend. Die Übungen kannte sie schon, nur gestalte jeder Lachtrainer seine Sitzungen ein bisschen anders. Tochter und Mutter nutzen als eine Spezialität die Clownerie, weil Anna Maria Lutz als Klinikclown arbeitet. Sitzungen können bei den beiden im Fünfer-Paket für insgesamt 45 Euro gebucht werden, ein Schnupperabend kostet zehn Euro. Nach der Sitzung „fühlen wir uns heiterer, entspannter und von Kopf bis Fuß angenehm beschwingt“, steht zumindest auf der Infobroschüre.
Davon war bei der besuchten Sitzung allerdings nicht viel zu spüren: Nach 90 Minuten hemmungslosem Lachen war die gute Laune schnell wieder verflogen. Der Grund: Die vier Teilnehmer durchleben privat schwierige Zeiten. Beispielsweise Vroni und Margit, die zusammenwohnen und sich gegenseitig mit „Ho-ho-hahaha“, dem Schlachtruf der Lachyogis aufheitern wollen, wenn es einer von ihnen schlecht geht.
„Das hat bisher noch nicht geklappt“, gestehen sie. Dennoch sind beide der Meinung, dass die wöchentliche Sitzung „eine willkommene Auszeit aus dem grauen Alltag ist“. Wie lange es dauern wird, bis die gute Laune dort dauerhaft einkehrt, kann Cornelia Lutz nicht sagen: „Das hängt davon ab, wie schnell man in die Lachenergie findet. Man kann nicht erwarten, dass es einem nach wenigen Sitzungen sofort besser geht.“ Insgesamt hätten bisher etwa 60 Teilnehmer die Kurse durchlaufen, Beschwerden habe es aber nie gegeben, betont sie.
Auch Rentner Christian Strijewski ist vom Lachyoga überzeugt. Bei einem entsprechenden Kongress in Bielefeld kam er zum ersten Mal damit in Berührung, seit 2010 arbeitet er ebenfalls als Lachtrainer. „Ich wollte einfach mal etwas anderes machen“, sagt er.
Unter einer psychischen Erkrankung habe er nicht gelitten, betont Strijewski, er sieht sich jedoch als Beispiel, „dass durch Lachyoga Selbstvertrauen gewonnen wird und es dabei hilft, aus sich herauszugehen“. Dass Lachyoga psychisch kranken Menschen wieder auf die Beine helfen kann, bezweifelt er. Es sei aber „ein guter Weg, überhaupt wieder ins Lachen zu kommen“.
„Und in der Gruppe ist das Lachen doch viel schöner“, finden Tochter und Mutter Lutz ebenso wie Strijewski. Für sie steht zudem fest: „Lachen ist die beste Medizin.“
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