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Altstadtbewohnern stinkt die Passage in der Kaiserstraße

Bei der gut besuchten Bürgerversammlung ging es aber auch um Lärm durch eine Schule - 04.05.2012 07:59 Uhr

In der Passage in der Kaiserstraße muffelt es, weil immer wieder Passanten in die Ecken pinkeln. Anwohnern und Geschäftsleuten reicht‘s. Sie verlangen, dass die öffentlichen Klos besser ausgeschildert werden.

In der Passage in der Kaiserstraße muffelt es, weil immer wieder Passanten in die Ecken pinkeln. Anwohnern und Geschäftsleuten reicht‘s. Sie verlangen, dass die öffentlichen Klos besser ausgeschildert werden. © Matejka


Schlafen könne sie nur noch mit Ohrstöpseln, klagt eine Nachbarin der Bildungseinrichtung am Inneren Laufer Platz. „Ich sitze auf der Couch und denke ich habe Tinnitus“, beschreibt sie das Geräuscherlebnis, das ihr seit Monaten eine Lüftung des Willstätter-Gymnasiums beschert.

Die Erklärung von Schulreferent Klemens Gsell trägt durchaus skurrile Züge: Schuld am Lärm sei der Chemie-Schrank. „Wenn die Chemikalien verdunsten, können sie explodieren.“ Deshalb müsse der Schrank eine gute Lüftung haben. „Jahrelang haben Lehrer diese abends ausgestellt, in der Annahme, dass schon nichts passieren wird“, so Gsell. Doch seit einigen Woche laufe die Lüftung auch nachts – und macht die Nachbarn mit ihrem Lärm halb wahnsinnig. „Der Umbau kommt in den Sommerferien“, kündigt Gsell bei der Bürgerversammlung an. Ein Anruf des Stadtanzeigers in der Schule drei Tage später bescheinigt der Stadt jedoch, dass sie schnell arbeiten kann, wenn der Druck groß genug ist. „Die Lüftung ist ausgetauscht, der Schaden behoben“, lässt die Schulleitung wissen.

Die Passage unweit der Kaiserstraße 8 macht nicht nur Anwohner Jürgen Endreß zu schaffen, „weil es da stinkt und schmutzig ist“. Immer wieder, aber vor allem bei Veranstaltungen in der Innenstadt, pinkelten Passanten in den dunklen Durchgang. „Ein Händler hat schon sein Schaufenster zugeklebt, weil er seinen Kunden den hässlichen Anblick nicht mehr zumuten will“, sagt Endreß.

Klo-Schilder aufstellen

Er fordert die Stadt auf, am Hauptmarkt gut sichtbar Schilder aufzustellen, die auf öffentliche Toiletten hinweisen. „Das würde uns manchen ersparen, der jetzt in der Passage sein Geschäft erledigt“, meint Endreß. Tatsächlich verspricht Bürgermeister Horst Förther: „Toiletten müssen am Hauptmarkt ausgeschildert sein. Wenn es jetzt nicht ausreicht, rüsten wir schnell nach.“

Noch hängen sie an den Drahtseilen des Kettenstegs — die Schlösser, die Paare als Zeichen ihrer Verliebtheit gern an Brücken hängen. Die Stadt will sie an dieser Stelle jedoch entfernen.

Noch hängen sie an den Drahtseilen des Kettenstegs — die Schlösser, die Paare als Zeichen ihrer Verliebtheit gern an Brücken hängen. Die Stadt will sie an dieser Stelle jedoch entfernen. © Fengler


Im Winter waren sie für viele nichts anderes als eine Lachnummer – die Absperrbaken, die der städtische Servicebetrieb (Sör) in vielen Straßen aufstellte, um sich dort den Winterdienst zu sparen. Die Vorsitzende des Bürgervereins Altstadt, Elisabeth Most, bittet die Stadt, im kommenden Winter „von der Verschönerung des historischen Stadtbilds durch die massierte Aufstellung von Absperrbaken abzusehen“. Schilder mit der Aufschrift „Kein Räum- und Streudienst“ erfüllten den selben Zweck. Doch Horst Förther, der für Sör zuständig ist, widerspricht: „Wir haben eine Sicherungspflicht und können uns nicht nach dem Menschenverstand richten.“ Ihm hätten die Baken zwar auch nicht gefallen, aber nötig seien sie dennoch.

Das Aufstellen habe die Stadt 10 000 Euro gekostet. Eine Röthenbacherin unter den Zuhörern im Heilig-Geist-Spital kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Bei uns im Stadtteil standen im Winter fast auf jedem Weg Baken. Die Leute haben sie einfach angehoben und auf die Seite gestellt“, beschreibt sie den zivilen Ungehorsam.

Vom Schönen Brunnen am Hauptmarkt hat sie die Stadt bereits abknipsen lassen – die Liebesschlösser, auf denen Paare ihre Namen verewigt haben. „Wir wollen bei dem Thema kein städtisches Rambotum“, erklärt Förther. Doch vom Kettensteg sollen die Schlösser auch noch weg. Die Verzierungen der Brücke am Cinecittà seien jedoch aus Sicht der Stadt nicht so störend und sollen erst mal bleiben. Wie geht es mit dem Pellerhaus weiter, wenn die Stadtbibliothek ausgezogen ist? Das interessiert den Bürgerverein Altstadt brennend, der sich dort wunderbar ein Bürgerzentrum vorstellen kann. Café, Jugendhaus, Begegnungsstätte für Jung und Alt – alles könnte den Egidienplatz beleben und aufwerten.

Wahlamt zieht ein

Kämmerer Harald Riedel verpasst dem Planungseifer erst mal einen Dämpfer: Bis 2014 werde das Pellerhaus als Ausweichquartier für das Wahlamt dienen. An dessen Standort am Unschlittplatz müsse nämlich das Dach saniert werden. „Für die Zeit danach macht sich eine städtische Arbeitsgruppe Gedanken.“ Klar sei, dass die Räume so sehr auf die Bibliothek und das Depot zugeschnitten sind, dass künftige Nutzungen dadurch stark eingeschränkt werden. Derzeit befindet sich im Pellerhaus das Deutsche Spiele Archiv.

Seit 2011 ist er kein Kinder- und Jugendhaus mehr: Der Fünfeckturm steht leer. Der Bürgerverein will wissen, wann endlich wieder Leben in die Räume einzieht. Oberbürgermeister Ulrich Maly erklärt das endgültige Aus für eine Jugendeinrichtung an dieser Stelle. „Die Sanierung würde über 1,5 Millionen Euro kosten, aber auch danach dürften sich nur 15 Leute zur gleichen Zeit im Fünfeckturm aufhalten.“

Damit sei er aber als Jugendtreff nicht mehr geeignet. Derzeit sind die Besucher in einem Ausweichquartier, dem Kinder- und Jugendhaus „Gost“ in der Eberhardshofstraße, untergebracht. „Wir suchen nach einem dauerhaften neuen Standort für den Jugendtreff“, verspricht Maly.

Langfristig soll die Verbindung für Radler und Fußgänger vom Kreuzgassenviertel zum Kontumazgarten besser werden. Gehandelt wird aber erst, wenn der Stadtrat im Zusammenhang mit der Sanierung des Hallertors dafür Mittel in den Haushalt einstellt. Erst dann kann der städtische Servicebetrieb Öffentlicher Raum die Umgestaltung in Angriff nehmen.

  

UTE MÖLLER

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