Seit 1951 wohnt Hanne Greßmann in der Laufamholzstraße 216. Die Hauptverkehrsader kennt die 64-Jährige noch aus Zeiten, als diese ein „Strässle“ war und es ländlich-beschaulich zuging. Das ist längst vorbei: Die aktuelle Lärmkarte des Umweltreferats, die man im Internet unter www.laerm.nuernberg.de anschauen kann, weist den Bereich zwischen Moritzbergstraße und Winner Zeile als rot und lila aus — „hoch bis extrem belastet“.
Über 26000 Fahrzeuge wurden zuletzt 2010 in 16 Stunden gezählt. Die Tendenz ist seit zwei Jahren wieder steigend, was den Anwohnern eine erhöhte Geräuschkulisse bringt. Noch in den 80ern habe man auf Abhilfe gehofft, erzählt Greßmann. Entlastungsrouten standen im Generalverkehrsplan, etwa die Balthasar-Neumann-Straße. Doch daraus wurde nichts. Inzwischen sehen Konzepte die Bündelung der Verkehrsströme auf Hauptstraßen vor, während nebenan Tempo 30 verordnet wird.
Angesichts dieser Ausgangslage kann Frank Jülich, Leiter des Verkehrsplanungsamtes, Leuten wie Greßmann keine Perspektiven für mehr Ruhe durch verlagerten Verkehr oder gedrosseltes Tempo aufzeigen. Der einzige echte Hoffnungsschimmer laute „Flüsterasphalt“, wie der Oberbegriff für neue Straßenbeläge genannt wird. Durch offene Poren besitzen sie Hohlräume, die kräftig Schall schlucken. Und einen solchen Asphalt wollen die Anwohner der Laufamholzstraße, wenn im Frühjahr nach dem Ende der Kanalbaustelle auf knapp 200 Metern Länge die Straße wieder hergestellt wird. Greßmann: „Um mehr Nachtruhe zu haben!“
„LOA5D“ heißt das Zauberwort, das die Runde gemacht hat. Es steht für lärmoptimierten Asphalt mit einer Korngröße von maximal fünf Millimetern, wie er in Düsseldorf vor sieben Jahren eingeführt wurde. SPD-Stadtrat Gerald Raschke hat jüngst bei der Sitzung des Deutschen Städtetages wahre Jubelarien vernommen. Die Rhein-Metropole habe „nur positive Erfahrungen gemacht“, inklusive anhaltender Lärmreduktion von 5,5 dB — über 70 Prozent weniger.
Doch während Düsseldorf als Vorbild nur noch auf „LOA 5D“ setzt, auch Essen und München frohlocken und selbst nebenan in Stein und Erlangen erste Versuche vielversprechend laufen, zögert man in Nürnberg, was Raschke nervt: Im November 2010 hat seine Fraktion zwei Pilotstrecken beantragt. Bisher sind keine Vorschläge gemacht geworden, was aber nicht an Verkehrsplaner Jülich liegt: Nicht seine Behörde, sondern der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) ist für das Asphaltieren von Straßen zuständig.
„Flüsterasphalt“ ist auch ein Thema bei Sör, das vor gut drei Jahren dem Verkehrsausschuss vorgestellt wurde. In der Analyse sieht man die Sache aber kritisch: Weil Hohlräume durch Schmutz und Reifengummi verstopfen könnten und so die Lebenserwartung eher niedrig sei, „ist ein flächendeckender Einsatz bisher nicht geplant“. Dem widersprechen derweil die Experten in Essen und Düsseldorf — auch was den angeblich höheren Preis betrifft: Als entscheidend gilt die Qualität beim Straßenbau.
Mit rund 25 Unterschriften versehen, hatte die Laufamholzer Anwohner-Initiative im April 2011 erstmals an die Stadt und OB Ulrich Maly appelliert, vor ihrer Haustür einen Pilotversuch mit „LOA 5D“ zu starten. Laut Konrad Pommer, Werkleiter beim kommunalen Stadtentwässerungsbetrieb, der die Straßenherstellung bezahlen wird, wäre dies grundsätzlich machbar, sofern die Kosten nicht deutlich höher wären und es zeitlich keine Verzögerungen geben würde. Doch hier könnte der Traum vom „Flüsterasphalt“ platzen: Sör müsste als zügig eine passende Ausschreibung veranlassen — und eine Firma finden, die ein hochwertiges Verlegen garantieren kann plus Gewährleistung.
Sör-Werkleiter Ronald Höfler verweist derweil auf die noch laufenden Untersuchungen. Wegen des kleinen Teilbereichs und des hohen Aufwands für eine Asphalt-Rezeptur müsse genau geprüft werden, ob die Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll sei. Da der Baustellenbereich erst mal provisorisch hergerichtet werden könne, sieht Höfler aber keinen akuten Zeitdruck.
Hanne Greßmann ist trotz allem „vorsichtig optimistisch“, dass es klappen wird. Klar sei zudem: Wenn am 18.Januar im Rathaus die Bürgerbeteiligung für den neuen „Lärmaktionsplan“ der Stadt Nürnberg beginnt, werden die lärmgeplagten Laufamholzer auf jeden Fall lautstark „LOA5D“ vor ihrer Haustür fordern.
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