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Herr Kaufmann, drei Wochen nach dem entsetzlichen Mord werden am Tatort immer noch Kerzen und Blumen aufgestellt. Die Passanten bleiben stehen und halten kurz inne. Wundert Sie das?
Kaufmann: Nein. Diese Tat ist über die Gegend regelrecht hereingebrochen. Bisher haben viele Leute so etwas nur im Krimi gesehen. Trotz einer gewissen Abstumpfung durch alltägliche Gewaltdarstellung in Nachrichten und Filmen haben sie so etwas in der Realität dann doch nicht für möglich gehalten.
Ist es nur die Trauer, die die Menschen hier beim Vorbeigehen ergreift?
Kaufmann: Es ist auch schlichtweg Entsetzen, das die Leute hier packt. Das passt nicht zum vertrauten pulsierenden Leben, das für viele hier in der Südstadt herrscht, bei allen Veränderungen. Da ist etwas Unfassbares, völlig unwirklich Erscheinendes im normalen Alltag passiert, noch dazu am helllichten Tag vor aller Augen. Und vielleicht denkt der ein oder andere auch, ob man so etwas hätte verhindern können.
Was würden Sie denn als erfahrener Seelsorger in solchen Fällen raten?
Kaufmann: Die Menschen in der Südstadt machen das schon richtig. Sie besetzen den Platz als Ort der Trauer, indem sie Kerzen und Bilder aufstellen. Es kommt darauf an, dass es an dem Ort nicht von heute auf morgen einfach so weitergeht, wie es vorher war. Durch ihr Innehalten und das Gedenken „heiligen“ die Menschen den Platz zumindest für eine Weile und schaffen so ein Stück Erinnerungskultur.
In der Kirche St. Klara bieten Sie Trauernden Hilfe und Gespräche. Wäre das auch ein Forum für die Menschen aus der Südstadt, die mit dem Geschehen am Aufseßplatz nicht fertig werden?
Kaufmann: Wer das möchte, kann gerne kommen. Ob bereits jemand aufgrund der genannten Tat da war, kann ich nicht sagen, denn unsere offenen Trauerandachten richten sich gerade auch an Menschen, die inmitten der Andacht anonym bleiben wollen und nicht sagen, warum sie hier sind. In einem solch krassen Fall wie am Aufseßplatz wäre bei Bedarf natürlich auch die Unterstützung durch einen Psychologen ratsam.
Kontakt: Katholische Cityseelsorge, Königstraße 64, Nürnberg, E-mail: info@st-klara-nuernberg.de, Internet: www.st-klara-nuernberg.de
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.