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„Bei uns durfte schon immer jeder mitspielen“

Posaunenchor des CVJM Gostenhof musiziert seit 120 Jahren — Oftmals machen gleich mehrere Generationen einer Familie mit - 23.11.2012 08:14 Uhr

GOSTENHOF  - Ein außergewöhnliches Jubiläum feiert der Posaunenchor des CVJM Gostenhof: Er kann auf 120 Jahre zurückblicken.

Engagiert sind hier alle und das Gemeinschaftsgefühl stimmt: Der Posaunenchor tritt auf.
Engagiert sind hier alle und das Gemeinschaftsgefühl stimmt: Der Posaunenchor tritt auf.
Foto: Linke
Engagiert sind hier alle und das Gemeinschaftsgefühl stimmt: Der Posaunenchor tritt auf.
Engagiert sind hier alle und das Gemeinschaftsgefühl stimmt: Der Posaunenchor tritt auf.
Foto: Linke

Die Mitglieder sind deutlich jünger, als es Musikkapellen dieser Art nachgesagt wird, dennoch hat sich seit der Gründung nur wenig verändert. „Bei uns durfte schon immer jeder mitspielen. Den Anspruch, dass man sich ja nie verspielen darf, haben wir nicht“, erklärt Trompeterin Ulrike Engel (39). So nimmt der Posaunenchor seit jeher jeden auf, der Interesse an Blasinstrumenten und dem gemeinsamen Spiel hat. „Neulinge können das Instrument kostenlos leihen und Unterricht bekommen“, sagt Engel.

„Muffige“ Kirche

Einer, der dieses Angebot definitiv nicht mehr benötigt, ist Friedrich Weitner: Der Trompeter ist 75 Jahre alt und das älteste Chormitglied. Er kam 1950 mit seinem Bruder zum Posaunenchor: Zwar habe er die Kirche schon damals „muffig“ gefunden, doch: „Sie hat uns auch vor vielem bewahrt: Sie gab uns Führung und war für unser Leben wie das Tragseil einer Seilbahn.“


Die Gemeinschaft und die Liebe zur Musik ziehen immer wieder Neulinge in den mit 33 Mitgliedern größten Posaunenchor Nürnbergs. Oftmals wird der Nachwuchs, wie bei Familie Engel, aus den Bläserfamilien „rekrutiert“: „Unsere Söhne sind vier und sieben Jahre alt. Sie stehen schon in der Warteschlange“, erzählt Ulrike Engel, deren Mann den Posaunenchor seit 15 Jahren leitet. Das einzige Hindernis: „Wir warten auf die vorderen bleibenden Zähne, damit sich das Gebiss durch das Trompetenspiel nicht verschiebt.“

Das derzeit jüngste Mitglied ist mit acht Jahren nicht viel älter als Engels Sohnemann und auch Clea (14) zählt zum Nachwuchs des Chores: Sie spielt dort seit dreieinhalb Jahren Trompete „Ich mag das Miteinander von Jung und Alt echt gern“, berichtet die Schülerin, die ein musisches Gymnasium besucht und auch dort im Orchester sitzt.

Die Schwierigkeit, mit vielen anderen ein Stück einzuüben, liege oft darin, den gemeinsamen Rhythmus zu finden: „Nicht, dass die Trompete weiterspielt, obwohl nur der Bass zu hören sein soll“, sagt Engel. Aber was tun, wenn man sich doch einmal verspielt? Die Maßnahmen sind dieselben wie vor 120 Jahren: „Im Solo hoffen, dass es keiner hört“, verrät Clea. Trompeter Martin Wiesinger (28) fügt schmunzelnd hinzu: „Ansonsten einfach ganz schockiert zum Nebenmann schauen und so tun, als wäre er derjenige, der absolut falsch spielt.“

100 Einsätze im Jahr

Rund 100 Einsätze inklusive der wöchentlichen Proben habe der Chor. Dazu gehören seit 40 Jahren auch die Eröffnung des Christkindlesmarktes sowie mehrere Einladungen von der nahe gelegenen Dreieinigkeitskirche zu den Gottesdiensten.

„Wir spielen aber auch auf Hochzeiten, Beerdigungen, in Altenheimen und bei Krankenbesuchen. Auch das Geburtstagsständchen für betagte CVJM-Mitglieder gehört dazu“, schildert das Chor-Urgestein Weitner.

Ein Einsatz ist den Mitgliedern noch heute im Gedächtnis, weiß Engel: „Wir haben gestapelt im Treppenhaus gespielt und nachdem die Flurbeleuchtung immer wieder ausging, haben wir schließlich ein Mitglied zum Lichtdienst abgestellt.“ Mit einem großen Jubiläumskonzert in der Dreieinigkeitskirche Gostenhof hat der Posaunenchor kürzlich sein 120-jähriges Bestehen gefeiert.

Infos zum Chor und den Probezeiten gibt es beim Chorleiter unter der Rufnummer 333901.

 

Alexandra Haderlein

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