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BlauPause: Mit Zuckerl auf dem Klo

Die Kaffeehauskultur treibt schöne Blüten - 24.01.2013 08:14 Uhr

Nürnberg  - „Das Café ist das Wartezimmer der Poesie“ hat der große Nürnberger Schriftsteller Hermann Kesten (1900–1996) einmal gesagt. Und man kann sicher sein, dass er dabei nicht an eines dieser auswechselbaren Kettencafés à la Starbucks dachte. Lyrisch Hochbegabte könnten stundenlang in solchen wartesaalähnlichen Einheitsläden sitzen, ohne dass ein brauchbares Verslein aus der Feder fließen würde.

Vier Bücher stehen am Rand in der Toilette vom Café Wohlleben in der Nordstadt und bilden eine Bereicherung für etwas längere Sitzungen, inklusive „Meine besten Rezepte“.
Vier Bücher stehen am Rand in der Toilette vom Café Wohlleben in der Nordstadt und bilden eine Bereicherung für etwas längere Sitzungen, inklusive „Meine besten Rezepte“.
Foto: Jo Seuß
Vier Bücher stehen am Rand in der Toilette vom Café Wohlleben in der Nordstadt und bilden eine Bereicherung für etwas längere Sitzungen, inklusive „Meine besten Rezepte“.
Vier Bücher stehen am Rand in der Toilette vom Café Wohlleben in der Nordstadt und bilden eine Bereicherung für etwas längere Sitzungen, inklusive „Meine besten Rezepte“.
Foto: Jo Seuß

Zum Glück besitzt Nürnberg aber ein paar Alternativen. Das „Wanderer“ am Tiergärtnertor ist eines, das „Balazzo Brozzi“ in der Rosenau ein anderes, auch wenn dort die Selbstbedienung den Schreibfluss bremst. Auf alle Fälle hat der „Salon Regina“ in der Fürther Straße das Zeug zur Poeten-Institution. Und die gute, alte Meisengeige am Laufer Schlagturm geht auch noch durch, wobei es eine mittelschwere Frechheit ist, dass die „Geige“ inzwischen nicht mehr um elf, sondern erst gegen 16 Uhr aufmacht, was an sich der Todesstoß wäre, würde der Kaffee nicht (meistens) so unvergleichbar gut sein.


Trotzdem gibt es eine noch relativ unbekannte Blüte in der hiesigen Kaffeehauskulturlandschaft, die wie geschaffen scheint für Dichter aller Art: Das „Café Wohlleben“ in der Löbleinstraße 60. Ohne viel Getrommel führen Alexander Hildebrandt und Friedel Hentrich seit Frühjahr 2011 das Haus, das sieben Tage die Woche ab neun (und sonntags ab zehn) geöffnet ist.

Kaffees, Tees und ziemlich experimentelle Kuchenkreationen sind vom Feinsten. Richtig wunderbar ist auch das Mobiliar mit echtem Antiquitätencharme, die Schwarzweißfotowand, die verstreuten Kunstunikate und das gehobene Bohèmeflair. Und als kulturelles Zuckerl stehen vier Bücher seitlich am Klo, von denen nicht nur das Kompendium mit den Lieblingsrezepten zum Schmökern einlädt. So entschleunigt das „Wohlleben“ auch am stillen Örtchen das Leben. Ein Rind, wer hier nicht zu reimen beginnt.

  



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