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Bordelle gehen Nachbarn gegen den Strich

Postkartenaktion von LeopArt sorgte bei Bürgerversammlung für Ärger — Prostituierte ziehen in Wohnhäuser um — Stadt machtlos? - 28.09.2011 07:59 Uhr

Szene Fuggerstraße: Autohandel und ein Hotel, in dem man sich die Zeit vertreiben kann.

Szene Fuggerstraße: Autohandel und ein Hotel, in dem man sich die Zeit vertreiben kann. © Weigert


„Die schönsten Bordelle Nürnbergs sind in St. Leonhard.“ Eine Postkartenaktion der Künstlergruppe LeopArt vom Mai diesen Jahres geht vielen Bewohnern im Stadtteil immer noch gehörig gegen den Strich. Bei der Bürgerversammlung in der Dunantschule machten sie ihrem Zorn Luft.

„St. Leonhard ist ein Stadtteil, der eh schon als problematisch und sozialer Brennpunkt verschrien ist“, schimpft Eva Hiller (58), die seit 14 Jahren im Westen Nürnbergs wohnt: „Müssen wir dann auch noch solch eine Negativwerbung hinnehmen?“

Während Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) darüber eigenen Angaben zufolge „lächeln“ musste und die Kulturreferentin Julia Lehner der Meinung ist, dass mit dieser Form der Kunst die Bürger wachgerüttelt werden sollten, kann der Vorsitzende des Bürgervereins St.Leonhard/Schweinau, Klaus Thaler, nicht über die Aktion lachen: „Damit wurde ein kleiner Flächenbrand gelegt und der Boden für weitergehende Prostitution bereitet.“

Ruhige Wohngegend

Und dies ist den Anwohnern zufolge schon geschehen: „Von der Gegend um die Fuggerstraße und Leyher Straße war uns das Problem schon länger bekannt“, erklärt Hiller. Nun gebe es die käufliche Liebe auch in der Heinrichstraße. „Das war bislang eine ruhige Wohngegend“, so Hiller weiter. Nun stünden die Türen eines Wohnhauses mit mehreren Mietwohnungen bis spät in der Nacht offen und fremde Männer gingen ein und aus, berichtet eine Frau, die mit ihrem Mann und den drei Kindern in dem besagten Haus wohnt. Prostituierte würden ihre Kundschaft in den Wohnungen empfangen.

Diese Postkarte verteilte die Künstlergruppe LeopArt im Stadtteil und sorgte damit für viel Ärger.

Diese Postkarte verteilte die Künstlergruppe LeopArt im Stadtteil und sorgte damit für viel Ärger. © oh


Maly ist die Problematik bekannt: „Die Prostitution weicht aus den Rotlichtvierteln und verteilt sich in der Breite.“ Jedoch beobachte man die Szene und schreite ein, wo es Probleme gibt, versichert er. Eine weitere Mieterin, die ihre Sorgen bei der Bürgerversammlung vortrug, merkt davon bislang noch nichts: „Meine Kinder haben Angst. Auch sie werden im Hausflur komisch angesehen. Als wir die Polizei riefen, sagte die nur: Wir können nichts machen.“

Das Problem: Den Ordnungsbehörden sind die Hände gebunden, solange aus einer Mietwohnung kein Minibordell werde, das die anderen Mieter stört oder einschränkt. „Wir können nur gegen konkrete Ordnungswidrigkeiten vorgehen“, sagt Maly. Dennoch kündigte er an, Ordnungsamt und Bauordnungsbehörde zur Überprüfung vorbeizuschicken.

Die Bürger sind sich unterdessen einig: Die Postkartenaktion war unangebracht. Und eine weitere Frau aus St. Leonhard fragt erbost: „Wie will man die geplanten, teuren Wohnungen auf dem Zucker-Bär-Areal irgendwann verkaufen, wenn man solch eine negative Vermarktungsstrategie für unser Viertel fährt?“

Auch bei der nur mäßig besuchten Kinderversammlung gab es Kritik an der Situation rund um die Fuggerstraße. „Wir trauen uns da nicht mehr durchzulaufen“, klagten Jugendliche.

  

ALEXANDRA HADERLEIN

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