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„In den Weihnachtsferien, das war der Wahnsinn“, erinnert sich Sonja Kuch aus dem Spitzleitenweg. Sie ist direkte Nachbarin des Steiner Freizeit-Tempels. Selbst der weiter entfernte Aldi-Parkplatz sei durch Badbesucher belegt gewesen. Deshalb blicke man bereits jetzt mit Sorgenfalten auf der Stirn auf die bevorstehenden Faschingsferien. Kuch: „Wir haben ehrlich gesagt einen richtigen Bammel vor dem, was da wieder auf uns zukommt.“ Dabei sind es nicht nur zugeparkte Straßen und Grünflächen, die die Anlieger am Palm Beach auf die Palme bringen.
Das ständige Gekreische der Badegäste, die durch die Rutschen jagen, gehe einem ganz schön auf die Nerven. Im Sommer draußen im Garten sitzen, daran sei sicher nicht mehr zu denken.
Werner Hör, einer ihrer Nachbarn, gibt ihr recht. Die Lage, so schimpft er auf Anfrage des Stadtanzeigers, habe sich seit Eröffnung der Rutschen Ende des letzten Jahres deutlich verschlechtert. Am schlimmsten sei der Verkehr. Viele Gäste kämen von weit her, was an den Autokennzeichen abzulesen ist. Was den früheren Kunsterzieher am Gymnasium besonders ärgert: Die Stadt Stein schaue dem Treiben zu und unternimmt nichts dagegen.
Anwohner hätten sich einmal die Mühe gemacht, die parkenden Autos rund ums Palm Beach zu zählen. 1200 seien es gewesen. Und das bei 300 zur Verfügung stehenden Parkplätzen. Mehr müsse man wohl dazu nicht sagen.
Im Landratsamt Fürth, das für die Genehmigung der neuen Rutschenanlage zuständig ist, reißen die Beschwerden der Nachbarn nicht ab. Es gebe zwar keine Schwemme von Protestschreiben, heißt es auf Anfrage des Stadtanzeigers. Doch die Leute stünden weiter auf der Matte.
Hauptkritikpunkt sei derzeit aber weniger das Parkplatzproblem sondern der Lärm, der von den Rutschen ausgeht. Deshalb werde man vor den Osterferien vor Ort Messungen durch einen unabhängigen Gutachter durchführen lassen. Dann werde sich zeigen, ob die bisher vorliegenden zwei Lärmschutzgutachten, die auf Berechnungen basieren, realistisch seien oder nicht, betont Bernd Kuch, Sprecher des Fürther Landratsamtes.
Palm-Beach Betriebsleiter Vitali Strobel freut sich, dass die als Europas längste Rutschenanlage offenbar ein Besuchermagnet geworden ist. Die Leute seien begeistert und vor den Kassen des Freizeitbades hätten sich vor allem in den Weihnachtsferien und auch an den Wochenenden lange Schlangen gebildet. Zum Teil habe man mit einem Einlassstopp reagieren müssen. Auch weil die Anzahl der zur Verfügung stehenden Umkleidekabinen nicht mehr ausgereicht hatte.
In Zahlen heißt das: An einem normalen Wochenende registriert man im Steiner Freizeitbad zwischen 3000 und 4000 Badegäste pro Tag. Zehn Prozent mehr als vor der Eröffnung der Rutschenanlage. Und das, obwohl das komplette „Space-Center“ mit einer Gesamtrutschenlänge von mehr als 1,6 Kilometer noch gar nicht ganz fertig ist. Es fehlt die Dreifach-Wettkampf-Rutsche „Star Gate“, für die noch keine Genehmigung vorliegt. In dieser Röhren-Kombination können drei Besucher nebeneinander auf Zeit nach unten rutschen. Die Genehmigung für die Inbetriebnahme erwartet Strobel in Kürze: „Am besten wäre es natürlich noch vor den Faschingsferien.“ Von massiven Nachbarbeschwerden weiß Strobel nach eigenen Aussagen nichts. Allerdings werde rings um das Palm Beach aufgepasst. Einräumen muss der Betriebsleiter aber auch, dass es mit den Parkplätzen schon eng wird.
Strobel betont: „Aber wir haben die geforderten Stellflächen nachgewiesen.“ Erschwerend komme allerdings hinzu, räumt er ein, dass viele der Badbesucher ihre Autos einfach da abstellen, wo der Weg zum Palm Beach möglichst kurz ist.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.