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Ohne das große Kruzifix würde nicht viel darauf hinweisen, dass man in einer Kirche ist. Nicht Orgelmusik, sondern Fanfaren mit der berühmten Titelmelodie von „Krieg der Sterne“ schallen durch den Raum. Auf Großleinwänden stimmt eine durch den Weltraum schwebende Laufschrift stilgerecht auf den Gottesdienst ein.
Nicht nur, dass die moderne Kirche ein klein wenig an den Jedi-Tempel aus den Kult-Filmen erinnert, der ganze Gottesdienst dreht sich um das Thema „Star Wars“. Im falschen Film glaubt sich deshalb aber anscheinend keiner der etwa 300 Besucher. Viele sind sogar genau deshalb hergekommen, weil sie wissen wollen, was die Kirche zum Leitthema des Weltraummärchens zu sagen hat: dem Kampf von Gut gegen Böse, Schuld, Sühne und die dunkle Seite der Macht.
Mitten drin und als Jedi-Ritter verkleidet: Regionalbischof Stefan Ark Nitsche und Markus Söder, der sich als Staatsminister eigentlich ganz gut mit den Versuchungen der Macht auskennen sollte. Er bekennt freimütig, dass man meistens spürt, ob etwas gut oder falsch ist, auch in der Politik: „Wenn ich ein Bauchgefühl hatte, das ist falsch, mir dann aber tausend schlaue Leute gesagt haben, ich soll es machen und ich es getan habe, war’s fast immer ein schwerer Fehler.“
Söder ist „Star Wars“-Fan der ersten Stunde: „Im Februar ,’78, als der erste Teil rauskam, war ich in der fünften Klasse und hatte an dem Tag einen Zweier in Englisch rausbekommen. Da hat mir meine Mutter erlaubt, den Film im Atlantik-Kino anzuschauen.“ Wie Generationen von Fans erlag er der Faszination der Weltraum-Saga: „Den ersten Teil hab’ ich mindestens zehnmal gesehen. Aber ein bisschen Angst hat man schon immer gehabt, vorm Darth Vader.“ Bischof Nitsche wurde erst vor zwei Jahren von seinem Sohn in die Welt der Jedi-Ritter eingeführt. „Mein Sohn hat mir die Geschichten erzählt, bevor ich überhaupt die Filme gesehen habe. Dadurch kamen wir auf Fragen, die er mir so nie gestellt hätte.“
Das wäre doch ein tolles Thema für die Jugendkirche, fanden beide, als sie bei einer Flasche Wein ihr gemeinsames Faible für „Star Wars“ entdeckten. Beim LUX-Team rannten sie mit der Idee offene Türen ein und die Jugendlichen stellten einen Gottesdienst auf die Beine, mit Söder und Nitsche als „Stargäste“.
Ein bisschen sieht es dann schon nach Fasching aus, als die beiden in ihren Jedi-Kutten neben dem Altar stehen und unterstützt von ihren Söhnen, beim Star-Wars-Quiz ihr Wissen über die beiden Trilogien unter Beweis stellen müssen. Die drei jungen Experten aus dem Publikum gewannen klar gegen die Promis.
Danach werden Schlüsselszenen aus den Filmen gezeigt und diskutiert. Das ist unterhaltsam, aber spätestens jetzt wird klar, dass es um Glauben und Spiritualität geht und die Science-Fiction-Saga als Aufhänger für grundsätzliche moralische Fragen dient. Hat man wirklich immer die Wahl, sich für das Gute oder Böse zu entscheiden? Wenn man auf dem falschen Pfad gelandet ist, kann man dann noch umkehren? „Möge die Macht mit euch sein“, wird den Gläubigen nach dem Schlussgebet und einem letzten Song der LUX-Band auf den Weg mitgegeben.
„In einer katholischen Kirche wäre das unmöglich“, murmelt ein Besucher beim Hinausgehen anerkennend. In einem normalen evangelischen Gottesdienst wohl auch nicht, möchte man hinzufügen. Aber in der Jugendkirche schon, denn die soll Kirche wieder attraktiver für junge Menschen machen und setzt dabei auf Sprache und Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Pfarrer Tobias Fritsche: „Veränderung steht der Kirche gut an, sich weiterzuentwickeln. Für uns bedeutet das, Jugendliche und ihre Ausdrucksformen ernst zu nehmen. Die Jugendkultur ist voller religiöser Symbolik.“
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