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Ein Einfamilienhaus am Rechenberg. Der Garten gepflegt, aber nicht überkandidelt, einladend selbst noch an diesem kühlen Herbsttag. Gleich am Eingang zwei Bienenvölker in großen Holzquadern, sorgfältig abgedeckt, schon winterfertig. Ganz unten, am schmalen Ein- und Ausflugschlitz, lässt sich noch die eine oder andere Bewohnerin blicken. Doch nach anstrengendem Blütenstaub-Transport sieht das nicht mehr aus, eher schon nach der Trägheit am Ende der Saison.
Im Wohnzimmer ein kleines Set mit leuchtend gelben Wachskerzen, daneben ein Glas Honig aus eigener Herstellung mit einem gleichsam summenden Etikett. Bio-Honig, steht in einem warmen Gelb darauf, haltbar bis Ende 2014, drei Gütesiegel. Und ganz oben der Name der Produzenten, die Bienenhüter, was nichts anderes heißt als: Lienhard Barz und Marc Schuller, die Hobby-Imker, wie sie sich leicht tiefstapelnd nennen. Denn was die beiden produzieren, im „zertifizierten Betrieb“, wie der Hausherr unterstreicht, lässt so manche Massenware im Supermarktregal alt und zusammengeschleudert aussehen.
„Das hier ist Standorthonig, der schmeckt nach den Linden und Akazien hier und nach den Pflanzen und Sträuchern aus den Gärten in der Umgebung“ erklärt Lienhard Barz und gießt Tee ein, „wenn die Bienen weiter weg waren, schmeckt der Honig gleich anders“. Am Marienberg ist das Aroma anders als am Rechenberg, Stadion ist anders als Steinplatte, eigentlich logisch, und doch braucht es einen feinen Gaumen dafür. „Es gibt eine strenge Honigverordnung, die besagt, es muss ein erheblicher Anteil der besonderen Blütenart im Honig sein, dass man von einem Sortenhonig sprechen kann.“ Das kann dann auch Kastanie oder Raps sein.
Dagegen machen die Bienenhüter, was man beim Wein einen Cuvée nennen würde, eine Mischung also, die nur nach Frühlings- und Sommerblüten unterschieden wird. Details und Unterschiede, wie sie zum Beispiel in der Bienenpädagogik von Belang sind. Soll heißen: Einmal die Woche gehen Lienhard Barz und Marc Schuller in die Konrad Groß-Schule in der Oedenberger Straße und widmen sich der Neigungsgruppe Imkerei.
Ein ganzes Jahr lang, mit all den völlig unterschiedlichen Arbeiten, die je nach Jahreszeit anfallen. „Da erfahren die Schüler eine Menge über das geheimnisvolle Leben der Bienen.“
Einiges davon wird spürbar, wenn Barz von der Organisation eines Bienenvolks erzählt. Circa 40000 Bienen sind ein Volk und jede einzelne hat eine bestimmte Aufgabe: Sauber machen, Ammendienst, Wärme produzieren, den Eingang bewachen, erst ganz am Ende eines Bienenlebens geht es darum, auszufliegen und den Nektar einzusammeln.
Privileg der Königin ist es, die Eier zu legen, bis zu 2000 Stück am Tag, nachdem sie von den Drohnen, den männlichen Bienen, begattet wurde. Eine klassische Arbeitsteilung also. Die ideale Firma, wenn man so will.
Weil aber auch die Bienen nicht immer gleich gut drauf sind, schwankt der Jahresertrag pro Volk zwischen 10 und 40 Kilo im Jahr. Vermarktet wird der Honig weitgehend an der eigenen Haustüre und in einigen wenigen Läden. 3.80 Euro das kleine Glas, 5.50 Eurodas große. „Eigentlich ist das unbezahlbar angesichts der Investition von Arbeitszeit“, sagt Lienhard Barz und lässt ahnen, dass Imkern nichts für mal so nebenbei ist.
Und was macht man nun mit all dem Honig ? „Er ist vielfältig einsetzbar. Zum Süßen, Backen, für Salatsaucen, als Aufstrich, im Kosmetikbereich, zur Krankheitsvorbeugung und aufgrund der Blütenpollen zur Desensibilisierung bei Allergien bis hin zur Herstellung von Salben.“
Begonnen hat das alles auf dem „Erfahrungsfeld der Sinne“, dessen Begründer Lienhard Barz 1989 war, damals noch Leiter des städtischen Jugendamts. Da gab es eine Station zur Imkerei, „und das war so faszinierend, dass der Wunsch entstand, selbst Imker zu werden“, erinnert sich Barz und nahm gleich Kontakt zum hiesigen Zeidlerverein auf. Dann kam der Ruhestand und mit ihm die Gelegenheit, endlich den Wunsch in die Tat umzusetzen.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.