26°C
Mittwoch, 23.05. - 19:15 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Die Hahns lieben frisches Gemüse

Kleiner Laden in der Nordstadt bietet Besonderes - 28.09. 07:59 Uhr

Nordstadt  - Sie sind Nahversorgung und Tratschzentrale, Anlaufstelle für kleine Besorgungen und manchmal die letzte Rettung in großer Not: Tante Emma-Läden. Es gibt sie noch und es werden wieder mehr. Mitten im Stadtteil, ein Geheimtipp mit persönlicher Ansprache. Der Stadtanzeiger stellt einige von ihnen in einer kleinen Serie vor.

Immer frisches Obst und Gemüse: Ines und Andreas Hahn vor ihrem kleinen Laden in der Nordstadt.
Immer frisches Obst und Gemüse: Ines und Andreas Hahn vor ihrem kleinen Laden in der Nordstadt.
Foto: André De Geare
Immer frisches Obst und Gemüse: Ines und Andreas Hahn vor ihrem kleinen Laden in der Nordstadt.
Immer frisches Obst und Gemüse: Ines und Andreas Hahn vor ihrem kleinen Laden in der Nordstadt.
Foto: André De Geare

Die Stunden, die Stunden! Andreas Hahn zählt sie nicht mehr, aber viel Zeit bleibt nicht neben dem Laden. Morgens um fünf Uhr fährt der 50-Jährige zum Großmarkt in der Leyher Straße, wo er mit Kennerblick Obst und Gemüse wählt. Dann zur Metro, für Quark, Milch, Joghurt und Salami, für die Süßigkeiten und beispielsweise die Mirabellen im Glas. Um 7.30 Uhr schließt er auf und um 18 Uhr wieder zu.



„Wenn der Mensch denkt, ich kaufe mir jetzt einen Joghurt“, sagt Andreas Hahn, „sieht er die Arbeit dahinter kaum.“ Es sind viele, die in seinem Laden an der Ecke Meuschelstraße/Uhlandstraße in der Nordstadt nur das kaufen, was noch fehlt. Eine Zeitschrift, ein Eis — oder wie der Herr hier, drei Bund Mangold. „1,2 Kilo, 2,80 bitte“, sagt der Einzelhändler. Eine Drittklässlerin verbringt eine Viertelstunde mit großen Augen vor der Kühltruhe und entscheidet sich dann für ein Kaktus-Eis, eine andere Kundin legt drei Pfirsiche und eine Birne auf die Theke.

Großeinkauf? Macht selten einer. Die Konkurrenz ist um die Ecke, ein Rewe-Markt und Aldi ist auch nicht so weit entfernt. Dazu zwei Bio-Läden in der Nähe. „Ich versuche, a bissla eine Mischung reinzubringen“, sagt Andreas Hahn, „und suche schon immer was raus, was man nicht überall hat.“

Äpfel wie geleckt

Wie der Mangold zum Beispiel, die prallen schwarzen Rettiche oder den Sack voll Walnüsse an der Kasse. Obst und Gemüse gilt seine Leidenschaft, die durchgearbeiteten Hände erzählen von den vielen Steigen, die er gehoben hat, und die Fingernägel vom Drehen, Wenden und Einsortieren der erdverbundenen Ware. Wie geleckt liegen Äpfel und Birnen. Dankt es wenigstens die Kundschaft? Andreas Hahn schaut sich in seinem Laden um, zuckt unmerklich mit den Schultern. So richtig.

„Früher hat man noch von Obst und Gemüse leben können“, seufzt er. Jetzt ist seine Frau Ines mit ihrem „Frühstückstreff“ mit in den Laden gezogen, sie bietet morgens zwischen neun und elf Uhr Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika an. Eigentlich eine gute Kombination, aber ob sie Erfolg bringt? Das weiß der Einzelhändler noch nicht.

Den Alltag empfindet er als Kampf: Lange Arbeitstage, steigende Kosten, das Rechnen mit spitzem Stift. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer und vor kurzer Zeit hat er erst den Boden im Getränkelager fliesen lassen. Was bleibt da übrig? Wenigstens die Miete bleibt stabil. Der Laden gehört wie die umliegenden Wohnblocks der Joseph-Stiftung. Nicht, dass das kirchliche Wohnungsunternehmen des Erzbistums Bamberg besonders niedrige Preise macht, aber sie sind verlässlich.

Mehr Umsatz wäre gut, bloß woher nehmen? Am Samstag hat Andreas Hahn längere Öffnungszeiten eingeführt, bis 18 Uhr. Eine zusätzliche Belastung, obwohl die Tochter ab Mittag übernimmt. Wochentags ist er sowieso allein im Laden. Und wenn er mal krank wird? Das passiert ja nicht, sagt er. Und wenn doch, denkt Andreas Hahn eher an die Ware als an sich: „Was soll ich machen? Dann verdirbt das Gemüse.“

Schön appetitlich

Überhaupt die Ware. Wohlgeordnet steht sie in den Regalen, vom Durcheinander der nostalgischen Tante-Emma-Vorstellung will Andreas Hahn nichts wissen. Schön appetitlich soll es sein. Das nestfrische Bio-Ei ebenso wie die geräucherte Makrele, das Maggi, die Limo und das Brot. Vor dem Eingang hält ein Wagen mit laufendem Motor, der Beifahrer steigt aus. „Hallo, den Hans kennst du doch“, sagt er. „Hast du Holzkisten? So flache für die Äpfel?“ Andreas Hahn nickt und verspricht, die Steigen aufzuheben. Eine Gefälligkeit für die Kleingärtner. „Das geht auch fast nur in den kleinen Läden“, seufzt Hahn.

Ihr Comeback – das Uwe Werner, der Geschäftsführer des bayerischen Einzelhandelsverbandes in Nürnberg, vor kurzem im Stadtanzeiger-Interview prognostiziert hat – bezweifelt Hahn stark. Mag sein, dass ihre Zahl wächst. Aber ob es für die Händler leichter wird?

Am Ende liebt er seine Arbeit doch. Wenn der Fotograf kommt, soll alles aufgeräumt sein. Und irgendwann geht auch der längste Arbeitstag zu Ende. Manchmal wird es 19 Uhr, bis Andreas Hahn nach Hause geht. Zur Wohnung am Nordklinikum. „Abends, dann esse ich und sitze am Balkon – so richtig schön!“ 



GABI PFEIFFER

Mail an die Redaktion

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Facebook Nürnberger Anzeiger
Nachrichten aus aller Welt

Schlagzeilen


User-Kommentare
Suche wird durchgeführt...

Fotoserien
Unsere Fotoserien
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.
Kunst sucht Finder
In unserer Fotoserie "Auf Pirsch im Tiergarten" finden Sie tierische Fotos.
Flachlandtapir ruft nach dem Zahnarzt
Suche wird durchgeführt...

Geschenk Ideen

Geschenk Ideen

Sie suchen ein nicht alltägliches Geschenk?
Im Pressearchiv Nürnberg werden Sie fündig: Historische Zeitungsnachdrucke, dazu passende Geschenkmappen und stilechte Zeitungshalter