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"Die Jugend hat wieder Spaß am Singen"

Chorleiter Rudolf Löw (72) über ein Leben ohne Musik - 25.04.2012 07:58 Uhr

KORNBURG  - Ein Leben ohne Musik? Das wäre für mich kein Leben, sagt Rudolf Löw. Der heute 72-Jährige leitete in den vergangenen Jahren zahlreiche Chöre und war Kreischorleiter. Aus gesundheitlichen Gründen muss er nun kürzertreten. In Kornburg und Penzendorf schwingt er allerdings immer noch mit viel Engagement den Taktstock.

Rudolf Löw in seinem Element. Der engagierte Chorleiter aus Kornburg freut sich, dass das Singen wieder „in“ ist.
Rudolf Löw in seinem Element. Der engagierte Chorleiter aus Kornburg freut sich, dass das Singen wieder „in“ ist.
Foto: Hahn
Rudolf Löw in seinem Element. Der engagierte Chorleiter aus Kornburg freut sich, dass das Singen wieder „in“ ist.
Rudolf Löw in seinem Element. Der engagierte Chorleiter aus Kornburg freut sich, dass das Singen wieder „in“ ist.
Foto: Hahn

Herr Löw, wie kam der junge Rudolf Löw zur Musik?
Rudolf Löw: Meine Mutter war Zitherlehrerin hier in Kornburg. Mein Vater stammte aus Plösberg nahe Weiden, sein Vater wiederum war Militärmusiker. Mit fünf, sechs Jahren bekam ich mein erstes Akkordeon. Zu Hause wurde Musik gemacht, und ich kam bald aufs Konservatorium.

Noch während Ihrer Schulzeit?
Löw: Ja, das stimmt. Erst als Gastschüler, dann als Hauptstudierender mit dem Ziel, Musikfachlehrer zu werden. Ich habe Trompete studiert und Klavier. Gespielt habe ich außerdem Gitarre, Orgel, Akkordeon und Zither. 28 Jahre lang habe ich in Schwabach am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium als Klavierlehrer gearbeitet.


Lange vorher hatten Sie Ihren ersten Chor übernommen. Welchen und wie kam es dazu?
Löw: Erst einmal war ich einfach nur Chorsänger hier beim Sängerkreis in Kornburg. Als der Chorleiter älter wurde, habe ich den Chor mit 17 Jahren übernommen. In der Kirche war ich zu dieser Zeit schon für den Orgeldienst verantwortlich. Der Chor bestand aus rund 30 Sängern.

Können Sie sich noch an das erste Konzert erinnern?
Löw: Ja, sehr gut. Wir haben damals Seemannslieder gesungen.

Darauf muss man auch nicht gerade kommen mitten in Franken.
Löw: Die Leute mochten das einfach. Ich habe die Stücke arrangiert. Aufgetreten sind wir im Gasthaus Blödel.

Und das ist der Chor, den Sie neben dem Penzendorfer noch bis heute haben. Werden Sie ihn behalten?
Löw: Das hängt so sehr von der Gesundheit ab. Mein Parkinson macht es mir seit fünf Jahren nicht leicht, die Proben zu halten.

Wie groß ist der Kornburger Chor denn heute, 55 Jahre nachdem Sie ihn übernommen haben?
Löw: 37 Sänger hier in Kornburg, 16 in Penzendorf.

Eigentlich ist es erstaunlich, so viele Männer zum Singen zu bewegen. Gerade bei den Männern tun sich doch solche Lücken auf.
Löw: Ich hatte das große Glück, dass auch zuletzt wieder vier, fünf junge Leute dazugestoßen sind. Und deshalb will ich mit denen etwas machen, was ihnen gefällt. Ich habe ja für meine Männerchöre immer auch Noten geschrieben – das, was gerade aktuell war oder jetzt aktuell ist.

Warum ist das Singen denn so aus der Mode gekommen? Warum gehen so wenige Menschen heute noch zum Chorsingen, ob Männerchor oder gemischter Chor?
Löw: Weil das Angebot insgesamt zu groß geworden ist. Die Stadtnähe wirkt sich da aus, das Internet und andere Sachen. Selbstständiger sind die Leute auch geworden.

Was war als junger Mensch in Ihren Ohren denn schöne Musik?
Löw: Vor allem Tanzmusik. Ich war der Trompeter im Leo-Fritsch-Sextett. Viel gespielt haben wir zum Beispiel in Roth bei der Bundeswehr.

Wie viele Chöre hatten Sie über die Jahre?
Löw: Fünf, die ich alle lange behalten habe: Kornburg, Penzendorf, Katzwang, Leerstetten und die Friseure in Nürnberg.

Chorleiter zu sein, ist ein hartes Brot, heißt es: Sänger, sagt man, sind oft wie Kinder, die schnell alles wieder vergessen haben. Wie schafft es ein Chorleiter, da nicht verrückt zu werden?
Löw: Man muss versuchen, immer alles plausibel zu machen und klarzustellen, dass keine Leistung möglich ist, wenn man nicht zu den Proben kommt. Ich habe meistens die Stimmgruppen einzeln einstudiert und nicht nur immer mit dem Klavier dazu gespielt.

Aber eine Stimme klingt nicht so schön wie vier – und weniger Spaß macht’s obendrein.
Löw: Richtig. Es bringt aber mehr. Die einen singen, die anderen lesen derweil die Noten mit. Am Ende einer Probe singen dann alle zusammen. Am liebsten auswendig. Und das macht ja auch mehr her, zum Beispiel bei Ständchen.

Wie viele Leute werden bei Ihnen gesungen haben im Laufe der Jahre?
Löw: Es waren über 400.

Welches Konzert würden Sie denn gerne noch einmal dirigieren?
Löw: Eins mit Chor und Orchester, Nabucco vielleicht oder ein schönes Weihnachtskonzert.

  

Stefan Bomhard

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