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Das Kind liegt also im Brunnen. Die reizvolle Bebauung im Stil der Gartenstädte hat unter Modernisierungswellen gelitten. Mein Haus, mein Stil, keines gleicht mehr dem anderen. Wer hier renovieren will, kann heute im Grunde machen, was er will. Das zumindest hörte der Bauherr des dunklen, kubischen Anbaus eines Reiheneckhauses, das er sanieren wollte, aus der Bauaufsicht. Ganz so einfach sollte es nicht werden. Doch heute steht der mit dunklem Eternit verkleidete Kubus neben dem grundsanierten Altbau (Architekt Manfred Witt), dessen Plan von 1919 stammt, und demonstriert, wie man trotz aller Freiheit einigermaßen rücksichtsvoll mit dem Bestand umgehen kann.
Andere taten das nicht, das ist in der Nachbarschaft zu besichtigen. Durch grelle Anstriche, variierende Dachziegel, entfernte Holzläden und Fenster- und Türenformate nach Gusto haben diese Häuserreihen ihr Gesicht verloren.
Hier dagegen hat der Bauherr die typischen Fensterläden erneuert — dass sie nun aus Metall sind, ist eine Konzession, die das Budget erforderte. Das fast völlig entkernte Gebäude betritt man durch eine Holztüre, drinnen ist alles neu, von der Treppe bis zu versetzten Wänden und Glasschiebetüren. Über einige Stufen nach unten betritt man den Wohnraum im 70-Quadratmeter-Anbau, der durch bodentiefe Fenster üppig belichtet und zum immer noch großen Garten weit geöffnet ist.
85 Quadratmeter hat der Altbau; was einst fünfköpfigen Familien genügte, wird heute als zu eng empfunden. Es wird angebaut. Hier durchaus selbstbewusst, ohne Anbiederung und in der Gestaltung klar abgesetzt neben dem Siedlungshäuschen. Dass die Baubehörde den Kubus dann doch nicht über die Dachrinne des Alten hinauswachsen ließ, war richtig. Nur die mächtige Gaube, die seitlich aufs alte Walmdach gesetzt wurde, stört das Gleichgewicht ein wenig.
Nächste Architektur: Die neue Fassade des Neuen Gymnasiums.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.