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Dunkles Holz wirkt zu düster

Eine neue Kindertagesstätte auf dem Tilly-Gelände - 11.11.2011 07:59 Uhr

Nürnberg  - Ein geschlossener Bau. Architektur, über die man das sagen kann, spielt fast schon in der Oberliga. Dazu braucht es nämlich Kompromisslosigkeit und eine gestalterische Idee, die gut genug ist, ein ganzes Gebäude zu tragen. Die U-förmige Kindertagesstätte im Tilly-Park (Architekten Rudolf Sander k, Diana Iglesis) ist solch ein geschlossenes Gebäude.

Umfangen und geschützt kann man sich im Innenhof des U-förmigen Neubaus fühlen.
Umfangen und geschützt kann man sich im Innenhof des U-förmigen Neubaus fühlen.
Foto: Stefan Hippel
Umfangen und geschützt kann man sich im Innenhof des U-förmigen Neubaus fühlen.
Umfangen und geschützt kann man sich im Innenhof des U-förmigen Neubaus fühlen.
Foto: Stefan Hippel

An ihrem Beispiel wird aber auch deutlich, dass von sich überzeugte Architektur Nebenwirkungen haben kann, die man sich bei einem Haus für Kinder nicht wünscht. Hermetisch abgedichtet, dunkel und fast schon abweisend, auch so wirkt dieses Haus.

Vor zwei Jahren ist die integrative Kindertagesstätte „Bärenstark“ in Großreuth eröffnet worden. 1300 Quadratmeter liegen auf einer Ebene, bis zu 200 behinderte und nichtbehinderte Kinder besuchen den drei Millionen Euro teuren Bau. Das Areal der einstigen Infanteriekaserne ist damit binnen zehn Jahren völlig umgebaut und neu genutzt worden.


„Bärenstark“: Vor dem Eingang sitzt das Maskottchen der integrativen Kindertagesstätte.<autor>
„Bärenstark“: Vor dem Eingang sitzt das Maskottchen der integrativen Kindertagesstätte.
„Bärenstark“: Vor dem Eingang sitzt das Maskottchen der integrativen Kindertagesstätte.<autor>
„Bärenstark“: Vor dem Eingang sitzt das Maskottchen der integrativen Kindertagesstätte.

In der Nachbarschaft liegt das Kompetenzzentrum Demenz, zu dessen Fensterläden aus Lamellen die Kita-Architektur einen deutlichen Bezug herstellt. Wie kräftige Schraffuren dominieren Holzleisten die Außenfronten des Flachbaus, mehr als beim mehrgeschossigen Nachbarn. Graphisch reizvoll ist das, bei aller Strenge.

Horizontale Douglasien-Hölzer auf Stahlrahmen können vor die dunkle Sonnenschutzverglasung des Hauses geschoben werden, vertikale Lamellen sind auf einem schwarzen Untergrund verschraubt und unbeweglicher Teil der Fassade. Das Holz ist dunkel lasiert. Wie gesagt, ein wenig düster sieht das aus, auch wenn Kindertagesstätten nicht zwangsläufig lila-blassblau oder in fröhlichem Sonnengelb daherkommen müssen.

Wer allerdings von den Elternprotesten im vergangenen Sommer gehört hat (wir berichteten), weiß, dass Läden und getönte Scheiben die Sonne nicht ausreichend abhalten. Die Kleinen schwitzten ordentlich. Jetzt sollen doch Stoffvorhänge hin — auch aus pädagogischen Gründen, wie zu hören ist. Kinder wollten nicht so viel Transparenz, kuschelige Höhlen und gemütliche Rückzugsräume seien ihnen viel lieber. Architektur-Purismus ist ihnen Wurst.


Wie die Läden können auch die meisten raumhohen Fenster nach Bedarf zur Seite geschoben werden. Auch dies hat sich als problematisch herausgestellt. So manches Kind entwischte und geriet so im schmalen Grünbereich hinter dem Gebäude außerhalb des Blickfeldes. Nachträglich installierte Riegel blockieren jetzt die Fenster spaltbreit. Geschützt, umfangen und gleichzeitig zum Bewegen animiert können sich die Nutzer des großen Innenhofs fühlen. Eines fernen Tages werden die mickrigen Bäume hier richtig groß sein.

Nächste ArchitekTour: Zwei Anbauten in Ziegelstein.

  

CLAUDINE STAUBER

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