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Ein Schulhaus voller Symbole

Gebäude des Melanchthon-Gymnasium besteht seit 100 Jahren — Große Feier - 04.12. 08:59 Uhr

WÖHRD  - Im Jahr 1911, vor genau 100 Jahren also, wurde das Schulhaus des Melanchthon-Gymnasiums in Wöhrd an der Sulzbacher Straße 32 eingeweiht. Aus diesem Anlass wurde in der Aula umfassend zurückgeblickt — mit interessanten Erkenntnissen.

Reich verziert ist die Eingangstür (li. unten) des Wöhrder Melanchthon-Gymnasiums (re.). Am Dach steht symbolträchtig die Kapitolinische Wölfin (li. oben).
Reich verziert ist die Eingangstür (li. unten) des Wöhrder Melanchthon-Gymnasiums (re.). Am Dach steht symbolträchtig die Kapitolinische Wölfin (li. oben).
Foto: Kunz/Weigert
Reich verziert ist die Eingangstür (li. unten) des Wöhrder Melanchthon-Gymnasiums (re.). Am Dach steht symbolträchtig die Kapitolinische Wölfin (li. oben).
Reich verziert ist die Eingangstür (li. unten) des Wöhrder Melanchthon-Gymnasiums (re.). Am Dach steht symbolträchtig die Kapitolinische Wölfin (li. oben).
Foto: Kunz/Weigert

Das „Alte Gymnasium“, wie es damals noch hieß, wurde 1526 gegründet und ist eines der ältesten humanistischen Gymnasien Deutschlands. Bis zum Umzug nach Wöhrd war es seit dem 17. Jahrhundert am Egidienplatz untergebracht. Martina Bauerfeind vom Stadtarchiv bot im Rahmen der Feierstunde einen Überblick zur Entwicklung der Vorstadt Wöhrd und ihrer Gärten. Eines der großzügigen Grundstücke im Besitz reicher Nürnberger Bürger war das Merkel’sche Anwesen, auf dem sich heute das Schulgelände befindet.


Die Geschichte des Grundstücks und seiner Umgebung spannt sich von der barocken Gartenkultur Nürnbergs mit Orangerien und Hesperiedengärten vor den Mauern der Reichsstadt über die Entwicklung zum bedeutenden Industriestandort bis in die Kaiserzeit, als der verwilderte Barockgarten und die Gebäude abgerissen werden und ein moderner Schulbau entsteht.


Eines der wenigen Überbleibsel des malerischen Merkelschen Palais ist die Stuckdecke in der Aula. Die kunsthistorischen Qualitäten des 100-jährigen Schulbaus nahmen Agnes Pelzl und ihr Sohn Johannes unter die Lupe. Zum ersten Mal zeigten sie bisher unbekannte Aufnahmen und zitierten Originaldokumente.

Bauherr für die Schule im protestantischen Nürnberg war die Regierung in München, die ihren Machtanspruch auch künstlerisch prominent darstellen ließ. Zum Beispiel durch ein übergroßes bayerisches Wappen über der Eingangstür des neobarocken Baus. In dem überraschend dichten und politischen Programm zur künstlerischen Gestaltung des Schulhauses geht es zunächst um Bildung und Bezüge zur Antike. Wie die Kapitolinische Wölfin auf dem Dach zieht die Schule quasi ihre „Schutzbefohlenen“ groß. Die eigentlich relativ nutzlose Sternwarte auf dem First gegenüber soll zeigen, dass das humanistische Gymnasium in der Gegenwart und bei den modernen Naturwissenschaften angekommen ist.

Ein beredtes Zeugnis



Das Haus ist aber auch ein beredtes Zeugnis für die Instrumentalisierung des Humanismus durch den Nationalismus im Kaiserreich. Interessant ist die Auswahl von Helden der Antike an der Außenwand: Arminius und Wotan neben Zeus, Homer, Sokrates und Cäsar, als Symbole von Deutschtum, Heldenlob, Staatsgehorsam und dem Kampf gegen den „Erbfeind“ Gallien.

„Das ist zum Teil erschreckend“, räumt Rektor Otto Beyerlein ein. Als komplett durchkonzeptioniertes Gesamtkunstwerk sei die Schule aber ein faszinierendes Relikt — wie langweilig seien die Zweckbauten einer modernen Demokratie. „Heute würde niemand mehr so ein kühnes Bauprogramm auflegen“, meint der Schulleiter nicht ohne Bewunderung.

Die Dichte der Symbolik und wie das Haus damals aussah, überraschte sogar greise Kenner im Saal. Was auf den alten Fotografien zudem deutlich wurde: Ein großer Teil des starken architektonischen Eindrucks von damals existiert heute nicht mehr. Die schmucke Turnhalle fiel einem Bombentreffer zum Opfer, anderes wurde verbastelt und verbaut. Ein Schulhaus gilt als „work in progress“ — es muss sich immer wieder den Anforderungen des Unterrichts anpassen. 100 Jahre nach dem Umzug wartet das Melanchthon-Gymnasium derzeit wieder auf dringend notwendige Modernisierungen. Wie in vielen anderen Schulen stehen die Toiletten und die naturwissenschaftlichen Fachräume ganz oben auf der Liste.

„Ich weiß, die Hausaufgaben sind vom Sachaufwandsträger teilweise noch zu erledigen“, räumte Schulbürgermeister Klemens Gsell in seiner Festrede ein. Er und viele andere Besucher können sich inzwischen auf die nächste Abendveranstaltung freuen: Am Donnerstag, 1.Dezember, 19 Uhr, spricht Staatsminister Ludwig Spaenle im „Melanchthon“ über „Was wir Griechenland wirklich schulden — das humanistische Gymnasium heute“. Man darf gespannt sein!
  




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